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MV aktuell Abgesagte Kreuzfahrten kosten Millionen
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15:20 17.11.2018
Die „Aidanova“ ist das neueste und bisher größte Schiff der Rostocker Reederei – mit Platz für 2600 Passagiere. Quelle: Hero Lang / Meyer-Werft
Papenburg/Rostock

Schlechte Nachrichten für fast 10 000 Passagiere von Aida Cruises: Ihre für Anfang Dezember geplanten Kreuzfahrten mit dem neuen Flaggschiff der Rostocker Reederei mussten am Freitag abgesagt. Der Grund: Die Auslieferung der „Aidanova“, des ersten komplett mit dem Flüssigerdgas LNG betriebenen Kreuzfahrtschiffes der Welt, verzögert sich weiter. Die Meyer-Werft hat noch immer nicht alle Arbeiten beenden können.

Aida bietet Entschädigung an

Für den Kreuzfahrt-Marktführer aus Rostock sind die anhaltenden Probleme auf der Werft eine echte Hiobsmeldung: Nach OZ-Informationen entgehen der Reederei mindestens 20 Millionen Euro Umsatz – eher sogar noch deutlich mehr. „Wir bedauern sehr, dass wir die Kreuzfahrten bis 19. Dezember mit der ,Aidanova’ absagen mussten – und wir haben vollstes Verständnis für die Enttäuschung unserer Gäste“, so Hansjörg Kunze, Vize-Präsident von Aida. Alle Gäste wurden den vollen Reisepreis erstattet bekommen. „Zudem bieten wir allen betroffenen Passagieren 50 Prozent auf eine andere Kreuzfahrt ihrer Wahl bei uns an.“ Wie viele Urlauber genau betroffen sind, sagt Kunze nicht. Die Verzögerung stellt auch das Aida-Servicecenter und auch die Buchungszentrale in Rostock vor Herausforderungen: „Wir rufen alle Gäste an, sind im Gespräch mit den Reisebüros“, so Kunze. „Wir gehen jetzt aber davon aus, dass die Kreuzfahrten ab dem 19. Dezember wie geplant von den Kanarischen Inseln starten können.“

Ja, für die Verzögerungen müsse die Werft eine Vertragsstrafe an Aida zahlen. Zur Höhe schweigen beide Seiten. Die beiden bisher jüngsten Schiffe von Aida, die „Aidaprima“ und die „Aidaperla“, waren bei Mitsubishi in Japan gebaut worden – und kamen jeweils mehr als ein Jahr später als geplant. Die Reederei soll dafür mehr als eine Milliarde Euro an Entschädigungen von dem Weltkonzern erhalten haben.

Probleme beim Innenausbau

Vor allem beim Innenausbau des neuen Schiffes gibt es offenbar Probleme: Kabinen, Restaurants und auch der Unterhaltungsbereich der „Aidanova“ sind noch nicht fertig. Mit dem neuen LNG-Antrieb, der Technik und den Sicherheitseinrichtungen an Bord gäbe es hingegen keine Probleme. Eine erste Testfahrt vom niederländischen Eemshaven aus hat das Schiff nach Angaben der Meyer-Werft bereits erfolgreich absolviert. „Technisch läuft alles an Bord ordentlich und einwandfrei“, so Werft-Sprecher Peter Hackmann. Für Freitagabend war eine zweite Fahrt auf die Nordsee geplant. Mit dabei unter anderem Experten und Beobachter der Küstenwachen aus Italien (die „Aidanova“ wird unter italienischer Flagge fahren) und den USA.

Die Meyer-Werft hatte erst vor wenigen Tagen in einer Mitarbeiter-Zeitschrift eingeräumt, dass es bei mehreren Neubauten „erhebliche Verzögerungen“ gibt. Nicht nur die „Aidanova“, sondern auch Schiffe für die Reedereien Royal Caribbean Cruises („Spectrum of the Seas“) und Saga Cruises („Spirit of Discovery“) seien betroffen. Die Geschäftsführung des Familienunternehmens Meyer forderte die Belegschaft unter anderem zu „freiwilliger Mehrarbeit“ auf. „Es ist richtig, dass unsere Auftragsbücher voll sind und wir an vielen herausfordernden Projekten arbeiten“, so Meyer-Sprecher Hackmann. „Wir sind aber optimistisch, die geplanten Übergabetermine im April, Juni und Oktober 2019 einzuhalten.“ Auch Aida-Sprecher Kunze gibt sich zuversichtlich: Meyer baut für den Aida-Mutterkonzern Carnival insgesamt neun Schiffe. Derzeit wird in Turku ein Schiff für die Schwester-Reederei Costa gefertig, vor wenigen Tagen wurde zudem mit dem Bau eines Schiffes für die amerikanische Carnival Cruise Line begonnen „Turku ist bisher von keinen Verzögerungen betroffen“, so Kunze.

Personalnot bei Meyer?

Meyer-Sprecher Hackmann dementiert, dass personelle Engpässe auf der Werft die Ursache für die Verzögerungen seien. „Wir stellen seit Jahren neue Leute ein, beschäftigen mittlerweile allein in Papenburg 3500 Menschen“, so Hackmann. Und: Meyer suche auch weiterhin. „Wir haben weiteren Bedarf.“ Dass mit den MV Werften in Wismar, Rostock und Stralsund ein neuer Spieler am Markt sei, der ebenfalls Fachkräfte in Größenordnungen suche, sei kein Problem für Meyer: „Uns beschäftigt der Wettbewerb mit Werften in anderen Ländern, die unter ganzen anderen Rahmenbedingungen arbeiten, deutlich stärker.“ Auch am Rostocker Meyer-Standort, auf der Neptun-Werft, wachse die Gruppe weiter: „Wir waren bei etwa mehr als 500 Mitarbeitern, bald werden es um die 600 sein“, sagt Hackmann. Tendenz weiter steigend.

In Rostock fertig die Meyer-Gruppe die so genannten „Ferus“ – „Floating Engine Room Units“. Zu deutsch: Neptun baut komplette Maschinenraum-Sektionen für die Kreuzfahrt-Schiffe, die in Turku und Papenburg entstehen. Auch der LNG-Maschinenraum samt Tanks der „Aidanova“ kommt von der Warnow. In einem internen Papier der Werft heißt es, dass die Arbeiten in Rostock immer besser laufen – und immer schneller. Für einen kompletten Maschinenraum samt Tanks und Technik brauchen die Neptun-Schiffbauer mittlerweile nur noch knapp 16 Wochen. „Wir machen in Rostock sehr große Fortschritte. Man darf nicht vergessen, dass diese Arbeiten für die Neptun-Werft neu sind. Bisher haben wir dort hauptsächlich Flusskreuzfahrtschiffe gebaut – und das machen wir ja auch immer noch.“

Andreas Meyer

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