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MV aktuell Ältere werden besonders oft Opfer schwerer Verkehrsunfälle
Nachrichten MV aktuell Ältere werden besonders oft Opfer schwerer Verkehrsunfälle
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05:05 15.04.2013

Im alternden Mecklenburg-Vorpommern werden Senioren überdurchschnittlich häufig Opfer von Verkehrsunfällen. Zugleich werden Unfälle, in die ältere Menschen verwickelt sind, oft auch von Autofahrern jenseits der 65 oder 70 selbst verursacht, erklärt Helmut Bode, Vorsitzender des Landesfahrlehrerverbandes. Er kritisiert die geringe Resonanz auf spezielle Auffrisch-

Fahrkurse für Senioren.

Laut Unfallstatistik ist etwa jeder fünfte Einwohner von MV älter als 65 Jahre. Bei den tödlich verletzten Unfallopfern sind die Älteren aber mit 28 Prozent überproportional häufig vertreten. 83 Menschen starben im Jahr 2012 bei Verkehrsunfällen im Nordosten. Davon gehörten 23 zur Generation 65 plus. Der Anteil der Älteren an den Getöteten steigt im Nordosten seit Jahren, wie aus der amtlichen Unfallstatistik hervorgeht. 2008 lag er noch bei 18, im Jahr 2011 bei 26 Prozent.

Karl-Heinz Völkner aus Kühlungsborn (Landkreis Rostock), Geschäftsführer des Seniorenverbandes MV, fühlt sich mit 78 Jahren noch fit für den Straßenverkehr.

Selbstverständlich steuert er selbst ein Auto, sagt er. Probleme hat er nur mit dem Sehen. Und die Beweglichkeit etwa für den Schulterblick zum Überbrücken des toten Winkels l ässt nach, gibt der Rentner zu. Gesetzlich verordnete Fahrtests für Senioren lehnt er dennoch ab. Völkner: „Solche Prüfungen bilden die Realität im Verkehr nicht ab.“

Der Fahrlehrerverband moniert die geringe Teilnahme älterer Autofahrer an kostenlosen Auffrischkursen. Seit drei Jahren fördert das Land Theorie- und Fahrstunden für Senioren, das Programm ist aber kaum bekannt, kritisiert Verbands-Chef Bode. Fast 30 Fahrschulen bieten Auffrisch-Unterricht an. 2012 nahmen nur rund 300 Rentner daran teil. Finanziert wird die Nachhilfe für bis zu 1000 Senioren im Jahr. Im Fördertopf „Senioren in Fahrt“ sind jährlich 5000 Euro, so das Infrastrukturministerium.

„Im Flächenland Mecklenburg-

Vorpommern, in dem der öffentliche Personennahverkehr immer weiter abgebaut wird, ist das Auto gerade für Senioren mitunter unverzichtbar“, erklärt Fahrlehrer Bode.

Zugleich lassen im Alter Sehen und Beweglichkeit naturgemäß nach. Verkehrsunfälle, in die Senioren verwickelt sind, werden oft von älteren Kraftfahrern selbst verursacht, warnt er.

Unbedingte Vorsicht und regelmäßige Gesundheitschecks rät Völkner daher den älteren Fahrzeugführern. Auffrisch-Stunden hält er für eine gute Sache. „Viele Ältere meinen aber, sie befänden sich noch immer auf der Höhe des Wissensstandes“, vermutet er. Deshalb lehnen Senioren ein „Vorfahren“ in der Fahrschule eher ab. Er selbst behilft sich in Städten mit einem Navigationssystem, längere Touren fährt er mit der Bahn.

Eigentlich stellen ältere Fahrer kein besonderes Sicherheitsrisiko dar, erklärt Psychologe Ralf Buchstaller vom Medizinisch-Psychologischen Institut beim TÜV Nord in Hamburg. Statistisch verursachen Senioren um die 60 weniger Unfälle als Fahrzeugführer zwischen 18 und 24 Jahren. Die meisten sind sich ihrer gesundheitlichen Einschränkungen sehr wohl bewusst und vermeiden daher Fahrten im Dunkeln, über weite Strecken oder im Berufsverkehr der Großstädte.

Ab 75 bis 80 Jahren kippt die Statistik allerdings, so Buchstaller. Ab diesem Alter sind Senioren wieder häufiger in Unfälle verwickelt.

Wegen der demografischen Entwicklung wird der Anteil greiser Kraftfahrer in Deutschland in den nächsten Jahren zunehmen. „Medizinische Untersuchungen für Autofahrer sollten ab 70 Jahren Standard werden.“

Tauglichkeitsprüfungen in einigen EU-Ländern
In einigen EU-Ländern sind Checks für ältere Fahrzeugführer bereits an der Tagesordnung. So muss man in Spanien bereits mit 45 Jahren ein Seh- und Hörtest absolvieren. In Schweden und Großbritannien ist für Senioren alle drei Jahre ein Fahrtauglichkeitstest fällig, in den Niederlanden alle fünf Jahre.

Seit 19. Januar 2013 wird in den 27 Mitgliedsstaaten der Europäischen Union der sogenannte EU-Führerschein ausgegeben. Dieser ist 15 Jahre gültig. Danach müssen die Führerscheindokumente ausgetauscht werden, eine erneute Fahrprüfung oder medizinische Untersuchungen sind nicht nötig.

Grit Büttner

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