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MV aktuell „Bandidos“-Rocker zur Kommunalwahl löst Streit in AfD aus
Nachrichten MV aktuell „Bandidos“-Rocker zur Kommunalwahl löst Streit in AfD aus
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10:03 15.03.2019
Symbolfoto: Das Landeskriminalamt bescheinigt „Bandidos“-Rockern Verbindungen zur kriminellen Szene. Quelle: dpa
Sassnitz

Die Aufstellung eines Mitglieds der berüchtigten Motorrad-Rocker „Bandidos“ zur Kommunalwahl in Sassnitz sorgt bei der AfD und außerhalb für erhebliche Turbulenzen. René Jens soll Ende Mai in die Gemeindevertretung einziehen, er steht auf Platz drei der örtlichen AfD-Liste. Im Privatleben ist er Motorrad-Rocker der Bandidos, denen das Landeskriminalamt Kontakte organisierte Kriminalität (LKA) zurechnet. Wie Jens auf die Liste kam, dazu widersprechen sich die beiden AfD-Sprecher im Kreis Vorpommern-Rügen.

Als eine Art Unfall schilderte AfD-Kreissprecher René Kruschewski die Nominierung Jens', von einer Bandidos-Mitgliedschaft wisse er nichts. Das bringt Michael Meister, den zweiten Kreissprecher der AfD in Vorpommern-Rügen, in Rage. Kruschewski habe der Öffentlichkeit „genau das Gegenteil von dem erzählt, was er dem eigenen Kreisvorstand und Parteimitgliedern gegenüber äußerte“, so Meister. „Er wusste von Beginn an, dass Herr Jens Mitglied der Bandidos ist. Er hat dies sogar betont und ihn ausdrücklich als Kandidaten für die Gemeinderatswahl Sassnitz vorgeschlagen“. Meister distanziert sich scharf von seinem Co-Sprecher Kruschewski und Kandidat Jens. Solche „Räuberpistolen“ schadeten dem Ansehen der Partei, die für Recht und Ordnung stehe. Die AfD habe mit den Bandidos gemein. Aus seiner früheren Arbeit als Polizist habe er mit der organisierten Kriminalität zu tun gehabt und könne „sehr gut beurteilen, welche negativen Auswirkungen solche kriminellen Strukturen auf das Allgemeinwohl entfalten können“, erklärt der AfD-Kreischef. Kruschewski verteidigte am Freitag die Personalie: Jens sei auf der Insel Rügen als engagierter Bürger bekannt, habe „ein sauberes polizeiliches Führungszeugnis vorgelegt, ist weder vorbestraft, noch sind irgendwelche Aktivitäten der Justiz gegen ihn anhängig“.

Untersuchung angekündigt

AfD-Landessprecher Leif-Erik Holm kündigt eine Untersuchung des Falls an. „Der Landesverband hat vom Kreisverband Vorpommern-Rügen das Führungszeugnis von Herrn Jens angefordert. Sollte Herr Jens in der Vergangenheit mit Straftaten aufgefallen sein, wäre dies absolut unvereinbar mit einer Kandidatur für die AfD“, so Holm.

Das LKA rechnet die Bandidos dem kriminellen Milieu zu. In MV seien daneben die RockergruppenHells Angels“ und „Gremium MC“ sowie Unterstützergruppen aktiv, so Sprecherin Anna Lewerenz. Die Mitglieder-Gesamtzahl werde auf etwa 220 geschätzt. „Mitglieder von Rockergruppen sind vorrangig in Straftaten involviert, die den typischen Deliktsfeldern der organisierten Kriminalität zuzurechnen sind“, so Lewerenz. Dies seien etwa Drogenhandel, illegaler Waffenbesitz und Rotlichtkriminalität. Für das Milieu typisch sei ein „ständiger Bereicherungswillen, der durch Gewalt und Einschüchterung vorangetrieben wird“. Zu den Bandidos auf Rügen machte das LKA bisher keine dezidierten Angaben.

Facebook-Post von René Kruschewski, AfD-Kreissprecher Vorpommern-Rügen. Auf dem Foto ist Bandido René Jens (l.) als Sicherheitsmann bei einem Merkel-Auftritt zu sehen. Quelle: OZ

René Jens hat Anfragen bisher nicht beantwortet. Fotos in Rocker-Kluft auf seiner Facebookseite sind jetzt entfernt. Prof. Wolfgang Muno, Politikwissenschaftler der Universität Rostock, warnt vor einer Vorverurteilung. Es sei nicht verboten, Bandidos-Mitglied zu sein. „Der liberale Rechtsstaat gilt für alle und muss so etwas ertragen“, so Muno. Wähler müssten selbst entscheiden, „ob sie jemanden wählen möchten, der bekennendes Mitglied einer Organisation ist, die ganz offensichtlich im Verdacht steht, in organisierte Kriminalität verwickelt zu sein“.

CDU hat offenbar ein Problem mit René Jens

So ähnlich äußert sich auch Innenminister Lorenz Caffier (CDU), dessen Behörde die Wählbarkeit von Kandidaten überwacht. „Jede Partei muss selbst entscheiden, welche Kandidaten sie ins Rennen schickt und durch wen sie sich und ihre Ziele am besten vertreten sieht“, so Caffier.

Ausgerechnet die CDU hat aber offenbar selbst ein Problem mit der Causa René Jens. Das Bandidos-Mitglied betreibt eine Sicherheitsfirma auf Rügen. Auf seiner Internetseite gibt Jens einen Empfang mit Bundeskanzlerin Angela Merkel in Greifswald und einen CDU-Neujahrsempfang in Stralsund als Referenzen an. Ein Foto, das AfD-Mann Kruschewski im Internet verbreitet, zeigt den Bandido als Bodyguard in schwarzem Anzug Seite an Seite mit der Kanzlerin. CDU-Geschäftsführer Klaus-Dieter Götz erklärt: „Wir haben nie diesen Sicherheitdienst beauftragt.“

Frank Pubantz

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