Volltextsuche über das Angebot:

21 ° / 15 ° Regenschauer

Navigation:
Arla-Milchbauern verzichten auf Gen-Sojafutter

Upahl Arla-Milchbauern verzichten auf Gen-Sojafutter

Molkerei Upahl stellt auf neuen Standard um / Handelsketten forcieren Wechsel

Upahl. Die Arla-Molkerei Upahl bei Grevesmühlen ist Vorreiter: Das Werk in Nordwestmecklenburg nutzt für seine Frischmilchprodukte schon zu 80 Prozent Milch, die das Label „Ohne Gentechnik“ verdient. Ihre Milchbauern verzichten, ebenso wie Bio-Bauern, beim Füttern der Kühe auf genverändertes Soja. Arla zahlt ihnen dafür pro Liter Milch einen Cent mehr.

OZ-Bild

Molkerei Upahl stellt auf neuen Standard um / Handelsketten forcieren Wechsel

Zur Bildergalerie

Ohne Gentechnik-Siegel

Nahrungsmittel ohne Gentechnik kann der Verbraucher an einem grünen Raute-Label oder am Schriftzug „Ohne Gentechnik“ erkennen. Ob Schokolade, Tiefkühlpizza oder Müslimischung – die Kennzeichnung kann für viele Produkte beantragt werden. Auch für Lebensmittel tierischer Herkunft, weil in der Rinder- Schweine- und Hühnerhaltung häufig gentechnisch veränderte Futterpflanzen eingesetzt werden.

INFO: www.ohnegentechnik.org

660 Millionen Liter Milch liefern norddeutsche Bauern pro Jahr nach Upahl. Der größte Milchverarbeiter in MV, der seit 2011 zum skandinavischen Molkereikonzern Arla foods gehört, macht daraus Trinkmilch, Quark, Jogurt und andere Frischeprodukte, viele unter den Markennamen „Hansano“ und „Arla“. Im Bereich der konventionellen Milchproduktion seien „rund 480 Millionen Liter Milch bereits auf den neuen Standard umgestellt“, sagt Arla-Sprecher Wolfgang Rommel. Für Kunden ist das bisher kaum erkennbar. Zwar liefert das Upahler Werk seit Anfang November die ersten Produkte mit grünem „Ohne Gentechnik“-Siegel aus. Bisher sind aber nur die Eigenmarken der Handelsketten gekennzeichnet. „Wir müssten sonst die Verpackungen, die schon gedruckt waren, vernichten“, meint Rommel. Ab März 2017 soll das grüne Zeichen auch Hansano- und Arla-Markenprodukte schmücken.

Seit 1. Juli haben 390 norddeutsche Arla-Milchbauern auf Futter ohne gentechnische Veränderungen umgestellt. Nach einer Wartephase konnten sie sich um das Zertifikat bewerben, das der Verband „Lebensmittel ohne Gentechnik“ vergibt. Milchbauer Manfred Sievers hat als Vorstandsvorsitzender der Genossenschaftsmolkerei den Ausstieg aus der Gen-Soja-Fütterung mitbeschlossen. Er gibt aber zu:

„Der Handel hat uns praktisch dazu gezwungen.“ Eigentlich hält der Landwirt die Abkehr von gentechnisch verändertem Futter für unnötig. „In der Milch kommt die Genveränderung ja nicht an.“ Soja gilt als optimales Rinderfutter, das aus Importen preiswert zu beschaffen ist. Sievers räumt aber ein: „Dass dafür irgendwo noch Wälder gerodet werden, das wollen wir natürlich auch nicht.“

Die meisten der umstellungsbereiten Arla-Bauern kommen aus Schleswig-Holstein. Aber auch in MV ziehen 64 Betriebe schon mit, die zusammen 195 Millionen Liter Milch pro Jahr liefern. Zu den „Pionieren“ gehört die Agrargenossenschaft LWB Grevesmühlen. Der Betrieb ersetzt jetzt Gen-Soja durch Rapsschrot, berichtet Herdenmanager Jörg Subklew. Bisher ohne negative Folgen. „Die Milchleistung ist in Ordnung, die Inhaltsstoffe auch.“ Allerdings seien die Futterkosten höher. Subklew: „Der eine Cent mehr beim Milchpreis reicht da nicht überall.“

Der Handel fordert seit längerem „Ohne Gentechnik“-Milch. Lidl machte im Sommer Ernst und fand Molkereien, die diesen Standard liefern konnten. „Da haben wir im Verkauf Milch verloren“, sagt Sievers.

„Und erkannt: Wenn uns das nicht wieder passieren soll, müssen wir umdenken.“ Bis Ende 2017 soll das Kapitel Gen-Soja in Upahl Geschichte sein. Außer „Ohne Gentechnik“-Milch verarbeitet das Werk auch 40 Millionen Liter Öko-Milch und 44 Millionen Liter Weidemilch, die den Bauern ebenfalls besser vergütet wird.

„Die Bauern müssen mit der Milch mehr Geld verdienen“, weiß Sabine Krüger von der Rinderallianz in Woldegk. „Ein Weg kann sein, es mit Gentechnikfreiheit zu tun. Wir wollen die Betriebe dabei unterstützen.“ Deshalb organisiert der Zuchtverband am Mittwoch einen Workshop zu diesem Thema.

Allerdings: Ein großer Teil der in MV produzierten Milch wird weiter durch Zufütterung von Gen-Soja erzeugt. Die Käsereien des Deutschen Milchkontors (DMK) auf Rügen, in Altentreptow, Waren und Demmin beteiligen sich bisher nicht an der Futterumstellung.

Elke Ehlers

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr zum Artikel
Nienhagen/Rostock

Zwischen Rostock und dem Umland kracht es: Die Gemeinden sollen sich ihr Wachstum erkaufen

Kostenpflichtiger Inhalt mehr
Mehr aus MV aktuell
Benjamin Barz Ostsee-Zeitung Ostsee-Zeitung Termine, Events, Veranstaltungen Teaser der den User auf die Seite "Termine" führen soll image/svg+xml Image Teaser Termine 2015-09-23 de Veranstaltungen Aktuelle Termine Konzerte, Kino, Ausstellungen, Vorträge, Theater, Workshops, Tanz und noch vieles mehr. Alle Veranstaltungen und Freizeittipps in Ihrer Nähe finden Sie hier.