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AfD will Wahlen künftig mit absoluten Mehrheiten gewinnen

Gägelow AfD will Wahlen künftig mit absoluten Mehrheiten gewinnen

Parteitag in Gägelow wählt neuen Landesvorstand und streitet kontrovers über Ausrichtung und Formalien / Holm schließt Koalition mit CDU aus

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Für uns ist eine neue Zeitrechnung angebrochen, ab sofort in der ersten Reihe aktiv zu sein.“Leif-Erik Holm, AfD-Landeschef

Gägelow. Leif-Erik Holm (46, Klein Trebbow) und Bernhard Wildt (49, Rügen) sind die neuen Sprecher der Alternative für Deutschland (AfD) in MV. Die Parteimitglieder wählten die beiden gestern beim Parteitag in Gägelow bei Wismar. Holm wurde mit großer Mehrheit (knapp 94 Prozent) im Amt bestätigt, Hotelier Wildt setzte sich in einer Kampfabstimmung gegen Enrico Komning (48, Neubrandenburg) durch – 124 zu 66 Stimmen. Zwischendurch gab es ausgiebig Streit, Vorwürfe, sogar die Drohung, den Parteitag anzufechten.

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Parteitag in Gägelow wählt neuen Landesvorstand und streitet kontrovers über Ausrichtung und Formalien / Holm schließt Koalition mit CDU aus

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Der Saal ist viel zu klein. Mit rund 100 Parteimitgliedern hat die AfD-Führung gerechnet, 200 sind gekommen. Gäste müssen erstmal draußen warten, die Luft ist dünn. Holm verströmt Zuversicht. Die AfD sei mit 20,8 Prozent als zweitstärkste Kraft in den Landtag eingezogen. Nun müsse es Ziel sein, bei der Bundestagswahl zu punkten, „eigene Mehrheiten“ zu erreichen, Zusammenarbeit mit der CDU ausgeschlossen. Vom Wahlsieg Donald Trumps erhoffe er sich „Rückenwind für die AfD“, so Holm. Stehende Ovationen spenden die AfD-Leute ihrem Aushängeschild nach der Wahl. Holm warnt keck vor „Merkel’schen Verhältnissen“.

Enrico Komning hat es schwerer. Er empfiehlt sich als „national freiheitlich denkender und handelnder Patriot“, warnt vor „Unterwanderung und Zersetzung unserer Partei“ durch „Überläufer“. Prompt muss er sich kritische Fragen anhören, war er doch selbst früher Vorstandsmitglied bei Schillpartei und FDP. Dass er seine frühere Zugehörigkeit zum Wachregiment „Feliks Dzierzynski“ der DDR-Staatssicherheit bislang nicht erklärte, findet Kritik. Komning: „Ich habe mit Stasi relativ wenig zu tun gehabt.“ Konkurrent Bernhardt Wildt wirbt mit Bodenständigkeit und seinem Willen, innerhalb der Partei Brücken zu bauen. Aus seiner Sympathie für teils rassistische Pegida-Aufmärsche macht er keinen Hehl. Als Landeschatzmeisterin wird Ulrike Schielke-Ziesing wiedergewählt.

Die AfD sieht sich im Aufwind. Die Zahl der Mitglieder habe sich binnen eines Jahres von gut 300 auf 535 erhöht, sagt Ex-Landeschef Mathias Manthei, der nicht wieder antrat. Auch finanziell sei die Situation gut: Mit dem Einzug in den Landtag erhalte die Partei pro Jahr nun 89000 Euro vom Staat. Die Wahlkampfkosten 2016 bezifferte Manthei mit 355000 Euro.

Beim Parteitag geht es offensiv zur Sache. Bewerber um Vorstandsposten werden durchleuchtet. „Gegrillt“, sagt ein Zuhörer. Lagerkämpfe werden sichtbar. Ulf-Theodor Claassen muss sich für die Spaltung des Schweriner Kreisverbandes rechtfertigen. Petra Federau, Schwerin, wirft ihm „charakterloses Gebaren“ und Intrigen vor und zieht die eigene Kandidatur zurück. Als es zur Abstimmung kommt,

weigern sich Anwesende, Bleistifte zur Kennzeichnung auf dem Wahlzettel zu verwenden, aus Angst vor Manipulation. Ein Mitglied unterstellt, dass beim Landesparteitag im Februar Mitgliederlisten „manipuliert“ gewesen seien, um den Einzug in den Landtag zu beeinflussen.

Abgelehnt hat der AfD-Parteitag einen Antrag von Landtagsmitglied Prof. Ralph Weber, erst ab über 1000 Mitgliedern im Land Delegierten-Parteitage abzuhalten. Derzeit kann jedes Mitglied der Partei anreisen und abstimmen, was in der Vergangenheit zu Streit führte. Heinrich Berkel, Rostock, spricht von vielen „Karteileichen“.

Begonnen hat der Parteitag mit einer Gedenkminute anlässlich des Volkstrauertags. Tiefes Durchatmen bei Beobachtern: Während andernorts die Opfer von Gewaltherrschaft im Mittelpunkt stehen, rückt Holm gefallene Soldaten der Weltkriege nach vorn.

Frank Pubantz

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