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MV aktuell Arbeit fern der Heimat: Bulgare lernt in MV
Nachrichten MV aktuell Arbeit fern der Heimat: Bulgare lernt in MV
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10:03 02.09.2013
Ivan Sirakov aus Bulgarien.
Bad Doberan

Ivan Sirakov sitzt vor seinem Tablet und schaut sich den Streckenverlauf genau an. Ganze 2257 Kilometer von zu Hause entfernt beginnt für ihn ab Montag ein neuer Lebensabschnitt. Der 31-jährige Bulgare ist einer von mehr als 20 ausländischen Auszubildenden, die künftig in der Beruflichen Schule Bad Doberan (Landkreis Rostock) einen Beruf erlernen werden.

Wehmütig erzählt Ivan Sirakov von seiner Heimat. „Ich komme aus Plowdiw, das ist eine so schöne Stadt.“ Fast 350 000 Menschen leben dort — der Fluss Mariza gibt der zweitgrößten Metropole Bulgariens ein tolles Flair. Perspektiven habe er in Plowdiw allerdings keine: „Mir wurde nie die Möglichkeit geboten, einen Beruf zu lernen, und Arbeit gibt es für mich dort nicht.“ Dass es nun in Deutschland mit einer Berufsausbildung zum Hotelfachmann klappt, empfindet er als großes Geschenk.

Ivan Sirakov liebt Bulgarien, doch acht Jahre seines Lebens jobbte er im Ausland. Sieben davon in Griechenland und zwölf Monate in Spanien. „Bis in den November vergangenen Jahres war ich bei den Griechen als Barmanager tätig.“ Die Finanzkrise sei schrecklich und habe das gesamte Land in Depressionen gestürzt. Für Ivan Sirakov war dann Schluss, und er kehrte zurück nach Plowdiw. „Ich war perspektivlos, dann wurde ich auf die deutsche Arbeitsagentur aufmerksam.“ Diese bot Lehrstellen für bulgarische Jugendliche an. Das war im Februar — anschließend ging alles ganz schnell. „Ich schickte Zeugnisse zur Agentur und machte einen Deutschkurs“, berichtet Ivan Sirakov. Dieser ist Grundvoraussetzung für eine Ausbildungsstelle. Für Ivan ist die deutsche Sprache eine große Herausforderung. „Zwar hatte ich fünf Jahre in der Schule das Fach Deutsch, aber durch meinen langjährigen Griechenlandaufenthalt ist davon nicht viel übrig geblieben.“

Ab dem 19. Juni absolvierte er schließlich ein Praktikum bei seiner neuen Ausbildungsstelle im Morada Resort Kühlungsborn (Landkreis Rostock). Und entschied sich zu bleiben. „Ich freue mich auf meine Zeit in Deutschland, auch wenn es nicht einfach werden wird.“ Er lässt seine Ehefrau und seine Eltern in Plowdiw zurück. „Um mir und meiner Familie die Existenz zu sichern, werde ich alles tun, um die Ausbildung erfolgreich abzuschließen“, sagt Ivan Sirakov. „Dass ich Heimweh haben werde, ist doch völlig normal, doch die anderen ausländischen Auszubildenden sind schon jetzt zu Freunden geworden.“ 13 Portugiesen, sechs Spanier, vier Bulgaren und ein Italiener sowie ein Ungar stürzen sich in das „Abenteuer Deutschland“ an der Schule in Bad Doberan.

Für die Wirtschaft ist das Förderprogramm des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales ein Segen. „Vor fünf Jahren hatten wir noch 300 Bewerber auf unsere ausgeschriebenen Stellen“, berichtet Frank Langguth. Für den Direktor des Morada Resort in Kühlungsborn steht fest: „Wir hätten ohne die ausländischen Lehrlinge ein echtes Problem.“ 15 Stellen hat Langguth zu besetzen — elf sind bisher vergeben und „und davon nur eine an einen deutschen Staatsbürger.“ Den Kontakt in die Heimat wird Ivan Sirakov niemals abreißen lassen. „Telefon, Email und die Aussicht auf Urlaub lassen mein Heimweh hoffentlich erträglich werden“, sagt der 31-Jährige. Der Fußballfan wird auch in der Fremde die Spiele seines Lieblingsvereins PFC Lokomotive Plowdiw verfolgen. „Dort war ich in der Jugend selbst aktiv und habe noch heute schöne Erinnerungen daran.“

Bund fördert Ausbildung ausländischer Fachkräfte
Das Bundesministerium für Arbeit und Soziales verabschiedete das Sonderprogramm zur Förderung ausbildungsinteressierter Jugendlicher und arbeitsloser junger Fachkräfte aus Europa am 27. 12. 2012.

139 Millionen Euro beträgt das Fördervolumen für die Jahre 2013 bis 2016.

76 ausländische Auszubildende befinden sich in Mecklenburg-Vorpommern seit Juni in einem ausbildungsvorbereitenden Praktikum.

18-35 Jahre und EU-Bürger müssen die zukünftigen Auszubildenden sein, um gefördert zu werden.

Matthias Trenn

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