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Aus für Gratis-Plastiktüten?

Rostock Aus für Gratis-Plastiktüten?

Umweltamt will Zwangsabgabe einführen, um Müll in Meeren zu verringern. Der Handel lehnt das Vorhaben ab.

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Kommt mit Plastikt�ten vom Shoppen: Lysann Kuhn aus Wittenberge hat gestern in der Rostocker Innenstadt eingekauft.

Quelle: Frank Hormann/ nordlicht

Rostock. Wer beim Shoppen nicht auf Plastiktüten verzichten will, soll dafür bezahlen. Das fordert das Umweltbundesamt (UBA). Grund ist der enorme Plastikmüll, der vor allem die Weltmeere belastet. In denen treiben bis zu 140 Millionen Tonnen Abfall. „Das ist ein vollgepackter Güterzug von hier zum Mond und halb zurück“, verdeutlicht UBA-Präsident Jochen Flasbarth das Problem. Die Auswirkungen auf die Umwelt seien verheerend. Menschen würden über Fische Plastikpartikel aufnehmen, Tiere den zerriebenen Müll fressen und sterben. Da rund 80 Prozent des Meeresmülls von der Landseite — über Flüsse und Deponien — kommen, empfiehlt das UBA eine Bezahlpflicht für Plastiktüten. Auch die EU-Kommission unterstütze einen solchen Schritt, so Flasbarth.

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Wer braucht schon immer neue Plastikbeutel?! Nach dem Einkaufen hat man die doch dann nur als Müll zu Hause herumliegen. Ich nehme zum Einkaufen immer alte Plastiktüten mit.“Andrea Hermsen (26), Hausfrau aus Wismar

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Vor allem in Bekleidungsgeschäften, Drogeriemärkten und Kaufhäusern werden laut UBA immer noch kostenlose Plastiktüten abgegeben. „Dort sind sie aber kein Massenprodukt“, sagt Hans- Martin Bohac, Umweltspezialist beim Einzelhandelsverband Nord. In den meisten Supermärkten, in denen täglich viele solcher Beutel über den Ladentisch gehen, müssten sie bereits bezahlt werden — mit 10 oder 20 Cent pro Stück. „Damit hat der Handel bereits auf das Thema reagiert“, betont Bohac. Eine Zwangsabgabe lehnt er ab: „Die würde die Flexibilität der Unternehmen gefährden.“ Außerdem sei in Deutschland „keine Vermüllung der Landschaft durch Tragetaschen erkennbar“. Das sei eher ein Problem anderer Länder. Hierzulande würden viele Tüten nach dem Einkauf nicht weggeschmissen, „sondern aufgehoben und für andere Transporte genutzt“, so Bohac.

Der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland sieht in der Bezahlpflicht „einen ersten Schritt hin zum generellen Verzicht auf Plastiktüten“, sagt Ulrike Zell vom Landesverband MV. Da ein Verbot zurzeit nicht umsetzbar sei, sollte der Handel freiwillig auf Mehrwegtaschen setzen statt auf Kunststoff. Auch Andreas Katz, Landesvorsitzender von Bündnis 90/Die Grünen, sieht Handlungsbedarf: „Eine Tütenabgabe würde Einzelhandel und Käufer zu einem sparsameren Umgang mit den Tüten anhalten.“ Das wäre ein guter Anfang, um die Plasteflut einzudämmen, so Katz. Zusätzlich werde der Handel motiviert, bessere Lösungen für kleine Transportprobleme zu finden, zum Beispiel Leihbehälter oder Tüten aus hundertprozentig verrottbarem Material.

In Deutschland entfallen auf jeden Bürger im Jahr 71 Plastiktüten. Das sind deutlich weniger als der EU-Schnitt von 200 Tüten. Um die Zahl weiter zu reduzieren, fordern die Grünen 22 Cent je Plastiktüte. In Irland, wo eine Tüte 44 Cent kostet, habe sich der jährliche Verbrauch von 328 auf 18 je Bürger verringert, so UBA-Präsident Jochen Flasbarth. Er sieht Deutschland in einer Vorreiterrolle und in der Zwangsabgabe „ein Zeichen an andere Staaten, die weit weniger sorgsam mit Plastikmüll umgehen und nicht so ein hoch entwickeltes Abfall- und Recyclingsystem hätten“.

Seit Mittwoch berät eine internationale Meeresmüllkonferenz in Berlin, was getan werden kann, damit nicht immer mehr Fische und Vögel Plastikpartikel schlucken — und diese dann über den Fischkonsum im Körper der Menschen landen. Heute werden Bundesumweltminister Peter Altmaier (CDU) und EU-Umweltkommissar Janez Potocnik erwartet, um über Lösungsideen zu debattieren.

Kerstin Schröder und Georg Ismar

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