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Baby-Tod in Anklam bleibt rätselhaft

Anklam Baby-Tod in Anklam bleibt rätselhaft

Obduktion ohne klares Ergebnis / Weitere Untersuchungen angeordnet / Immer wieder Fälle von plötzlichem Kindstod

Anklam. Der Tod eines Babys in Anklam (die OZ berichtete) gibt weiterhin Rätsel auf. Die gerichtsmedizinische Untersuchung des sieben Wochen alten Säuglings erbrachte gestern laut Staatsanwaltschaft Neubrandenburg keine klaren Ergebnisse. Nun sollen genauere Untersuchungen Aufschluss über die Todesursache bringen. Angaben darüber, ob möglicherweise Fremdverschulden – eine Straftat oder Fahrlässigkeit – zum Tod des Mädchens geführt haben könnten, machte die Staatsanwaltschaft unter Hinweis auf die noch offenen Fragen nicht.

 

OZ-Bild

Staatsanwalt Gerd Zeisler

Quelle: D. Lilienthal

Nach OZ-Informationen soll die Mutter des Kindes am Sonnabend mit ihrem neuen Partner ausgegangen und erst am frühen Sonntagmorgen leicht alkoholisiert zurückgekehrt sein. Entgegen früherer Annahmen soll aber nicht sie, sondern die 16-jährige Tochter aus einer früheren Beziehung das tote Kind entdeckt haben, sagte Staatsanwalt Gerd Zeisler. Es soll im elterlichen Bett gelegen haben, in dem auch der Vater schlief. Er war dem Vernehmen nach ebenfalls leicht alkoholisiert, aber nicht betrunken. Es wird nicht ausgeschlossen, dass der Mann sein Kind im Schlaf erdrückt hat.

Immer wieder kommt es vor, dass Babys aus ungeklärter Ursache im Bett sterben. In solchen Fällen spricht man von plötzlichem Kindstod. Das Risiko dafür steigt Untersuchungen zufolge, wenn das Kind im elterlichen Bett liegt – vor allem wenn es unter elf Wochen alt ist. Mediziner der Universität Glasgow (Schottland) hatten 123 Todesfälle von Säuglingen untersucht. 90 Prozent der Kinder starben während der Nacht, und mehr als die Hälfte der Babys hatten zuvor Bett oder Sofa mit den Eltern geteilt.

In der Vergangenheit gab es in MV allerdings auch immer wieder Fälle schwerer Kindesmisshandlungen, die bis zum Tod der Kinder führten. Bundesweit bekannt wurde der Fall der fünfjährigen Lea-Sophie in Schwerin. Sie verhungerte im November 2007, nachdem ihre Eltern sie wochenlang vernachlässigt hatten. Diese wurden später wegen Mordes in Tateinheit mit Misshandlung Schutzbefohlener zu je elf Jahren und neun Monaten Haft verurteilt.

Im Oktober 2014 wurde die drei Monate alte Isabell in Dranske auf Rügen vom eigenen Vater so schwer misshandelt, dass sie bleibende Hirnschäden davontrug. Unter anderem hatte er den Kopf des Kindes zwischen einer Tür und dem Türrahmen eingequetscht und es heftig geschüttelt. Der Vater wurde zu sieben Jahren Haft verurteilt, die Mutter bekam eine Bewährungsstrafe wegen Verletzung der Fürsorgepflicht und Körperverletzung durch Unterlassung.

In der vergangenen Woche sorgte ein Fall in Grevesmühlen (Nordwestmecklenburg) für Entsetzen: Ein Dreijähriger war mit blauen Flecken am ganzen Körper, unterernährt und dehydriert in die Klinik eingeliefert worden. Dem Vater wurde daraufhin das Sorgerecht entzogen. Gegen ihn und seine Lebensgefährtin wird wegen Misshandlung Schutzbefohlener ermittelt. Laut Kriminalstatistik MV bewegt sich die Zahl der Kindesmisshandlungen seit Jahren auf etwa gleichbleibendem Niveau. 2014 wurden 113 Fälle verzeichnet, 2015 sank die Zahl auf 105.

Plötzlicher Kindstod

119 Babys starben im Jahr 2014 am sogenannten plötzlichen Kindstod. Diese Todesursache wird verzeichnet, wenn ein zuvor gesundes Kind unerwartet und ohne erkennbaren Grund stirbt. Als eine mögliche Ursache wird eine Unreife des Atemantriebs und eine schwerere Erweckbarkeit vermutet, die dann zu einem Atemstillstand führt. Auch bestimmte Viren stehen im Verdacht, beteiligt zu sein.

Axel Büssem

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