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MV aktuell Auch das noch: Jetzt versteinern die Fischeier
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19:56 19.04.2018
Heringe im Netz: Durch den „Steinrogen“ könnte der Bestand in der Ostsee deutlich abnehmen. Quelle: OZ
Sassnitz/Rostock

Erst kam der Sturm, dann der Frost: Die Stellnetz-Heringsfischer sind in diesem Jahr wegen des langen Winters mit vier Wochen Verspätung in die Fangsaison gestartet. Nun wird der Heringsfang ein Kampf gegen die Zeit, zu warmes Wetter und gegen ein neues biologisches Phänomen: den Steinrogen, der dazu führt, dass die betroffenen Weibchen keine Eier legen können. Der ohnehin schon geringe Heringsnachwuchs könnte dadurch weiter abnehmen.

Die Fischereibiologen des Thünen-Instituts für Ostseefischerei haben beobachtet, dass in diesem Jahr etwa zehn Prozent der Heringsweibchen verhärtete Geschlechtsorgane haben – eine Eiablage ist dadurch nicht möglich. „Fakt ist: Diese Weibchen fallen für die Heringsreproduktion in diesem Jahr aus“, sagt der Direktor des Instituts, Christopher Zimmermann. „Der Steinrogen ist ein zusätzlich erschwerender Fakt zur ohnehin seit Jahren beobachteten niedrigen Larvenreproduktion“, so der Experte.

Verspätete Wanderung in Laichgebiete

Wegen des langen Winters mit Eis und extrem niedrigen Temperaturen in den küstennahen Boddengewässern wanderten die laichreifen Heringe in diesem Jahr erst ab Ende März in ihre angestammten Laichgebiete ein – offenbar zu spät für einen Teil der Weibchen, die den optimalen Zeitpunkt der Eiablage verpasst und inzwischen Steinrogen ausgebildet hatten. „Andere Fischarten verspüren so einen großen Laichdruck, dass sie ihre Eier überall ablegen. Nicht so der Ostseehering“, sagt Zimmermann.

In den Vorjahren lag der Anteil der Heringsweibchen mit Steinrogen nach Institutsangaben bei unter einem Prozent. Im günstigsten Fall würden die nicht abgelegten Eier vom Körper resorbiert, im schlimmsten Fall verenden die Heringsweibchen daran.

Deutlich weniger Larven

Seit Jahren bewegt sich die Larvenproduktion auf einem niedrigen Niveau, wie Langzeitmessungen des Instituts ergaben. So lagen die 2016er-Werte der Larvenanzahl bei rund einem Fünfzehntel der durchschnittlichen Langzeitwerte und einem Fünfzigstel des Spitzenwertes von 1996 mit 21 Milliarden Larven. Auch 2017 seien die Ergebnisse nicht besser gewesen, sagte Zimmermann. Die Wissenschaftler sind gespannt, welche Ergebnisse die Beobachtungsfahrten mit dem Forschungsschiff „Clupea“ in diesem Jahr im Greifswalder Bodden bringen. In dem Gewässer zwischen Rügen und Usedom werden rund 80 Prozent des Heringsbestandes der westlichen Ostsee reproduziert.

Im EuroBaltic-Fischwerk in Sassnitz beobachtet man in diesem Jahr ebenfalls verstärkt das Phänomen. „Der Anteil der weiblichen Tiere mit Steinrogen ist deutlich höher als in den Vorjahren“, sagt Betriebsleiter Andreas Berthold. Der Stellnetzhering aus der Ostsee sei nur wegen der Rogenextraktion für das Fischwerk wirtschaftlich interessant. Das Problem: Im Gegensatz zur Schleppnetzfischerei ist die Stellnetzfischerei noch immer nicht MSC-zertifiziert. Das Ökosiegel sei Voraussetzung dafür, dass der Hering in deutschen Handelsketten vermarktet werden könne. Der Rogen aus dem Stellnetzhering wird hingegen als Delikatesse nach Asien verkauft.

Martina Rathke

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