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Agenten-Krimi: LKA-Mann soll Hunderttausende kassiert haben

Schwerin Agenten-Krimi: LKA-Mann soll Hunderttausende kassiert haben

Staatsanwaltschaft entwirrt ein Netzwerk der Nachrichten-Beschaffung / Auch der Geheimdienst BND soll Dienste aus MV bezahlt haben / Grüner fordert den Innenminister

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Dmytro Firtasch

Quelle: Inna Sikolovskaya/dpa

Schwerin. Das Landeskriminalamt (LKA) gerät wegen eines Agenten-Krimis ins Zwielicht. Nachdem die Staatsanwaltschaft Schwerin und das Bundeskriminalamt (BKA) Ende April zwei LKA-Beamte und eine Unternehmerin wegen Korruptionsverdachts festnahmen, werden Details bekannt. Im Auftrag des ukrainischen Oligarchen Dmytro Firtasch sollen die Verdächtigen Informationen auch von internationalen Geheimdiensten besorgt haben. Dafür sollen mehrere hunderttausend Euro geflossen sein. Ein Beamter soll auch auf der Honorarliste des Bundesnachrichtendienstes (BND) gestanden haben. Landtagsmitglied Johannes Saalfeld (Grüne) fordert Klärung.

Auftraggeber ein Milliardär aus der Ukraine?

Dmytro Firtasch soll Auftraggeber für das Spionage-Netzwerk mit Pfeiler in MV gewesen sein. Der ukrainische Gas-Oligarch wurde 2014 wegen Vorwurfs der Bestechung und Mitgliedschaft in einer kriminellen Vereinigung auf Antrag aus den USA in Wien verhaftet. Er soll in den USA Millionen-Schmiergelder gezahlt haben.

Zur Auslieferung kam es nicht.

Ein Mercedes C450 sollte es sein. 367 PS. Den habe sich Heinz-Peter H. (60) gegönnt, auch wenn das Monatsgehalt von 4200 Euro dafür wohl zu schmal war. Der Hauptkommissar ist einer der beiden Hauptverdächtigen im Korruptionsfall, der das LKA erschüttert. H. soll 461000 Euro von Unternehmerin Christina W. (69) erhalten haben. Das berichtet „Der Spiegel“ unter Berufung auf Ermittler und Ermittlungsakten. Die Staatsanwaltschaft Schwerin dementiert dies auf Nachfrage nicht, beruft sich aber auf das laufende Verfahren. „Die Ermittlungen sind noch nicht abgeschlossen“, sagt Sprecherin Claudia Lange.

Das kriminelle Handeln von Heinz Peter H. und seines früheren Kollegen Philipp H. (32) war vor gut zwei Monaten aufgeflogen. Gegen Bares sollen die LKA-Leute Informationen bei Sicherheitsbehörden besorgt und an Christina W. verkauft haben. W. wiederum sei früher Mitarbeiterin der DDR-Staatssicherheit gewesen, Deckname „Nina“ – und im internationalen Nachrichtenhandel gut unterwegs. 2005 soll die gewiefte Geschäftsfrau Heinz-Peter H. kennengelernt haben, berichtet „Der Spiegel“. Befragt in der Untersuchungshaft in der Haftanstalt Bützow, habe sie umfassend ausgepackt. Übergabeort von Informationen und Geld sei Dabergotz in Brandenburg, gewesen.

Verdient habe H. auch an Informationen für den deutschen Geheimdienst BND, von dem er eine „Aufwandsentschädigung“ erhalten habe. Von all dem wussten Mitarbeiter des LKA in Rampe bei Schwerin offenbar nichts. Bis auf einen: Komplize Phillip H., den die Staatsanwälte nach Festnahme im April wieder laufen ließen. Über ihn sei das LKA aber auf das Spionage-Netzwerk gestoßen: Als der 32-Jährige krank war, habe ein Kollege auf seinem PC Hinweise gefunden – über Kontakte zum amerikanischen Geheimdienst FBI oder zu Firtasch. Auch vom Secret Service, ein anderer US-Geheimdienst, ist die Rede. Über Observierung und Telefonüberwachung hätten Ermittler den Weg von Heinz-Peter H. zu W. gefunden.

Die Staatsanwaltschaft Schwerin äußert sich nicht zum Stand des Verfahrens. Es werde wegen Bestechlichkeit ermittelt. LKA-Chef Ingolf Mager betonte, dass die Ermittlungen auf Anstoß seiner Behörde ins Laufen gekommen seien. Es gab Durchsuchungen in der LKA-Zentrale, in Wohnhäusern in Ludwigslust, Schwerin und Wien.

Empört reagiert Johannes Saalfeld (Grüne): „Die Sicherheitsbehörden machen keine gute Figur: Der BND spielt sein eigenes Spiel, der Landesverfassungsschutz als zuständige Behörde für die Spionageabwehr ist ahnungslos, und das LKA steht fassungslos am Spielfeldrand.“ Innenminister Lorenz Caffier (CDU) müsse klarmachen: Der BND dürfe keine Landesbeamten als V-Leute nutzen. Saalfeld:

„Hätte der BND das LKA informiert, wäre der verdächtige Beamte vielleicht schon früher aufgeflogen.“

Caffier sagt, er wolle das mit Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU) auswerten. „Wir arbeiten das ordnungsgemäß ab.“ Enttäuscht sei er von den kriminellen LKA-Leuten. Der dicke Fisch im Netz allerdings sei Frau W. Caffier: „Und das ist Bundessache.“

Frank Pubantz

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