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MV aktuell Aus MV bald schneller nach Berlin und Lübeck
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16:30 06.11.2018
Auf der Strecke Schwerin-Lübeck werden Züge nach dem geplanten Ausbau schneller fahren können. Quelle: Jens Büttner/dpa
Berlin/Schwerin

Bahnkunden in MV können künftig schneller nach Lübeck oder Berlin reisen. Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) stufte am Dienstag zwei Ausbauprojekte im Verkehrswegeplan in die Kategorie „vordringlicher Bedarf“ hoch. Damit ist die Finanzierung der Pläne durch den Bund gesichert. Wann die Projekte umgesetzt werden, ist allerdings noch offen.

Das größte Vorhaben in MV ist der Ausbau der Strecke von Stralsund über Greifswald und Anklam nach Berlin. Sie soll für Geschwindigkeiten bis 160 Stundenkilometer ertüchtigt werden. Die Fahrzeit zwischen Stralsund und Berlin soll sich dadurch auf 2:38 Stunden verkürzen. Derzeit sind es gut 35 Minuten mehr. Dafür sind der Liste zufolge 795 Millionen Euro eingeplant.

Das zweite Projekt betrifft die Strecke von Schwerin über Bad Kleinen und Grevesmühlen nach Lübeck, die für 133 Millionen Euro ausgebaut werden soll. Hinzu sollen noch eine Reihe von Überholanlagen für 740 Meter lange Güterzüge kommen, die meisten davon auf der Strecke zwischen Berlin und dem Rostocker Überseehafen.

Der Schweriner Verkehrsminister Christian Pegel (SPD) zeigte sich zufrieden: „Es freut mich sehr, dass die für unser Land so wichtigen Strecken hochgestuft wurden. Der Bund hat unsere Einschätzung, dass die Projekte wirtschaftlich sind, bestätigt.“ Beide Strecken seien sowohl für Touristen als auch für Pendler von großer Bedeutung. Zudem erfülle die Strecke Stralsund – Pasewalk – Berlin eine wichtige Rolle im Hinterlandverkehr der vorpommerschen Häfen. Der Ausbau der Strecke Schwerin-Lübeck biete Potenziale Teil einer künftigen Fernverbindung Berlin-Kopenhagen zu werden. Er hoffe nun, dass die Bahn dieses Vorhaben möglichst zügig umsetze, sagte Pegel.

Im vor zwei Jahren verabschiedeten Verkehrswegeplan 2030 waren neben den dringendsten Bauprojekten auch Vorhaben der Kategorie „potenzieller Bedarf“ aufgenommen worden. Nach einer bestandenen Wirtschaftlichkeitsprüfung wurden viele von ihnen nun in die Top-Kategorie hochgestuft, darunter auch die beiden Projekte in MV. Die Prüfung nicht bestanden hat dagegen der Ausbau der Strecke von Stralsund über Neubrandenburg und Neustrelitz nach Berlin.

Das kritisiert der Fahrgastverband Pro Bahn MV: „Das muss korrigiert werden. Die Strecke ist für Berufspendler besonders wichtig“, sagte der Landesvorsitzende Marcel Drews. Damit könnte auch die gesamte Ost-West-Achse zwischen Güstrow und Pasewalk beschleunigt werden. Derzeit sei man dort mit dem Auto noch ein bis zwei Stunden schneller als mit der Bahn. Auch Pegel zeigte Unverständnis für die Entscheidung. „Ein Ausbau dieser Strecke hätte für die Region wichtige Impulse gebracht.“

Die verkehrspolitische Sprecherin der Linken im Schweriner Landtag, Mignon Schwenke, begrüßte zwar die Hochstufung, schränkte aber ein: „Allein der Ausbau nützt nicht. Wichtig ist, dass dann auch Fernzüge im Stundentakt darauf fahren.“ Der ab 2019 geplante Zwei-Stunden-Takt von Rostock nach Berlin sei nicht ausreichend. „Infrastrukturausbau ist wichtig und gut, aber die Bahn muss ihr Fernbahnangebot deutlich ausweiten“, forderte Schwenke.

Erst vor einer Woche hatte die Bahn angekündigt, ihr Angebot im Fernreiseverkehr von und nach MV zu verbessern (die OZ berichtete). So werden mit dem Fahrplanwechsel am 9. Dezember auf der Strecke Binz/Stralsund-Hamburg-Karlsruhe die bisherigen Intercity-Züge durch die moderneren ICE-T ersetzt. Ein ICE fährt jeweils freitags direkt von Wien nach Warnemünde.

Im Bundesverkehrswegeplan sind nur die Projekte aufgeführt, die der Bund komplett finanziert. Von den acht vorgeschlagenen Projekten aus MV waren 2016 fünf komplett durchgefallen, darunter auch die Darßbahn. Sie könnte allerdings gemeinsam von Bund und Land umgesetzt werden.

Bundesweit stiegen 29 von 44 Schienenprojekten in die höchste Kategorie auf, darunter die Verkürzung der Fahrzeit zwischen Nürnberg und Erfurt oder der zweigleisige Ausbau der Bahnstrecke nach Sylt. Ein Augenmerk liegt auf dem Ausbau von Knotenpunkten wie den großen Bahnhöfen Frankfurt, Hamburg, Hannover, Köln, Mannheim und München, die besonders für Engpässe und damit Verspätungen verantwortlich gemacht werden. Gerade die Pläne für Hamburg seien auch für MV von großer Bedeutung, sagte Minister Pegel.

Axel Büssem und Hannes Stepputat

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