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Ausrücken zu Notfällen, die keine sind

Rostock/Schwerin Ausrücken zu Notfällen, die keine sind

Wann Hilfe der freiwilligen Feuerwehr nötig ist, entscheiden oft die Leitstellen / Wichtig sind dabei die Informationen des Anrufers

Rostock/Schwerin. Brände und Hilfeleistungen bei Unfällen machen in den Gemeinden oft nur noch einen Teil der Aufgaben aus. Tote Tiere oder Ölspuren entfernen und Wohnungstüren aufbrechen – die Liste der Zusatzeinsätze der Freiwilligen Feuerwehren ist lang.

 

OZ-Bild

Freiwillige Feuerwehrleute bergen zwei tote Tiere aus dem Museumshafen Wolgast.

Quelle: Foto: Tilo Wallrodt

In Vorpommern-Rügen beispielsweise rücken die Ehrenamtlichen häufig zu so genannten „Türöffnungen“ aus. Diese sind für Notfälle gedacht, um hilflose Personen zu retten. „Das Aufbrechen der Wohnungstür kommt aber inzwischen häufig vor und ist belastend für unsere Ehrenamtlichen, weil oft kein Notfall vorliegt“, betont Kreiswehrführer Gerd Scharmberg. In zahlreichen Fällen hätten Schlüsseldienste gerufen werden müssen.

Andere Beispiele für artfremde Einsätze: In Grimmen transportierten die Wehrleute ein Moped, das im Straßengraben lag, ab. Das wäre ein Fall für den Abschleppdienst gewesen, sagt Wehrführer Olaf Clasen. Aber der sei halt teuer. Über „Baumsperren, wenn nur ein kleiner Ast auf der Straße liegt“, berichtet Berthold Moog von der Feuerwehr Ribnitz-Damgarten.

Die Entscheidung, wer alarmiert wird, treffen meistens die Verantwortlichen in den Leitstellen. Auf OZ-Anfrage teilte der Kreissprecher des Landkreises Rostock, Michael Fengler, dazu mit: „Die Selbsthilfefähigkeit der Einwohner sinkt. Daraus resultierend holen sich Betroffene in vielen Fällen derzeit schneller Hilfe der Feuerwehr als notwendig. Wenn der Meldende die Situation so darstellt, dass Menschenleben in Gefahr sind, bleibt dem Disponenten in der Leitstelle keine andere Möglichkeit, als die Kräfte der Feuerwehr zu alarmieren.“

Auch Petra Rappen vom Landkreis Nordwestmecklenburg betont, dass es für die Leitstelle oft schwierig sei, aufgrund eines Anrufes festzustellen, ob auch wirklich ein Einsatzgrund für die Feuerwehr vorliege. „Zum Schutze der Bürger wird deshalb im Zweifel einmal zu viel als einmal zu wenig alarmiert“, sagt die Sprecherin. Stelle die Feuerwehr vor Ort fest, dass keine Gefahr vorliege, melde sie das bei der Leitstelle. Die informiere dann die zuständige Behörde.

Kritik gibt es auch an der 10-Minuten-Regel

Die Feuerwehren waren jüngst auch Thema im Innenausschuss des Landtags. Dabei ging es um den jüngsten Entwurf für eine neue Feuerwehrorganisationsverordnung. Dieser sorgt für Verunsicherung bei den Ehrenamtlichen. Dort ist eine Frist von zehn Minuten vorgesehen, binnen der die Feuerwehr am Einsatzort sein muss. „Die ersten Entwürfe gehen an der Realität vorbei. Zehn Minuten bekommen wir im Flächenland nicht hin“, sagt Mayk Tessin, Kreiswehrführer im Landkreis Rostock. Viele kleine Feuerwehren hätten Angst um ihre Existenz, berichtet auch Gerd Scharmberg aus Vorpommern-Rügen. Er plädiert dafür, dass zehn Minuten eine grundsätzliche Zielstellung sein müsse, die aber nicht juristisch anfechtbar sein dürfe.

Virginie Wolfram

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