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MV aktuell Anklage gegen Ex-Politiker: Julian K. soll Messerattacke erfunden haben
Nachrichten MV aktuell Anklage gegen Ex-Politiker: Julian K. soll Messerattacke erfunden haben
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00:05 15.07.2016

Schwere Vorwürfe gegen einen jungen Ex-Politiker der Linken: Die Staatsanwaltschaft Schwerin hat Anklage gegen Julian K. (19) erhoben, weil er einen Überfall mit Messerattacke auf sich Anfang Januar in Wismar erfunden haben soll. Der Fall sorgte bundesweit für großes Aufsehen. Denn als Täter wollte K. drei Neonazis ausgemacht haben. Die Staatsanwälte gehen jedoch davon aus, dass er sich die Wunden an den Armen selbst beibrachte.

Die Wunden soll sich K. selbst zugefügt haben. Quelle: Fotos: Screenshot Facebook

Viele Fragen warf der Fall von Beginn an auf. Am 4. Januar sollen drei Männer ihn in einem Wismarer Park überfallen, als „schwule Kommunisten-Sau“ beschimpft und dann mit einem Messer 17 Wunden zugefügt haben. So schilderte es K., so transportierte es Peter Brill, Chef im Linken-Kreisvorstand Schwerin, dem auch Kinzel angehörte, in einer Pressemitteilung. Darin wird auch K. zitiert: „Ich werde mich von diesem feigen Angriff nicht einschüchtern lassen.“ Von Beginn an herrschte Skepsis bei Ermittlern, denn den Überfall zeigte K. erst einen Tag später über die Internet-Wache bei der Polizei an. Tags darauf brandete die Empörungswelle zur angeblichen Tat durch die Medienlandschaft. Die Zweifel verdichteten sich. Ein Wintermantel, mit dem er die Messerattacke abgewehrt und Schlimmeres verhindert haben will, sei ihm gestohlen worden, sagte K. Die Staatsanwaltschaft nahm Ermittlungen auf – dieses Mal aber gegen K. Nach Auskunft eines Rechtsmediziners passten die Wunden nicht zur Tat-Schilderung des damals 18-Jährigen. Nun die Anklage. K. sei „hinreichend verdächtig“, den Überfall „erfunden zu haben“, sagt Claudia Lange, Sprecherin der Staatsanwaltschaft. Ihm drohen bis zu drei Jahre Haft oder eine Geldstrafe. Der Angeklagte bestreite den Vorwurf, so Lange, „und hält an seiner eigenen Schilderung fest“. K.s Rechtsanwalt will sich derzeit nicht zum Fall äußern.

Viele Fragen sind offen. Etwa die nach der Rolle des Schweriner Linken-Chefs Peter Brill, der heute zu Julian K. auf Distanz geht. Im März sei K. aus der Partei ausgetreten. Noch vor der Tat waren beide dick befreundet, fuhren sogar zusammen in den Urlaub. Brill bestätigt auf Nachfrage ein „sehr enges freundschaftliches Verhältnis“. K. bezeichnete ihn in einer Facebook-Nachricht als „Patenonkel“. Das stimme nicht, so Brill. „Ich habe ihn kennengelernt, als er 17 war.“ Dass er die Pressemitteilung zum angeblichen Überfall so schnell und wortreich verfasst habe, bedauere er heute, so Brill. „Hinterher ist man immer klüger.“ Die der Linken nahestehende Zeitung „Neues Deutschland“ machte gar einen „Mord-Anschlag“ daraus. Den Verdacht einer möglichen Kampagne, an der er beteiligt sein könnte, weist Brill zurück.

Leise ist es in der Spitze der Linken geworden. Bundestagsfraktionschef Dietmar Bartsch forderte nach der angeblichen Attacke intensive Ermittlungen. Kurz darauf löschte er seinen Facebook-Eintrag und ergänzte: „Ich habe Julian dringend gebeten, alles zur Aufklärung zu tun.“

Frank Pubantz

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