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Anwohner klagen: Viel Lärm um laute Freiluft-Konzerte

Grevesmühlen/Wismar Anwohner klagen: Viel Lärm um laute Freiluft-Konzerte

Das Amtsgericht Wismar berät zum Piraten Open Air in Grevesmühlen, dem unter Umständen das Aus droht. Der Tourismusverband plädiert für Toleranz und verweist auf die Bedeutung der Veranstaltungen für den Nordosten.

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Grevesmühlen/Wismar. Wummernde Bässe, lautstarke Dialoge, krachende Kanonenschläge: In Mecklenburg-Vorpommern ist jetzt Hochsaison von Open-Air-Aufführungen, Musik-Festivals und Volksfesten. Für viele Urlauber und Einheimische sind dies kulturelle Höhepunkte. Immer wieder jedoch klagen Anwohner gegen die Veranstaltungen.

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Das Amtsgericht Wismar berät zum Piraten Open Air in Grevesmühlen, dem unter Umständen das Aus droht. Der Tourismusverband plädiert für Toleranz und verweist auf die Bedeutung der Veranstaltungen für den Nordosten.

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Wir sollten uns in MV vor

Augen halten, dass in unserem Land sehr viel an Lebensqualität vom Tourismus abhängt.

Bernd Fischer, Chef des

Landestourismusverbandes

Aktuellster Fall ist der Lärm- Streit um das Piraten Open Air in Grevesmühlen (Nordwestmecklenburg). Heute wird vor dem Amtsgericht Wismar darüber entschieden. Drei Anwohner einer benachbarten Straße hatten geklagt, weil die Lautstärke mehrfach die Grenzwerte überschritten haben soll. Die Klage „richtet sich gegen den kompletten Spielbetrieb des Piraten Action Open Air Theaters“, erklärt Matthias Sievert, Geschäftsführer der adventure production Grevesmühlen GmbH. Es sei erstaunlich, dass nur drei Anwohner klagen, die anderen im Degtower Weg und den umliegenden Straßen würden voll hinter dem Theater stehen. Mit mehr als 60000 Gäste jährlich sei das Piraten Open Air ein wichtiger Magnet für den Tourismus in der Region und ganz MV, sagt Sievert. Intendant Peter Venzmer appelliert an die Anwohner, ihre Klage zurückzuziehen. Im schlimmsten Fall droht dem Theater das Ende.

Das wäre die schlechteste Lösung, meint Bernd Fischer, Geschäftsführer des Tourismusverbandes MV. „Wir sollten uns in Mecklenburg-Vorpommern vor Augen halten, dass in unserem Land sehr viel an Lebensqualität vom Tourismus abhängt“, sagt Fischer. Das betreffe unter anderem Angebote in Kultur, Freizeit und auch im Einzelhandel. Deshalb müsse man „an der einen oder anderen Stelle Toleranz zeigen“. Bei Problemen müsse der Dialog gesucht werden. „Für das Tourismusland MV sind kulturelle Angebote eindeutige Wettbewerbsfaktoren“, betont Fischer.

Dies droht dem Pangea-Festival in Pütnitz bei Ribnitz-Damgarten (Vorpommern-Rügen) nicht. Vom 24. bis 27. August geht dort die fünfte Auflage über die Bühne. Auch deren Veranstalter werden von Bewohnern umliegender Orte hart kritisiert. 31 Beschwerden seien im letzten Jahr bei Polizei und Ordnungsamt eingegangen. Vor allem im Ortsteil Körkwitz waren viele Leute betroffen. „Tagelang, auch nachts, haben die Bässe gewummert, der Lärm kam mit dem Wind von Pütnitz über den Bodden“, sagt Andreas Dietzel, der in Körkwitz lebt und Vorsitzender des Ortsbeirats ist. Dass sich die Stadtverwaltung des Themas angenommen habe, sei positiv. Niemand habe etwas gegen Veranstaltungen auf der Halbinsel Pütnitz, sagt Dietzel. Aber: Man müsse vorher mit den Leuten sprechen und ihre Sorgen ernst nehmen.

„Neben dem Ordnungsamt werden auch wir die Lautstärke messen“, erklärt Hans Jensen, Geschäftsführer des Veranstalters Supreme GmbH aus Rostock. Durch technische Anpassungen der Anlagen solle eine Lärmreduzierung erreicht werden. Außerdem werde noch ein „Sorgentelefon“ für Beschwerden eingerichtet.

Beim größten Fest des Landes, der Hanse Sail in Rostock, ist während der Veranstaltungszeiten ein Lärmtelefon (☎ 0160/8803155) geschaltet. „Es gibt immer wieder Beschwerden wegen Lärms bei der Hanse Sail“, sagt Annika Schmied vom Hanse-Sail-Büro. Im Laufe der Jahre hätten diese aber abgenommen: Der Termin des maritimen Festes sei bei den Rostockern mittlerweile gut bekannt. Die meisten Hinweise hätten zudem gar nichts mit der Hanse Sail zu tun.

Dagegen hatten die Störtebeker Festspiele in Ralswiek mit einer sehr problematischen Lärm-Klage zu kämpfen. „Wir sind von Anwohnern wegen der Lautstärke unserer Aufführungen vor dem Stralsunder Landgericht verklagt worden: Im Jahr 2000 von einer Familie, die neben der Naturbühne gewohnt hatte“, erklärt Festspiele-Sprecherin Anna-Theresa Hick. Mit dieser Familie sei dann ein Kompromiss gefunden worden. „Wir haben ihr das Haus abgekauft“, sagt sie. Seitdem habe es keine Beschwerden mehr gegeben. Die Lautstärke der Aufführungen musste bisher noch nie reduziert werden. „Natürlich sind die Kanonenschüsse und die Feuerwerke laut, aber das hängt auch immer davon ab, wie gerade der Wind steht“, erklärt Anna-Theresa Hick. Die Ralswieker wüssten das. An den Festspielen würden ja viele Arbeitsplätze hängen.

Bernhard Schmidtbauer

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