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Ballonfahrer kommen in den Adelsstand

Blankenhagen Ballonfahrer kommen in den Adelsstand

Jeder, der zum ersten Mal mit dem Heißluftballon fährt, wird nach der Landung getauft / Acht Unternehmen im Land bieten Ausflüge in luftige Höhen an

Blankenhagen. Wer lässt sich schon gern Haare versengen?! „Ballonfahrer, die das erste Mal in die Luft gestiegen sind“, lacht Peer O. Wagner. Er hat schon Hunderte solcher Taufen durchgeführt: Locken mit einem Feuerzeug verbrannt und dann mit Sekt gelöscht. Wer diese Zeremonie hinter sich gebracht hat, ist glücklich einem Heißluftballon entstiegen und gehört fortan dem Adelsgeschlecht an mit Titeln wie „Gräfin Silke, tapfere Freifrau der hohen Lüfte vom Mühlbach“.

 

OZ-Bild

Fertig zum Einsteigen: Ist die Luft im Ballon heiß, können die Passagiere in den Korb klettern.

Quelle: Fotos: Alexander Rudolph
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Macht den Ballon startklar: Pilot Peer O. Wagner (45).

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Fertig zum Einsteigen: Ist die Luft im Ballon heiß, können die Passagiere in den Korb klettern.

Quelle: Fotos: Alexander Rudolph

Peer O. Wagner schwebt seit 22 Jahren über Seen, Felder und Wälder. Neugierige Blicke sind ihm dabei sicher. Er selbst liebt vor allem den Ausblick und die Stille. Die wird meist nur durch das Zischen des Brenners durchbrochen. Der sorgt auch dafür, dass es oben kuschelig warm ist und die Ballonfahrer gern mal ihre Jacken ausziehen.

Der Start kann auf jeder mindestens 50 mal 50 Meter großen Wiese erfolgen, wenn der Eigentümer zustimmt und sie frei von Hindernissen ist. Im Korb: drei Gasflaschen à 60 Liter. Mit ihnen heizt ein Brenner die kalte Luft im Polyester-Ballon auf. Denn: „Warme Luft steigt nach oben“, erklärt der Pilot. Deshalb finden die Fahrten am frühen Morgen oder am Abend statt – wenn es keinen warmen Aufwind gibt.

Der Korb ist ein Weidengeflecht und 100-prozentige Handarbeit. Sechs Ballonfahrer passen in ihn hinein – der Pilot und fünf Gäste. Alle müssen mit anpacken, bevor es losgeht. Alleine schafft Peer O.

Wagner den Aufbau nicht. Eine 170 Kilogramm schwere Hülle muss ausgezogen, am Korb befestigt und mit einem Ventilator aufgeblasen werden. Dann heizt der 45-Jährige die Luft auf, die Gäste klettern hinein und heben ab. In welche Richtung, das bestimmt der Wind. „Kommt der aus dem Süden, starte ich niemals in Küstennähe“, erklärt Wagner. Das Kuriose: Obwohl man so weit oben ist, bewegt sich der Ballon ruhig voran: Grund: Er passt sich der Windgeschwindigkeit an.

Bis 1800 Meter kann er sich mit dem Ballon frei bewegen. Steigt er höher, dringt er in den kontrollierten Luftraum ein und braucht einen Transponder, ab 3000 Meter noch Sauerstoff für Pilot und Passagiere. Doch so weit oben schwebt Peer O. Wagner nicht, oft sind es nur einige hundert Meter über der Erde. „Die Höhe hängt immer von der Luftströmung ab, sie bestimmt, wie schnell man vorankommt“, sagt Wagner. Während seiner etwa anderthalbstündigen Fahrten verfolgen Helfer den Ballon mit Autos. Sie sammeln die Besatzung nach der Landung wieder ein, bringen sie und die Technik zurück zum Startplatz.

Eine Fahrt kostet 199 Euro pro Person. Gebucht wird der Ballon zu 95 Prozent von Menschen aus MV, die etwas zu feiern haben: Jugendweihen, Hochzeiten, Firmenveranstaltungen. Auch Heiratsanträge werden gern hoch über den Wolken gemacht – „bisher haben alle Ja gesagt“, freut sich Wagner.

Acht Ballonunternehmen gibt es zurzeit in Mecklenburg-Vorpommern, unter anderem in Rostock und auf der Insel Usedom. Bevor sie das erste Mal abheben dürfen, müssen sie beim Verkehrsministerium in Schwerin, das auch Landesluftfahrtbehörde ist, eine Genehmigung beantragen. Die wird alle zwei Jahre überprüft. Dann müssen unter anderem Versicherungsdokumente und regelmäßige Wartungsprotokolle für die Ausrüstung vorgelegt werden. Auch ein Flugbuch muss Peer O. Wagner führen. In dem notiert er Start- und Landeplatz, Uhrzeiten, Windstärke und -richtung.

Seit 1994 hat der Mann aus Blankenhagen (Landkreis Rostock) einen Pilotenschein als Ballonfahrer, seit 1996 sein eigenes Luftfahrtunternehmen – Happy Air. Das bietet neben Ballonfahrten auch Helikopter-Flüge an – für Vermessungen, Foto- und Filmaufnahmen und Rundflüge. Was er lieber mag – die Stille im Ballon oder den Motorenlärm im viersitzigen Flieger –, da mag er sich nicht entscheiden. „Beides macht viel Spaß, Hauptsache ich bin in der Luft.“

• www.ballonfahren-mv.de

Die Brüder Montgolfier begründeten Brauch

Am 21. November 1783 stieg zum ersten Mal ein bemannter Heißluftballon in den Himmel über Versailles und Paris (beides Frankreich). Danach wurden die Erbauer, die Brüder Montgolfier, gemeinsam mit den Piloten Jean-François Pilâtre de Rozier und François d’Arlandes vom König von Frankreich in den Adelsstand erhoben – ebenso wie Jacques Charles und Marie-Noël Robert, die zehn Tage später mit dem ersten Gasballon gestartet waren. In Erinnerung an diese Ehre werden bis heute alle Ballonfahrer „geadelt“.

Kerstin Schröder

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