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MV aktuell Ärzte in MV wehren sich gegen Bevormundung durch Politik
Nachrichten MV aktuell Ärzte in MV wehren sich gegen Bevormundung durch Politik
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08:19 04.12.2018
Symbolbild: Ein Arzt untersucht die Ohren einer Patientin. Quelle: dpa
Rostock

Überfüllte Wartezimmer, Facharzttermine erst nach vielen Monaten – für viele (Kassen)Patienten in MV ist das bittere Realität. Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) kündigte schon im August bei einer Gesprächsrunde der Landes-CDU in Stralsund an, dass er dagegen etwas tun wolle.

Nun liegt sein Gesetzentwurf vor: Ärzte sollen mindestens 25 statt 20 Stunden Sprechzeiten pro Woche anbieten, Haus- und Kinderärzte fünf Stunden in der Woche als offene Sprechstunde, für Patienten ohne Termin. Eine bundesweite Telefon-Hotline soll helfen, Arzttermine zu vermitteln. Ärzte im Land weisen dies scharf zurück.

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Die Kassenärztliche Vereinigung (KV) in Mecklenburg-Vorpommern hat einen Brandbrief an die Politik geschrieben: Das neue Terminservice- und Versorgungsgesetz sei „ein weiterer Sargnagel für den freien Beruf Arzt“, heißt es darin. Ärzte seien dazu nicht befragt worden. Spahn wird eine „undemokratische und dirigistische Vorgehensweise“ unterstellt. Folge werde sein, dass weitere Ärzte hinwerfen. Denn das neue Gesetz bringe mehr Bürokratie, schränke aber die Selbstverwaltung ein. Durch eine verordnete Telefon-Hotline für Termine werde die freie Arztwahl eingeschränkt. Die Ärzte in MV warnen: Schon jetzt liege die wöchentliche Arbeitszeit „bei über 50 Stunden“. Denn pro Arzt gebe es hier 20 Prozent mehr Patienten als im Bundesdurchschnitt.

Mehr Ärzte, weniger Zahnärzte

212 Einwohner kamen laut Statistischem Landesamt im Jahre 2017 MV-weit auf einen Arzt. 1990 waren es noch 371, im Jahre 2000 knapp 300 Einwohner. Im Bundesvergleich liegt MV damit – rein statistisch betrachtet – gut. Weniger Einwohner je Arzt haben nur Bayern (205), das Saarland (199), Bremen (165), Berlin (159) und Hamburg (139). Mit einem Verhältnis von 1:251 rangiert Brandenburg am anderen Ende der Skala.

Das Problem in MV ist die Verteilung zwischen Städten und ländlichen Regionen: In Rostock und Schwerin kommt ein Arzt auf 136 bzw. 118 Einwohner, in den Landkreisen Nordwestmecklenburg und Ludwigslust-Parchim ist das Verhältnis dagegen 1:340 bzw. 1:343.

MV-weit sind 7591 Ärzte registriert, davon 2454 mit eigener Praxis, 3859 in Kliniken – Tendenz seit Jahren überall steigend.

Die Zahl der Zahnärzte im Nordosten nimmt dagegen ab: 1535 (1990), 1524 (2000), 1447 (2017).

Gesundheitsexperte verwundert

Beobachtete Realität in einer Arztpraxis in MV: Der Mediziner bietet an diesem Tag nur Termine für bestimmte Patienten. „Selbstzahler oder Privatpatient?“, fragt die Sprechstundenhilfe einen älteren Herren. Der stutzt. Für ihn wird der Doktor heute nicht zu sprechen sein. Versicherte der gesetzlichen Krankenversicherung haben es vielerorts schwer – weil bei anderen für die Behandlung mehr zu holen ist. So könne es nicht bleiben, erklärt Dietrich Monstadt, Gesundheitsexperte der CDU im Bundestag aus Schwerin. „Wer eine KV-Zulassung hat, hat einen gesetzlichen Auftrag und darf Privat-Patienten nicht bevorzugen oder besser behandeln, das gilt bei Terminvergabe wie Behandlung.“ Er sei verwundert, dass die KV öffentlich so Stimmung mache. „An mich hat sich noch niemand gewandt“, so Monstadt. „Ich bin aber gesprächsbereit.“

Verbraucherzentrale macht sich für Patienten-Interessen stark

Für die Patienten-Interessen macht sich auch die Verbraucherzentrale MV stark. „Jeder muss die Möglichkeit haben, in einem angemessenen Zeitraum einen Termin zu bekommen“, erklärt Gesundheitsexpertin Wiebke Cornelius. Sie lobt die Initiative des Gesundheitsministers. Kein Arzt sei „gezwungen, Mitglied der KV zu werden“. Besser aus ihrer Sicht wäre ein System für alle, Kassen- und Privatpatienten, „wie in allen anderen Ländern Europas auch“. In Deutschland sind knapp zehn Prozent der Menschen privat versichert, in MV weniger.

Gesetzentwurf im Bundestag

Im Dezember soll Spahns Gesetzentwurf den Bundestag erreichen, im Februar oder März könnte das Gesetz beschlossen werden. Bis dahin sei noch Zeit, erklärt Sonja Steffen aus Stralsund, die für die SPD im Bundestag sitzt. Bei einer öffentlichen Anhörung könnten alle Verbände ihre Position einbringen. „Ich werde meinen Beitrag dazu leisten, dass eben auch die Belange der ländlich geprägten Länder ausreichend berücksichtigt werden müssen“, so Steffen. Dietmar Bartsch (Linke), Rostock, erklärt: „Bundesgesundheitsminister Spahn sollte den Aufschrei der Ärzte ernst nehmen und eine Modifizierung seines Gesetzes vornehmen.“

Zu Wartezeiten bei Ärzten in MV gibt es nach Angaben der Kassenärztlichen Vereinigung derzeit „keine belastbaren Erhebungen“. Die KV verweist auf bundesweite Statistiken. Demnach mussten nur 16 Prozent der gesetzlich und zehn Prozent der privat Versicherten länger als drei Wochen auf einen Termin warten.

Frank Pubantz

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