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Bahn frei für Minis aus Mecklenburg

Broderstorf Bahn frei für Minis aus Mecklenburg

Manufaktur in Broderstorf fertigt Tatras, Trabis und Waggons für Modellfans

Broderstorf. Auf seine Kleinigkeiten fahren Sammler ab: Ralf Hadler baut Modellautos und -Güterwagen, deren Anblick allein schon genügt, um das Spielkind im Mann zu wecken. In Broderstorf bei Rostock betreibt Hadler die „Hädl Manufaktur“. Mit seinen sieben Mitarbeitern fertigt er dort monatlich bis zu 3000 Autos und Eisenbahn-Waggons. Die verschickt der Firmenchef an Fachhändler und Privatkunden im In- und Ausland. Besonders begehrt sind die originalgetreuen Miniaturen „made in Mecklenburg“ in Osteuropa.

Hadlers Mini-Firmenflotte ist riesig: Trabis, Sattelzüge, Feuerwehren und Güterwagen aller Art gehören ebenso zum Sortiment wie Pritschenwagen, Kippanhänger oder Militärfahrzeuge. Zunächst hat Ralf Hadler mit solchen Modellen nur gehandelt. Seit elf Jahren stellt er sie selbst her. „Ich hab’ mein Hobby zum Beruf gemacht“, sagt der passionierte Modellbahner.

Eine Messe wurde für Ralf Hadler zur Initialzündung: An seinem Stand kombinierte er die Ware zweier Hersteller und schwups ein neues Auto-Modell, das es bis dato noch nicht auf dem Markt gab, war geboren. „Die Kunden haben sich darum geprügelt“, erinnert sich Hadler. Das war 2005. Motiviert vom Erfolg machte er seinen Laden dicht und gründete die Manufaktur. „Wir haben uns auf dünnes Eis begeben. Es war ein Versuch, und der hat funktioniert.“ Mittlerweile hat er mehr als 300 verschiedene Modelle im Portfolio, die meisten im Maßstab 1:120. Seinen ersten Eigenbau – einen Tatra 813 – produziert Hadler bis heute.

Jedes Modellauto beginnt mit einem Stück Papier. Anhand von Fotos, die Hadler in Archiven aufstöbert oder von Kunden zugespielt bekommt, werden Vorlagen skizziert. Die werden dann in den Computer eingespeist und zu 2- und 3D-Modellen weiterentwickelt. Damit aus virtuell real wird, müssen sogenannte Spritzguss-Werkzeuge her – Formen, mit deren Hilfe später Fahrgestelle, Sitze oder Räder gegossen werden. Dafür fräst eine CNC-Maschine aus Aluminumplatten zunächst jedes Werkzeug in Einzelteilen, die dann wiederum zu Hohlformen zusammengesetzt werden. Ein heikler Moment. „Schon ein Frauenhaar reicht aus und das Werkzeug ist nicht mehr zu gebrauchen“, erklärt Hadler. Seine Kunden sind anspruchsvoll und dulden keine Macken. Jedes Detail muss stimmen, und sei es auch nahezu mikroskopisch klein.

Je nach Modell brauchen die Profi-Bastler bis zu 80 verschiedene Formen, um Komponenten für Fahrzeuge oder Waggons zu gießen. Bei einem Durchschnittstrabi reicht etwa ein Dutzend. Im nächsten Schritt wird jede Gussform durch ein winzig kleines Loch befüllt. Dafür kommt sie in einen Spritzgussautomaten, der Kunststoff auf bis zu 300 Grad erhitzt und ihn in den Hohlkörper pumpt. Binnen weniger Sekunden härtet die zähflüssige Masse aus. Die Mini-Autoteile werden anschließend mit Farbe besprüht oder lackiert. Eine sogenannte Tampondruckmaschine bringt Schriftzüge auf, damit jedes Modell-Element aussieht wie beim Original. „Das Prinzip Kartoffeldruck“, verdeutlicht Hadler. Dann gehts zur Endmontage. Mit Skalpell und Pinzette setzen Hadlers Mitarbeiter die Teile zum Modell zusammen. Das meiste wird gesteckt, so wenig wie möglich geklebt. „Die Arbeit ist nichts für Grobmotoriker“, sagt Hadler.

So viel Handarbeit kostet: Autos verkauft Hadler ab zwölf Euro das Stück, für Güterwagen nimmt er mindestens 20. „Es ist eben kein Kinderspielzeug, keine plumpe Chinaware“, stellt Ralf Hadler klar.

Für seine vielteiligen Sammlerobjekte wie Feuerwehren oder für Exoten wie die Kaelble Z6R3A, eine Zugmaschine der Deutschen Reichsbahn, sind Liebhaber auch bereit, rund 50 Euro zu investieren.

Mit der Reichsbahn kennt sich Ralf Hadler übrigens bestens aus. Bevor er auf den Zug Modellbau umstieg, war er dort Elektromonteur. Heute schraubt er nur noch an Minis rum. Beruflich und privat in seinem Modellbahnclub. Für seine Manufaktur hat Hadler noch viele Ideen.

„Wir denken darüber nach, ab nächstem Jahr Personenwagen und unsere erste eigene Lok zu bauen.“ Außerdem will er eine robuste und preiswerte Kleinserie speziell für Kinder auflegen, um den Nachwuchs für das Hobby zu begeistern.

Antje Bernstein

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