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Agrarbeihilfen: Bauern beklagen ausufernde Bürokratie

Schwerin Agrarbeihilfen: Bauern beklagen ausufernde Bürokratie

Milchkrise, Nitratgrenzwerte, Bodenverkäufe – Landwirte wollen mitreden

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2016 war ein katastrophales Jahr – wir sind froh, dass es vorbei ist. Detlef Kurreck, Bauernpräsident MV

Schwerin. Das neue Jahr beginnt mit einer guten Nachricht: Die Milchpreise steigen. „Einige Molkereien zahlen 32 Cent pro Liter“, konstatierte Landesbauernpräsident Detlef Kurreck gestern in Schwerin. „Damit sind wir jedoch noch lange nicht in dem Bereich, in dem Geld verdient wird“, relativierte er aber sofort den positiven Trend. „Wir sind jetzt ein bisschen weniger tot, zum Leben reicht es nicht.“ Mindestens 35 Cent je Liter seien nötig, um in der Milchproduktion rentabel arbeiten zu können.

Die Milchkrise habe gezeigt, dass „staatliches Krisenmanagement zu spät greift“, meinte Kurreck. 158 Betriebe in MV hätten sich für das „Milchreduktionsprogramm“ gemeldet – überdurchschnittlich viele. Ziel war es, so die Überproduktion zu bremsen. Es gebe aber Signale, „dass viele das jetzt nicht durchziehen“. Für jeden nicht produzierten Liter Milch erhalten Betriebe 14 Cent, ausgezahlt wird erst ab Februar. Da die Molkereien aber für jeden gelieferten Liter jetzt schon 32 Cent zahlen, „wird aus vollen Rohren gemolken“, weiß der Präsident. Das könne dazu führen, dass bald wieder zu viel Milch auf dem Markt sei und werde irgendwann Auswirkungen auf die Agrarstruktur haben. „Überleben werden Betriebe, die solche Krisen überstehen.

Und die haben dann um die 1000 Kühe“, meint Kurreck.

Er stellte auch fest, dass mit den steigenden Milchpreisen die Bereitschaft sinkt, Lehren aus der Milchkrise zu ziehen. Im Sommer gab es die Forderung, dass Molkereien und Landwirte künftig „auf Augenhöhe“ Verträge miteinander schließen sollten. Kurreck: „Dieses Fenster schließt sich gerade. Es sieht aus, als wenn sich das konservative Denken wieder durchsetzt.“

Zum Nitratbericht der Bundesregierung formulierte Hauptgeschäftsführer Martin Piehl die Position des Verbandes. Wo es Überschreitungen bei Nitraten gebe, sei die Landwirtschaft bereit, mit der Wasserwirtschaft an Verbesserungen zu arbeiten. Der Verband verlangt aber, dass „bedarfs- und standortgerechte Nährstoffversorgung der Pflanzen“ erlaubt sein müsse. Die neue Düngeverordnung solle jetzt „zügig verabschiedet werden“. Kurreck ergänzte: „Wir wissen, dass wir besser werden müssen.“

Kritik übte der Verband an wachsender Bürokratie . Um Agrarbeihilfen zu erhalten und Förderprogramme nutzen zu können, müssten die Landwirte so viele Anträge stellen, „dass jeder Betrieb nur damit eine ganze Arbeitskraft beschäftigt“. Das sei „unproduktiv“ und überfordere inzwischen auch die Verwaltung. Kurreck: „Wir brauchen vereinfachte Kontrollmechanismen.“

Bis die Gefahr der Vogelgrippe vorbei sei, forderte der Bauernverband alle Geflügelhalter auf, „Disziplin zu halten“. Der Verband unterstütze den Standpunkt, „dass ein hartes Regime“ nötig sei. Zwar gebe es bei langer Stallhaltung auch Probleme. So würden Legehennen weniger Eier legen. Nach zwölf Wochen Stallpflicht dürfen außerdem Eier aus Öko- und Freilandhaltung nur als Bodenhaltungs-Eier verkauft werden. Das sei ein Verlust von 3 bis 5 Cent pro Ei. Kurreck: „Wir hoffen, dass das bald durchgestanden ist.“

Den Dialog mit den Verbrauchern will der Bauernverband verbessern. „Mit Sachlichkeit und Fakten wollen wir überzeugen“, betonte Hauptgeschäftsführer Piehl. Zur Verbrauchermesse Grüne Woche in Berlin soll es eine Demonstration unter dem Motto „Dialog statt Protest! Redet mit uns statt über uns“ geben.

Position bezog der Verband auch zum Plan von Agrarminister Till Backhaus (SPD), der den großflächigen Verkauf von Agrarflächen begrenzen will. Kurreck bestätigte, dass in vielen Agrarbetrieben derzeit ein Besitzerwechsel stattfinde oder Geschäftsanteile veräußert werden. Dabei gehe es um Werte, „die in die Millionen gehen“. Nicht-Landwirte würden ihr Geld in Boden anlegen und damit die Bodenpreise hochtreiben. Generell spreche sich der Verband aber nicht dagegen aus, dass Industrie-Kapital in Ackerland angelegt wird. In Norddeutschland hätten Güter, die von Verwaltern geführt werden, eine lange Tradition. „Das hat der Landwirtschaft nicht geschadet“, meinte Präsident Kurreck. Es sei „abhängig von den Menschen, die dort agieren.“

Elke Ehlers

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