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Admiral warnt vor Eskalation in Ostsee

Admiral warnt vor Eskalation in Ostsee

Marine-Inspekteur Andreas Krause über Einsätze der Seestreitkräfte und die Zukunft des Standortes Rostock

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Inspekteur Andreas Krause (l.) und OZ-Chefredakteur Andreas Ebel

Quelle: Söllner

Die deutlich geschrumpfte Deutsche Marine bekommt immer mehr Aufgaben. Ist das zu schaffen?

Krause: Wir kommen zwar in eine Verfügbarkeitsdelle bei den Fregatten, weil sich Neubau und Modernisierung verzögern. Das können wir aber durch andere Boote und Schiffe kompensieren, so dass wir alle Aufgaben erfüllen können. Wir müssen aber dafür sorgen, dass die Besatzungen nicht überlastet werden, das gelingt uns derzeit.

Dafür erprobt die Marine das Konzept der wechselnden Besatzungen. Wie hat sich das bisher bewährt?

Krause: Früher machten lange Abwesenheiten von zu Hause und schlechte Planbarkeit den Dienst in der Marine unattraktiv. Heute wissen die Soldaten vor ihrem Einsatz etwa auf den Korvetten: Wann geht es los, wann komme ich zurück und was passiert danach? Zu Beginn gab es viel Skepsis, ob die Besatzungen ihre Schiffe aus der Hand geben. Mittlerweile ist das Vertrauen da, dass man von der Vorgänger-Crew ein gut geführtes Schiff übernimmt.

Wo ist die Marine aktuell überall im Einsatz?

Krause: Als einzige Marine beteiligen wir uns an allen vier ständigen Einsatzverbänden der Nato. Deutschland führt dabei den Minenabwehrverband I und leitet derzeit auch den Flüchtlingseinsatz in der Adria sowie die Operation Atalanta zur Sicherung der Seewege am Horn von Afrika.

Aber auch vor der eigenen Haustür hat sich die Sicherheitslage in den letzten Jahren zugespitzt. Ist die Marine dafür vorbereitet?

Krause: Nach 1989 hat sich die Marine vor allem auf Friedenseinsätze konzentriert. Mit den wachsenden Spannungen nach der russischen Annexion der Krim rückt wieder die Bündnis- und Landesverteidigung in den Blickpunkt. Wir müssen auch in der Ausbildung sicherstellen, dass die Soldaten für alle möglichen Anforderungen bereit sind – auch für den Kampf.

In letzter Zeit gab es aggressive Begegnungen in der Ostsee, vor allem zwischen Russen und Amerikanern. Wie sehen Sie das?

Krause: Das ist ein unnötiges und provozierendes Verhalten der Russen. Es besteht immer die Gefahr einer unnötigen Eskalation: Nur eine kleine Fehleinschätzung und ein Flugzeug landet in einem Schiffsmast. Wir müssen darauf achten, dass die Ostsee nicht wieder zu einem Meer der Konfrontation wird.

Manche sagen, die Amerikaner hätten in der Ostsee nichts zu suchen...

Krause: Die Amerikaner waren immer in der Ostsee. Sie ist Teil der offenen Weltmeere und es ist normal, sich auf hoher See frei zu bewegen – so wie es normal ist, dass die Russen im Ärmelkanal, vor Frankreich oder Australien operieren.

Für die Landesverteidigung waren auch die Schnellboote in Rostock-Hohe Düne vorgesehen, die jetzt ausgemustert werden. Ist das eine Schwächung des Standorts?

Krause: Das ist ein tiefer Einschnitt, aber die Zeit der Schnellboote ist vorbei. Sie waren für die Sicherung der Ostsee gegen den Warschauer Pakt konzipiert. Die geopolitischen Verhältnisse haben sich entscheidend verändert. Aber die Bedeutung von Hohe Düne ändert sich nicht, es wird keinen signifikanten Abbau von Dienstposten geben.

Wie wichtig ist Rostock für die Marine?

Krause: Eine Marine ohne Rostock gibt es nicht: Hier sitzen das Marinekommando und mit Hohe Düne ein wichtiger Stützpunkt. Hinzu kommt die Nähe zu Berlin. Die Entscheidung für Rostock war richtig.

In Hohe Düne sind fünf Korvetten stationiert. Es wird spekuliert, dass es auch mehr werden könnten.

Krause: Nein, das ist nicht geplant. Wir müssen die Marine modern erhalten und dafür auch investieren. Dabei gibt es Überlegungen, wieder kleinere Boote anzuschaffen, aber die sind nicht spruchreif.

Kleines Marine-Lexikon

Mehrbesatzungskonzept: Früher gehörten Besatzungen fest zu ihren Schiffen. Um die Soldaten effizienter einsetzen zu können, hebt die Marine dieses Prinzip nach und nach auf. Das Mehrbesatzungskonzept ermöglicht auch, Schiffe länger im Einsatzgebiet zu lassen und nur alle paar Monate die Besatzung auszutauschen.

Arbeitszeitrichtlinie: Anders als bei den meisten zivilen Berufen war die Arbeitszeit der Soldaten nicht geregelt. Das verstieß jedoch gegen EU-Recht. Daher wurde 2015 für Marinesoldaten während der Liegezeit im Heimathafen die 41-Stunden-Woche eingeführt. Bewacht werden die Schiffe teilweise von privaten Dienstleistern.

Ständiger Nato-Einsatzverband: Die derzeit vier ständigen multinationalen maritimen Reaktionsverbände der Nato sollen sicherstellen, dass das Bündnis schnell und flexibel operieren kann. Zu den Aufgaben der Verbände gehören Embargo- und Rettungsoperationen sowie humanitäre Hilfe, Katastrophen- und Anti-Terroreinsätze.

Oberster Marinesoldat

15 Inspekteure der Deutschen Marine gab es bislang. Der Inspekteur ist der oberste Vorgesetzte der aktuell rund 16000 Männer und Frauen auf den 60 Schiffen und Booten der Marine sowie an Land. Er ist dem Generalinspekteur der Bundeswehr unterstellt. Der aktuelle Inspekteur der Marine, Vizeadmiral Andreas Krause, ist seit Oktober 2014 im Amt. Sein Dienstsitz ist das Marinekommando in Rostock.

Interview von Andreas Ebel und Axel Büssem

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