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Ausverkauft: Pfefferspray ist Kassenschlager in Drogerie

Rostock Ausverkauft: Pfefferspray ist Kassenschlager in Drogerie

Bei der Kette dm steht seit kurzem neben Zahnpasta und Waschmittel auch Pfefferspray im Regal / Die Nachfrage ist so groß, dass es Lieferengpässe gibt

Rostock. 40 Milliliter für 5,59 Euro – so günstig gibt es Pfefferspray jetzt bei der Drogeriekette dm. Theoretisch. Praktisch sind die Regale leer. Denn die Dosen, die seit Juni das Sortiment ergänzen, sind so gefragt, dass dm Schwierigkeiten hat, schnell genügend Nachschub zu bekommen. Auch in den meisten Läden in MV sind derzeit nur noch die kleinen Preisschilder zu sehen – zwischen Shampoo und Zahnpasta. Erst Mitte September soll es neue Sprühdosen geben.

Offiziell werden die unter dem Namen „Tierabwehrspray mit patentiertem Panikverschluss“ verkauft. Seit Juni gibt es das in den dm-Märkten, seit Mai online. Die Bezeichnung macht den freien Verkauf möglich. Die dm-Dosen enthalten elfprozentiges hochaggressives Pfefferkonzentrat. Und Pfefferspray wird gerne zur Selbstverteidigung eingesetzt. Wie dm-Geschäftsführer Sebastian Bayer erklärt, hätten vor allem Frauen verstärkt nach dem Spray gefragt, deshalb sei es ins Sortiment aufgenommen worden. Ingo Meinhard, Geschäftsführer des Verbandes Deutscher Büchsenmacher und Waffenfachhändler (VDB), kritisiert die Entscheidung: „Ich glaube nicht, dass sich die meisten Käuferinnen beim Joggen vor aggressiven Hunden und Wölfen schützen wollen.“ Stattdessen hätten die Terroranschläge und Übergriffe auf Frauen das Geschäft mit Pfefferspray und anderen Abwehrmitteln „massiv“ angekurbelt – auch in den zum Verband gehörenden 20 Läden in Mecklenburg-Vorpommern.

Doch: Um Pfefferspray richtig einsetzen zu können, „ist eine gute Beratung notwendig, sonst nebelt man sich am Ende noch selber ein“, warnt Meinhard. Fachhändler würden Kunden vor dem Kauf ausgiebig informieren – über Risiken und darüber, in welchen Situationen man es einsetzen darf. „In Drogerien greifen die Leute einfach nur ins Regal“, ergänzt Meinhard.

Grundsätzlich ist der Einsatz von Tierabwehrsprays nicht für den Einsatz gegen Menschen bestimmt und damit auch nicht erlaubt. Wie der Hersteller auf der Verpackung informiert, dürfen Pfeffersprays nur mit Sondergenehmigung, zum Beispiel bei Polizei und Militär, verwendet werden. „Dieses Pfefferspray ist zur Tierabwehr vorgesehen.“ Doch „in einer Notwehrsituation obliegt es der Einschätzung des Betroffenen, sich mit geeigneten Mitteln zu verteidigen“.

Isabel Wenzel vom Polizeipräsidium Rostock rät davon ab, das Spray einzusetzen. „Man könnte unschuldige Menschen treffen und wegen gefährlicher Körperverletzung angezeigt werden“, sagt sie. Es sei ein großer Unterschied, ob man sich bedroht fühlt oder tatsächlich bedroht wird. Im Falle einer Notwehr müsste jeder Einzelfall geprüft werden.

Ingo Meinhard vom Verband Deutscher Büchsenmacher und Waffenfachhändler empfiehlt Menschen, die sich schützen wollen, andere Abwehrmittel – zum Beispiel den Schrillalarm. Der Krachmacher passe gut in Jackentaschen oder könne mit einer Kette am Schlüsselring hängen. Zieht man an einem kleinen Metallstift, ertönt ein ohrenbetäubender Lärm. Der soll den Täter in die Flucht schlagen. „Oder das Opfer kann die Schrecksekunde nutzen, um wegzulaufen“, erklärt Meinhard.

Eine weitere Alternative sind taktische Taschenlampen, die ein besonders helles Licht und damit den Angreifer eine Zeit lang orientierungslos machen. Oder Farbsprays, die einen Täter mit hellroter, wasserfester Farbe markieren. Das könnte den Angreifer nicht nur verschrecken, es hilft auch der Polizei dabei, den Angreifer zu identifizieren.

Wirkt sich die große Nachfrage bei der Drogeriekette auch auf das Geschäft der Konkurrenz aus? Immerhin gab es Tierabwehrsprays bisher nur in Online-Shops und bei Waffenhändlern. Konkurrent Rossmann will es nicht ins Sortiment aufnehmen. „Wir sind ein Drogeriemarkt. Bei uns gibt es keine Schlagstöcke, keine Pistolen und auch kein Pfefferspray, solche Produkte überlassen wir lieber dem Fachhandel“, sagt ein Sprecher des Unternehmens.

Angreifer schnell kampfunfähig

Die Flüssigkeit im Pfefferspray ist organisch, sie wird aus einem Chilistrauch gewonnen. Die Wirkung tritt sofort ein. Das Spray greift sowohl die Atemwege als auch die Augen des Angreifers an und macht ihn sehr schnell kampfunfähig.

Grundsätzlich dient Pfefferspray nur zur Abwehr von Tieren – dieser Aufdruck muss auf der Verpackung stehen. Ansonsten verstößt der Anwender mit dem Gebrauch des Reizmittels gegen das Waffengesetz.

Das kann zu Geld- und Haftstrafen führen.

Kerstin Schröder

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