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Bahn fährt kräftiges Minus ein: Vier Millionen Fahrgäste weniger

Rostock/Berlin Bahn fährt kräftiges Minus ein: Vier Millionen Fahrgäste weniger

Die Zahl der Mitarbeiter in MV sank um 150 / Wachsende Konkurrenz durch Fernbusse / Fahrgastverband Pro Bahn fordert besseren Service, um Passagiere zurückzugewinnen

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Marcel Drews, Vorsitzender Fahrgastverband Pro Bahn MV

Quelle: C. Kettler

Rostock/Berlin. Die Bahn hat 2015 ein kräftiges Minus eingefahren — in Mecklenburg-Vorpommern wie auch bundesweit. In MV sank die Zahl der Passagiere von rund 21 Millionen im Jahr 2014 auf 17,14 Millionen 2015. Gleichzeitig baute die Bahn in MV Personal ab: Arbeiteten 2014 noch 3780 Menschen für das Unternehmen, waren es im vergangenen Jahr nur noch 3630.

Die Bahn in MV

700 Züge und S-Bahnen der Deutschen Bahn rollen täglich durch MV. Pro Jahr werden 14,9 Millionen Kilometer zurückgelegt. Das sind drei Viertel das Bahnverkehrs, der Rest wird von anderen Anbietern erbracht. 3630 Mitarbeiter hat die Bahn in MV, 127 junge Leute werden ausgebildet.

Bundesweit musste die Bahn erstmals seit zwölf Jahren wieder einen Verlust vermelden. Insgesamt fehlten in der Kasse 1,3 Milliarden Euro, teilte Bahnchef Rüdiger Grube gestern mit. Als Gründe nannte der Konzern zum Beispiel Sonderabschreibungen im Schienengüterverkehr und Sonderbelastungen durch den Konzernumbau. Auch die Bahnstreiks hätten ihren Teil beigetragen.

Die Zahl der Reisenden in den Zügen, S-Bahnen und Bussen der Bahn und ihrer Töchterunternehmen sank um rund 30 Millionen auf 2,5 Milliarden, das waren 1,2 Prozent. „Wir müssen nachhaltig besser werden“, räumte Grube ein.

Das sieht auch Marcel Drews vom Fahrgastverband Pro Bahn MV so: „Die Bahn hat ihre Leistungen zurückgefahren. Dadurch sind Lücken entstanden, wodurch viele Kunden die Fernbusse für sich entdeckt haben.“ Allerdings habe auch die Politik falsche Rahmenbedingungen gesetzt und so das Umsteigen gefördert: „Fernbusse zahlen keine Maut, aber beim Zug muss für jeden Kilometer Trassengeld bezahlt werden“, sagt Drews.

Um Passagiere zurückzugewinnen, müsse die Bahn die Umsteigezeiten zwischen Fern- und Regionalverkehr verkürzen. „An manchen Bahnhöfen müssen die Passagiere stundenlang warten“, kritisiert Drews.

Nach Angaben der Bahn hängt der deutliche Rückgang der Passagierzahlen in MV mit den Bahnstreiks zusammen: Im Land sei der Organisationsgrad der Lokführergewerkschaft GdL sehr hoch, daher seien hier auch besonders viele Züge ausgefallen. Beim Personal sei der Abbau vor allem auf die Automatisierung der Stellwerke zurückzuführen. Es seien aber keine Mitarbeiter entlassen, sondern in andere Bundesländer versetzt worden, betonte ein Sprecher.

Anstatt Personal abzubauen, sollte die Bahn lieber zusätzliche Mitarbeiter im Servicebereich einstellen, fordert Drews. „Einer der häufigsten Gründe, nicht mehr mit dem Zug zu fahren, ist schlechter Service“, warnt er. In Pasewalk etwa habe die Bahn 2015 beim Servicepersonal gekürzt, obwohl sich dort mehrere Linien kreuzen und daher großer Informationsbedarf bestehe. „Gerade in den größeren Bahnhöfen sollten Ansprechpartner vorhanden sein“, so Drews.

Der Fraktionschef der Grünen im Landtag, Jürgen Suhr, gibt der Landesregierung eine Mitschuld. Sie hätte die langen Wartezeiten auf der Strecke Schwerin — Hamburg nicht hinnehmen dürfen, rügt er.

Erst gestern hatte Suhr den Kurs von Rot-Schwarz heftig kritisiert (die OZ berichtete). „Das ist jetzt die logische Konsequenz einer falschen politischen Weichenstellung.“ Das Land müsse eigenes Geld zusätzlich zu den Regionalisierungsmitteln vom Bund in die Bahn investieren, fordert Suhr.

2016 will die Bahn laut Grube wieder schwarze Zahlen schreiben. Angestrebt ist ein Ergebnis oberhalb von 500 Millionen Euro.

Von Axel Büssem

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