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MV aktuell Atempause für Fischer: Schleppnetze weiter erlaubt
Nachrichten MV aktuell Atempause für Fischer: Schleppnetze weiter erlaubt
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00:22 14.06.2018

Luxemburg/Sassnitz. Gute Nachricht für die Fischer: Deutschland darf nach EU-Recht nicht einseitig die Fischerei mit Schlepp- und Stellnetzen in den Schutzgebieten Sylter Außenriff und Pommersche Bucht verbieten. Dies entschied der Europäische Gerichtshof am Mittwoch in Luxemburg (Rechtssache C-683/16).

Ein einseitiges Verbot der Schlepp- und Stellnetzfischerei in der Pommerschen Bucht durch deutsche Behörden ist abgewendet / Der EuGH entschied gestern

Ein solches Verbot würde auch Fischerboote aus anderen EU-Staaten betreffen. Folglich betreffe dies die gemeinsame Fischereipolitik der Europäischen Union. Zuständig für ein etwaiges Verbot wäre demnach allein die Europäische Union.

Der Landesverband der Kutter- und Küstenfischer in Mecklenburg-Vorpommern begrüßte diese Entscheidung. „Das Urteil bedeutet für unsere Fischer eine Atempause“, sagte der Vize-Chef des Verbandes, Michael Schütt. Er hoffe nun, dass die EU auf Fangverbote für die Schutzgebiete verzichte. Die Pommersche Bucht gehöre zu den wichtigen Fanggründen vor der deutschen Ostseeküste. „Selbst wenn es zu einem Verbot kommen sollte, ist nun eine einseitige Benachteiligung der deutschen Fischer ausgeschlossen.“  Übrigens: Ende 2012 gab es in Mecklenburg-Vorpommern noch 277 Küstenfischer im Haupt- und 138 im Nebenerwerb. 1991 hatte es noch 1000 Küstenfischer gegeben, die hauptberuflich Dorsch und Co. nachstellten.

Umweltverbände werteten die Entscheidung als „Skandal“ und als „Rückschlag für den Meeresschutz in Europa“. Alle anderen Nutzungsformen, wie Sand- und Kiesabbau, Pipelinebau oder Forschung, müssten ihre Vereinbarkeit mit dem Schutzgebiet rechtzeitig mit einer Verträglichkeitsprüfung nachweisen. Ausgerechnet die Fischerei bleibe davon weiterhin ausgenommen, teilten sechs Umweltschutzverbände, darunter BUND, Greenpeace, Nabu und WWF sowie der Dachverband Deutscher Naturschutzring, in einer Erklärung mit.

Der Deutsche Naturschutzring hatte in Deutschland beantragt, die Fangmethoden wegen negativer Folgen für Umwelt und Arten in den Schutzgebieten zu verbieten. Die Naturschützer beklagen, Schleppnetze könnten Riffe und Sandbänke in den Schutzgebieten beeinträchtigen. Die Stellnetze wiederum sehen sie als Gefahr für Schweinswale und Seevögel. Die Schutzgebiete liegen in der

deutschen ausschließlichen Wirtschaftszone.

Die deutschen Behörden lehnten ein Verbot ab, weil für die Frage allein die Europäische Union zuständig sei. Dagegen klagte der Umweltverband vor dem Kölner Verwaltungsgericht, das die Kompetenzfrage dem EuGH zur Klärung vorlegte. Dieser entschied nun, die beantragten Maßnahmen dürften nicht einseitig von einem Mitgliedstaat erlassen werden.

Nachwuchs hat es schwer

Der einst hoch angesehene Küstenberuf verliert für die junge Generation an Attraktivität. Nachwuchs sei kaum in Sicht. Ende 2012 gab es in Mecklenburg-Vorpommern 277 Küstenfischer im Haupt- und 138 im Nebenerwerb. 1991 hatte es noch knapp 1000 Küstenfischer gegeben, die hauptberuflich Dorsch und Co. nachgestellt hatten. Gut 16 000 Tonnen Fisch zogen die Fischer in MV im Jahr 2016 aus der Ostsee. Die Menge sank seit 2008 um ein Viertel, durch geschrumpfte Fangquoten und Betriebsaufgaben.

Martina Rathke und Verena Schmitt-Roschmann

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