Volltextsuche über das Angebot:

16 ° / 8 ° wolkig

Navigation:
Auf den Zahn gefühlt: MV zeigt guten Biss

Rostock Auf den Zahn gefühlt: MV zeigt guten Biss

Die Zahngesundheit im Land hat sich in den vergangenen Jahren deutlich verbessert / Dennoch ist etwas faul an der Statistik – vor allem bei Kleinkindern und Senioren

Voriger Artikel
Empor im Finale gegen Flensburg-Handewitt
Nächster Artikel
Gepanzerte Blitzer: Städte und Kreise rüsten auf gegen Raser

Eine Zahnarzthelferin in einer Praxis hinter einem künstlichen, überdimensionierten Gebiss.

Quelle: Julian Stratenschulte/dpa

Rostock. Die Deutschen zeigen ordentlich Biss und gepflegte Zähne. „Die Mundgesundheit ist so gut wie nie“, sagt Wolfgang Eßer, Chef der Kassenzahnärztlichen Bundesvereinigung (KZBV). Aber: In Mecklenburg-Vorpommern scheint in puncto Zahn etwas faul zu sein. In kaum einem anderen Bundesland setzen Dentisten so oft den Bohrer an wie hier, ist von der Krankenkasse Barmer GEK zu hören. Jedes Jahr bekomme mehr als jeder dritte bei ihr Versicherte eine Füllung verpasst. Bei vielen hülfen selbst Amalgam und Co. nichts mehr. Der Zahn muss raus.

Weniger Zahn-Entfernungen

2,2 Millionen Zähne haben Zahnärzte laut Bundeszahnärztekammer im Jahr 2014 in den neuen Bundesländern gezogen – 1,5 Prozent weniger als im Jahr zuvor. Zum Vergleich: 1991 rückten Dentisten noch 4,7 Millionen Beißern mit der Zange zu Leibe.

Bundesweit waren 2014 insgesamt 12,8 Millionen Zähne gezogen worden.

Auffällig: In den Regionen Stralsund, Wismar, Güstrow, Ludwigslust, Nordvorpommern und auf Rügen müssten Zahnärzte wesentlich öfter zur Zange greifen als anderswo im Land.

Dietmar Oesterreich, Präsident der Zahnärztekammer MV, kennt die Gründe: Die Mundgesundheit hänge stark vom Bildungsniveau, der sozialen Stellung und der älter werdenden Bevölkerung ab, sagt er. „In den drei Punkten haben wir im Bundesvergleich schlechte Karten.“ Besonders dort, wo das Durchschnittsalter hoch und das Einkommen niedrig ist, hapert’s mit der Mundgesundheit.

In Deutschland haben acht von zehn Zwölfjährigen nicht einen faulen Zahn im Mund – das sind doppelt so viele wie im Jahr 1997. In MV ist die Quote der kariesfreien Kinder mit 76 Prozent allerdings etwas schlechter. Und die, die mit Löchern zum Zahnarzt müssen, stammen meist aus sozial schwachen Familien, sagt Oesterreich. Deshalb habe die Kassenärztliche Vereinigung (KV) mit mehreren Versicherern Programme aufgelegt, sagt Manfred Krohn, Landesvize-Chef der KV. Damit sollen Eltern für das Thema Mundgesundheit im Kindesalter sensibilisiert werden. Zudem müssten Kinderärzte sie seit diesem Jahr auf den Zahnarztbesuch hinweisen.

Trotz der Defizite: Im Nordosten hat sich die Mundgesundheit stark verbessert. Besonders bei Senioren. Die Zahl älterer Zahnloser habe sich binnen der vergangenen 17 Jahre halbiert, sagt Oesterreich. Heute habe nur noch etwa jeder Achte der Altersgruppe 65 bis 74 keine eigenen Zähne mehr. Damit der Trend trotz alternder Gesellschaft anhält, müsse die Versorgung allerdings noch stärker auf Ältere und Menschen mit Pflegebedarf konzentriert werden, sagt Bundeskassenzahnärzte-Chef Eßer. Letztere seien hier deutlich benachteiligt. Er wirft der Gesetzlichen Krankenversicherung vor, sie finanziere notwendige Präventionsmaßnahmen noch nicht ausreichend.

Bei Kindern hingegen greift die Vorsorge gut. Wie gründliches Zähneputzen geht, bekommen die meisten schon in der Kita beigebracht. Auch dass Mütter und Väter heute mehr über Zahnpflege wissen als noch deren eigene Eltern, mache sich bezahlt, sagt Dietmar Oesterreich: Fluoridzahnpasta sei in aller Munde, regelmäßige Zahnarztbesuche bei den meisten Familien fest eingeplant. Weiteres Plus:

Fissuren, die zerklüfteten Kauflächen der Backenzähne, werden heute häufig versiegelt. Damit habe Karies weniger Angriffsfläche. Handlungsbedarf sehe er bei Kleinkindern. Mehr als 15 Prozent der Null- bis Dreijährigen hätten schon kariöse Zähne, bemängelt der Experte. Er rät Eltern dazu, sich vom Zahnarzt in Sachen Zahnpflege und zahnfreundlicher Ernährung beraten zu lassen, sobald sich beim Nachwuchs der erste Beißer zeigt. „Gute Mundgesundheit fängt mit dem Durchbruch des ersten Zahnes an, denn sie wird vom Milchgebiss auch an die bleibenden Zähne weitergegeben.“

In MV gehen mehr als drei Viertel der Menschen mindestens einmal im Jahr zum Zahnarzt. Immer mehr Patienten treibt Stress in die Praxen: Viele, die einen anstrengenden Alltag haben, leiden unter Kaumuskel- und Kiefergelenkschmerzen, haben Beschwerden mit Kopf, Nacken oder Rücken. Die dafür verantwortliche Craniomandibuläre Dysfunktion ist Hauptthema beim 25. Zahnärztetag, ab Freitag in Rostock-Warnemünde.

Antje Bernstein

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr zum Artikel
Thomas Gens will in Schwerin Politik für die Inseln Rügen und Hiddensee machen.

Für die Partei „Achtsame Demokraten“ will der Direktkandidat Thomas Gens in den Landtag von MV

Kostenpflichtiger Inhalt mehr
Mehr aus MV aktuell
Benjamin Barz Ostsee-Zeitung Ostsee-Zeitung Termine, Events, Veranstaltungen Teaser der den User auf die Seite "Termine" führen soll image/svg+xml Image Teaser Termine 2015-09-23 de Veranstaltungen Aktuelle Termine Konzerte, Kino, Ausstellungen, Vorträge, Theater, Workshops, Tanz und noch vieles mehr. Alle Veranstaltungen und Freizeittipps in Ihrer Nähe finden Sie hier.