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MV aktuell Älteste Sternwarte öffnet wieder
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00:00 28.07.2018
Joachim Duder (l.) und Michael Dohrmann vom Förderverein der Sternwarte Remplin e.V. stehen in der Kuppel der ältesten Sternwarte in MV neben dem Teleskop. Quelle: Foto: Bernd Wüstneck/dpa
Remplin

Heute öffnet die wohl älteste erhaltene Sternwarte Mecklenburg-Vorpommerns in Remplin (Landkreis Mecklenburgische Seenplatte) nach Jahrzehnten der Restaurierung offiziell ihre Tore für Besucher. Doch schon gestern konnten Interessierte zur Beobachtung der totalen Mondfinsternis in die Sternwarte kommen. Denn am Abend war ein extrem seltenes astronomisches Ereignis zu beobachten: Zu der mit etwa 103 Minuten längsten totalen Mondfinsternis des Jahrhunderts gesellte sich ein besonders heller und großer Mars, der während der Mondfinsternis in unmittelbarer Nachbarschaft zum Vollmond erschien.

Der Turm der Sternwarte in Remplin. Sie wurde 38 Jahre restauriert.

In Remplin bildete die Sternwarte eine interessante Kulisse für dieses Schauspiel, denn die jüngere Geschichte des über 200 Jahre alten Gebäudes ist durchaus besonders: 1793 ließ Graf Friedrich von Hahn, der sich auf Schloss Remplin ein Chemielabor und physikalische Instrumentensammlung anlegte, sein Gartenhaus zum Observatorium umbauen. Der heute restaurierte Turm entstand um 1800, doch nur fünf Jahre später starb der Graf und seine Sternwarte wurde immer weniger als solche genutzt, bis sie schließlich verfiel.

Im Sommer 1979 entdeckte Fürst, der damals Lehrer in Berlin war, mit einer Jugendgruppe das verfallene Gemäuer, erzählt er. Er fotografierte es und versuchte mehr herauszufinden: „Ich war voll interessiert und habe herausgefunden, dass das eine Sternwarte war.“

Im Jahr darauf beschloss er mit einigen Gleichgesinnten ein „bisschen aufzuräumen.“ Seit nunmehr 38 Jahren kommt die Gruppe für zwei Wochen im Sommer zum Arbeitseinsatz. Zu DDR-Zeiten war das gar nicht so leicht, sagt Fürst: „Geld war knapp, Material war knapp.“ Angefangen hätten sie 1980 mit nur sechs Leuten, heute seien es 30 bis 35. Von der Ursprungsbesatzung seien immer noch vier dabei.

Insgesamt etwa zehntausend Arbeitsstunden haben sie in die Restaurierung investiert, sagt Fürst. „Und wie viel Geld kann man gar nicht sagen. Wir hatten drei Währungen in der Zeit.“ Seit der Wende gaben etwa das Landwirtschaftsministerium, die Gemeinde Malchin, Stiftungen oder Sponsoren etwas dazu. Zur Eröffnung heute will deshalb auch Agrarminister Till Backhaus (SPD) vorbeikommen.

Mittlerweile hat die Sternwarte auch wieder ein Teleskop. Ein Teleskophersteller habe das gebrauchte Gerät gesponsort, das vorher in der Sternwarte Köln im Einsatz gewesen sei.

Heute ist Fürst 65 Jahre alt, im letzten Jahr bekam er für seine Verdienste um die Sternwarte das Bundesverdienstkreuz. Damals, als er mit seinen Schülern die Sternwarte entdeckte, war er Lehrer für Physik, Mathematik und Astronomie, erzählt er. Aber in dem Job habe er nur zehn Jahre gearbeitet, bevor er als hauptamtlicher Mitarbeiter an die Archenhold-Sternwarte in Berlin-Treptow wechselte.

„Die größte Vollsternwarte Europas“, sagt er nicht ohne Stolz. Vor drei Wochen ging er in den Ruhestand. „Ich wünsche mir, dass die Leute weiter am Ball bleiben und wir gemeinsam Spaß haben. Und dass uns die Stadt gewogen bleibt“, formuliert Fürst seine Wünsche. In Zukunft wolle er öfter aus Berlin nach Remplin kommen.

Hannes Stepputat

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