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Awo-Skandal: Jetzt spricht der Beschuldigte

Waren/Schwerin Awo-Skandal: Jetzt spricht der Beschuldigte

Früherer Müritz-Geschäftsführer Olijnyk weist Untreue-Vorwürfe zurück / Die Awo spricht von einem „perfiden System“

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Das ist ein Banditen-Streich und an Charakter- losigkeit kaum zu übertreffen.“Peter-Michael Diestel, Rechtsanwalt Olijnyks

Waren/Schwerin. Im Skandal um Untreue-Vorwürfe bei der Arbeiterwohlfahrt (Awo) kündigt Star-Anwalt Peter-Michael Diestel eine aggressive Verteidigung des Beschuldigten an. Erstmals äußert sich sein Mandant Peter Olijnyk (68), Ex-Awo-Geschäftsführer im Müritz-Kreis, zu den schweren Untreue-Vorwürfen. Er soll Hunderttausende Euro zu viel kassiert haben.

Seine Botschaft: Da sei nichts dran. Die Awo dagegen wirft dem Ex-Geschäftsführer systematischen Missbrauch seiner Position vor. Landesweit hat sie nach dem Bekanntwerden des Falls Transparenz-Regeln eingeführt.

Die Vorwürfe wiegen schwer: Olijnyk soll sich über Jahre unzulässig Geld zugeschanzt haben, worüber der Awo-Kreisvorstand nicht informiert gewesen sein soll. Die Staatsanwaltschaft Neubrandenburg ermittelt, 390000 Euro fordert die Awo zurück. Vom Jahresgehalt über 150000 Euro, von jährlichen Tantiemen über 30 000 Euro und einer Betriebsrente von 2000 Euro monatlich wollen andere Awo-Spitzen nichts gewusst haben.

Olijnyk zeichnet ein ganz anderes Bild. Sein Anwalt sagt: „Das ist ein Banditen-Streich.“ Sein Mandant selbst sei das Opfer. Olijnyk war bis Mai Geschäftsführer der Müritz-Awo, einer dazugehörigen GmbH und einer Service-Gesellschaft. Das Jahresgehalt nennt der Anwalt „angemessen“. Diestel: „Es handelt sich hier um einen Konzern mit 700 Mitarbeitern.“ Sein Mandant habe sich nicht bereichert.

Denn über Inhalte seines Vertrags seien alle Vorstandsmitglieder seit Jahren informiert gewesen.

Die Awo unterstellt: Der Vertrag Olijnyks habe nur die Unterschrift des früheren Awo-Regionalchefs Götz-Peter Lohmann getragen, der wiederum einen Ruhestandsposten in der Service-GmbH erhalten habe.

Olijnyk erklärt dagegen: Die Vorstandsmitglieder hätten über den Vertrag beraten. „Sie hätten es wissen müssen.“ Dass am Ende nur Lohmann unterschrieb, macht für Anwalt Diestel rechtlich keinen Unterschied: „Die fehlende Unterschrift ist durch Beschlussfassung ersetzt worden.“ Seinem Mandanten stehe folglich das Geld in voller Höhe zu. Diestel hatte die Verteidigung Olijnyks erst vor wenigen Wochen übernommen. Sein Ziel: „Ich will die ideelle und materielle Lebensleistung und das hohe Ansehen, das sich mein Mandant über Jahre erarbeitet hat, erhalten.“ Dazu werde man eng mit der Staatsanwaltschaft kooperieren. Diese ermittelt wegen Untreue.

Über 20 Jahre stand Olijnyk an der Spitze des Awo-Kreisverbands. Im Mai erhielt er die Kündigung. Diesen Vorgang beschreibt er so: Vermutlich nachts habe jemand das Kündigungsschreiben in seinen Briefkasten geworfen – ohne Begründung. Sein Handy sei sofort tot, im Büro Türschlösser ausgewechselt gewesen. Olijnyk: „Vorwürfe gab es nicht.“ Er habe sich gefühlt wie ein Geächteter, sagt der 68-Jährige.

Die Awo habe eine externe Beraterin hinzugezogen, die seine Stellvertreterin, Simone Ehlert, zur neuen Geschäftsführerin aufbauen sollte – auf seinen Wunsch, wie Olijnyk versichert. In einer Vorstandssitzung am 9. Mai habe er erklärt, nicht mehr mit der Beraterin zusammenarbeiten zu wollen. Wenige Tage später habe er selbst die Kündigung erhalten.

Auch gegen die neue Geschäftsführerin Ehlert ermitteln Staatsanwälte. Auslöser sei eine Anzeige wegen Untreue gewesen. Der Vorwurf: Elternbeiträge einer Kita sollen nicht sachgerecht verwendet worden sein.

Fehler räumt Olijnyk in der Causa Peter Lohmann ein. Der frühere SPD-Bundestagsabgeordnete erhielt in der Awo-Service-GmbH einen Vertrag als Psychologe. Die Awo beziffert das Monatsgehalt mit 5100 Euro, gezahlt über mehrere Jahre. Was Lohmann dort tatsächlich getan hat, wusste wohl niemand. Er selbst habe nicht kontrolliert, so Olijnyk. „Ich habe ihm vertraut, und ich vertraue ihm.“

Diestel ist von der Unschuld Olijnyks überzeugt und meint: „Ich habe hier Edelleute kennengelernt.“ Die Awo sieht das ganz anders. Olijnyk habe seine Position als Geschäftsführer „über Jahre systematisch missbraucht“, erklärt Landesvorsitzender Rudolf Borchert. Dazu steht auch Landesgeschäftsführer Bernd Tünker, der Olijnyk und Lohmann ein „perfides System“ vorwarf.

Frank Pubantz

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