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Backhaus: Böden „in Ordnung“

Schwerin Backhaus: Böden „in Ordnung“

Minister stellt Schutzprogramm vor / BUND widerspricht teilweise

Schwerin. Der Zustand der landwirtschaftlich genutzten Böden in MV ist für Agrarminister Till Backhaus (SPD) „grundsätzlich in Ordnung“. Es gebe Ausnahmen, etwa im Elbvorland, wo Dioxine und Schwermetalle aus Industriegebieten in Polen, Tschechien und Deutschland die landwirtschaftliche Nutzung belasteten. Für das Gesamtbild im Land sei dies aber kein Grund zur Besorgnis. Der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) in MV widerspricht: Der Zustand vieler Böden habe sich sogar verschlechtert.

Backhaus stellte gestern den zweiten Teil des Bodenschutzprogramms für das Land vor, der eine Bewertung des Bodenzustands enthält und Ziele für den Bodenschutz formuliert. Im dritten und letzten Teil sollen konkrete Festlegungen folgen, wie mit dem Boden umzugehen ist. Die Ressource sei im Unterschied zum Wasser nicht erneuerbar. Zerstörter Boden sei nicht wiederherstellbar. Der Minister nannte das Bodenschutzprogramm eine Arbeitsgrundlage nicht nur für die Landwirtschaft, sondern auch für Bau und Verkehr. Nach seinen Angaben sind von den 2,3 Millionen Hektar Landesfläche fast die Hälfte, nämlich 1,1 Millionen Hektar, Ackerland.

Der Humus-Zustand auf den Äckern hat sich der Analyse zufolge in den vergangenen Jahren stabilisiert. Das hänge mit der Extensivierung der Landwirtschaft, etwa mehr Ökolandbau, vielfältigen Fruchtfolgen und der Winterbegrünung zusammen. Dennoch seien in dem Bereich mehr Forschung und Entwicklung sowie ein Humus-Monitoring geplant. Mehr Forschung sei auch nötig hinsichtlich der Rückstände aus Tierarzneien, die mit der Gülle auf die Felder kämen, der Bodenverdichtung durch häufiges Überfahren mit immer schwererer Technik sowie hinsichtlich der Auswirkungen von Pflanzenschutzmitteln. Die Arzneimittelrückstände im Land überschritten die europäischen Richtwerte nicht, sagte Backhaus.

Der Bauernverband sieht sich durch die Bodenbewertung des Ministeriums bestätigt. Die Produktivität eines Bodens sei ein Indikator für die Bodengesundheit, sagte Bauernpräsident Detlef Kurreck. Die Erträge bei Getreide seien zwischen 1990 und 2014 um 37 Prozent, bei Kartoffeln um 73 und bei Raps um 50 Prozent gestiegen.

Kritik kommt vom BUND-Agrarexperten Burkhard Roloff. Er spricht von einer „zunehmenden Verschlechterung der Böden in Europa“. Schätzungen europäischer Experten zufolge seien 50 Prozent der Böden durch Verdichtung gefährdet. Dem müsse mit einheitlicher EU-Gesetzgebung entgegengewirkt werden, die Deutschland aber bisher blockiere.

„In der Vergangenheit wurde der Schutz des Bodens eher vernachlässigt“, erklärt Roloff. Das Bodenschutzprogramm des Landes müsse zügig umgesetzt werden. Dafür sei jedoch qualifizierte Beratung erforderlich. Es brauche mehr „Bodenbewusstsein bei den Landnutzern“, so Roloff. Der BUND schlägt dazu Demonstrationsbetriebe vor, „wo der interessierte Landwirt praktischen Bodenschutz auch erleben kann“.

OZ

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