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MV aktuell Banken sind bei Krediten strenger
Nachrichten MV aktuell Banken sind bei Krediten strenger
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00:01 11.12.2017
Rostock

Eigentlich sind die Zeiten für Häuslebauer und Eigenheimkäufer besser denn je – dank Niedrigzinsen und teurer Mieten. Aber: Kredite in diesen Höhen werden nicht mehr so einfach vergeben wie noch vor zehn Jahren. Eine Ursache: die so genannte Kreditwürdigkeitsprüfung. „Banken sind auch zivilrechtlich angehalten, die Kreditwürdigkeit zu prüfen“, erklärt Axel Drückler von der Verbraucherzentrale MV die seit eineinhalb Jahren geltende neue EU-Wohnimmobilienkreditrichtlinie. „Und die Bank darf das Immobiliendarlehen nur abschließen, wenn aus der Prüfung hervorgeht, dass es sehr wahrscheinlich ist, dass der Darlehensnehmer seinen Verpflichtungen nachkommen kann.“ Über die gesamte Laufzeit des Vertrags.

Es nützt nichts, einem Kunden einen Kredit zu geben, wenn man weiß, dass er ihn bald nicht mehr bedienen kann.Christian Hilgendorff Sparkasse

Christian Hilgendorff, stellvertretendes Vorstandsmitglied der Sparkasse Mecklenburg-Nordwest, rechnet vor: „Wenn Sie mit 38 Jahren eine Baufinanzierung auf 30 Jahre abschließen, dann sind Sie am Ende 68 Jahre alt. Das heißt, die Baufinanzierung läuft länger, als Sie im aktiven Arbeitsprozess stehen.“ Als Bank könne man zwar nicht „schwankende Einkünfte“ wie Elternzeit vorhersehen, „aber ich muss berücksichtigen, dass Sie vielleicht mit 63 Jahren in Rente gehen und dann nur noch 55 Prozent des heutigen Nettoeinkommens haben. Damit müssen Sie dann für die letzten Jahre die Leistungsraten für das Haus abbezahlen können.“ Diese Kapitaldienstfähigkeit haben die meisten Banken – selbstverständlich – bereits vor der EU-Wohnimmobilienkreditrichtlinie geprüft. „Aber nicht alle Kreditinstitute so detailliert“, erklärt Hilgendorff. Und erzählt von der „Kreditblase“ vor zehn Jahren in den USA, die sich nun zu wiederholen scheint. Dort wurden Kredite trotz geringer Einkommen und Bonität vergeben, weil ja das Haus reiche, um den Kredit abzusichern. Die Folge: Wirtschaftskrise, horrende Ausfallraten, leer stehende Häuser.

Diese Kreditvergabe mit dem Haus als Sicherheit, aber ohne entsprechende Bonität, ist nun nicht mehr zulässig, so Hilgendorff. Gerade Ältere bekommen die Folgen zu spüren. Laut „Welt am Sonntag“ und einer Datenauswertung der Kreditplattform „Europace“ fallen schon Kreditnehmer ab 40 Jahre durchs Raster. Kredite für 40- bis 50-Jährige seien um sieben Prozent zurückgegangen, Kredite für über 70-Jährige sogar um 30 Prozent. Die für unter-30-Jährige sind im gleichen Dreijahreszeitraum um 7,3 Prozent gestiegen.

„Zwar ist der Anteil der über 60-Jährigen, die eine Baufinanzierung abschließen möchten, naturgemäß eher gering“, erklärt Thilo Wiegand, Vorsitzender des Vorstands der Europace AG. „Doch die Kunden, die beispielsweise für einen altersgerechten Umbau einen Kredit benötigen, trifft es dann ganz besonders stark.“

Steffen Korn, Leiter der privaten Baufinanzierungsabteilung in der Rostocker Volks- und Raiffaisenbank: „Bei älteren Kunden ist es immer die Frage nach der Höhe des Darlehens. Wenn man über die Sterbetafel hinaus finanzieren will, müssen wir zur Not die Kinder mit ins Boot nehmen. Denn Einkommen geht vor Immobilie.“ Sterbetafeln bilden auf statistischer Grundlage eine Sterbewahrscheinlichkeiten ab.

Sparkassenkollege Hilgendorff betont: „Es nützt nichts, einem Kunden einen Kredit zu geben, wenn man weiß, dass er ihn bald nicht mehr bedienen kann.“ Er rate daher Kunden, sich rechtzeitig die Frage zu stellen, welche Ziele man habe und langfristig zu investieren. „Beispielsweise in einen Bausparvertrag, mit dem hat man auch Anspruch auf ein Darlehen.“

Also kommt man nur als junger, potenter Kreditnehmer zum Traumhaus? Die Banken widersprechen: „Wir beobachten in Mecklenburg-Vorpommern bisher keine merklichen Veränderungen hinsichtlich des Verhältnisses von zugesagten und abgelehnten Baufinanzierungsvorhaben“, sagt Swantje Buhl aus Rostock, Leiterin der Spezialberatung Baufinanzierung bei der Deutschen Bank in MV. Die Richtlinie ziele darauf ab, „den Verbraucherschutz zu stärken und die Verbraucher insbesondere vor dem Verlust ihrer Immobilie und einer potentiellen Überschuldung zu schützen“.

Nicole Hollatz

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