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MV aktuell Attacken gegen Asylbewerber: Angeklagter fühlte sich provoziert
Nachrichten MV aktuell Attacken gegen Asylbewerber: Angeklagter fühlte sich provoziert
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16:55 14.01.2019
Das Landgericht im Justizzentrum Neubrandenburg: Hier muss sich ein 27-Jähriger Mann aus Afghanistan nach Attacken auf andere Asylbewerber verantworten. Quelle: Bernd Wüstneck/dpa
Neubrandenburg

Im Prozess gegen einen Mann aus Afghanistan, der Asylbewerber in Vorpommern attackiert und mit Messern verletzt haben soll, hat der Angeklagte auch im zweiten Fall eine Tötungsabsicht bestritten. „Ich wollte dem anderen Angst machen, aber ich habe mich nicht mehr unter Kontrolle gehabt“, sagte der 27-Jährige am Montag am Landgericht Neubrandenburg.

Zuvor waren im Gericht Videos von Überwachungskameras gezeigt worden, auf denen der Angeklagte mehrfach auf einen Geschädigten, einen Mann aus Sierra Leone, einstach. Der Geschädigte kam leicht verletzt davon, da ein Wachmann den Täter abdrängte. Der Fall hatte sich im Sommer 2018 in einem Asylbewerberheim in Greifswald ereignet.

Angeklagter will in Notwehr gehandelt haben

Die Staatsanwaltschaft wirft dem Angeklagten versuchten Totschlag und gefährliche Körperverletzung in drei Fällen vor. Er soll schon im Juli 2017 in den Peenewiesen bei Anklam (Landkreis Vorpommern-Greifswald) auf einen Syrer eingestochen und ihn verletzt haben. Das hatte der Angeklagte zu Prozessbeginn auch eingeräumt, aber erklärt, er habe sich in einer Art Notwehrsituation befunden.

In beiden Fällen habe er Alkohol getrunken gehabt und sei von den Verletzten jeweils vorher provoziert worden, erklärte der 27-Jährige. Er war als Zuwanderer 2013 über Ungarn in die EU und dann nach Deutschland gekommen. In einem dritten Fall soll er im Herbst 2018 einen Syrer mit einer abgebrochenen Bierflasche in Greifswald attackiert und verletzt haben.

Diesen Fall will die Kammer am 21. Januar erörtern. Im Prozess sind eine psychiatrische Gutachterin für den Angeklagten und ein Rechtsmediziner eingebunden, der die Schwere der Verletzungen einordnen soll. Mit einem Urteil wird frühestens Ende Januar gerechnet.

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Winfried Wagner