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MV aktuell Bauer hilft Bauer: Neustart für Geflügelhof
Nachrichten MV aktuell Bauer hilft Bauer: Neustart für Geflügelhof
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09:10 15.07.2013
Pächterin Angelika Oehlert begutachtet auf dem Geflügelhof in Zarnewanz eine Ente. Quelle: Bernd Wüstneck

Mit weit ausgebreiteten Armen und besänftigender Stimme lenkt Geflügelzüchterin Angelika Oehlert die Neuankömmlinge Richtung Wassertröge. Und ohne sich weiter groß bitten zu lassen, machen sich 2000 Entenküken auf den Weg. Sie sind gerade mal drei Wochen alt und im Schnitt 800 Gramm schwer. Die saftig grüne Weide bei Zarnewanz im Landkreis Rostock wird für ein knappes halbes Jahr ihr Zuhause sein. Damit werden sie etwa doppelt so alt wie ihre Artgenossen, die in Ställen gemästet werden. Das wirkt sich positiv auf die Fleischqualität aus.

„Die Bedingungen sind ideal“, sagt Michael Constien, der den insolventen Geflügelhof bei Rostock gekauft und die Ehefrau des Vorbesitzers als Pächterin eingesetzt hat. „Enten und Gänse, so wie sie hier stressfrei unter natürlichen Bedingungen aufwachsen, haben eine Absatzgarantie“, sagt der Landwirt aus dem Nachbarort Jürgenshagen. Nachdem das Familienunternehmen der Oehlerts tief in die roten Zahlen gerutscht war, hatte es vor gut einem Jahr Insolvenz anmelden müssen. „Wir haben nach EU-Vorschriften einen Schlachthof gebaut, für 1,3 Millionen Euro“, sagt Firmengründer Helmut Oehlert. „Doch mit der Inbetriebnahme gab es laufend weitere Auflagen, verbunden mit finanziellen Forderungen. “ Oehlert sah sein Lebenswerk bereits zerstört, als sein Freund Constien vom Insolvenzantrag erfuhr.

Kennengelernt hatten sie sich einst über ihre Hunde. „Mein bislang erfolgreichster Jagdhund stammt aus der Zucht von Hartmut Oehlert“, lobt Constien. „Und so lange ich denken kann, hole ich mir von ihm meine Weihnachtsente.“ So fasste er den Entschluss, den Hof samt des ersten EU-zertifizierten Wassergeflügelschlachthauses in Mecklenburg-Vorpommern zu übernehmen.

Für eine sechsstellige Summe erhielt Constien im April den Zuschlag vom Insolvenzverwalter, der zudem einen hohen Umlaufmittelkredit bereitstellte. Das Geld brauchte Pächterin Angelika Oehlert etwa für den Kauf von rund 15 000 Entenküken und mehr als 1000 jungen Gänsen für die Mast. Die Hausbank unterstützt das Vorhaben — gute Voraussetzungen für einen erfolgreichen Neustart.

Kurz nach dem Verkauf tauchte ein neues Problem auf. Wieder ging es um rund 15 000 Euro. Um den Verbrauchern einen hohen Lebensmittelstandard zu garantieren, haben die Handelsketten einen Internationalen Food Standard, IFS, entwickelt. Bezahlen müssen die Produzenten. Die Kontrollen sind so aufwendig, das sie für das einzelne Produkt erst nach 43 Tagen abgeschlossen werden.

Doch da die ersten Enten und Gänse in Zarnewanz erst Mitte Oktober geschlachtet werden können, wäre der Verkaufsstart erst Anfang Dezember möglich — zu spät für das wichtige Weihnachtsgeschäft. Spätestens im November sollte der Verkauf im eigenen Hofladen wieder losgehen. Das Landwirtschaftsministerium hat Unterstützung signalisiert. „Die Tiere und die Schlachtbedingungen in Zarnewanz sind optimal. Auch wir wollen, dass es endlich eine Erfolgsgeschichte wird“, ließ Minister Till Backhaus (SPD) wissen. „Nach all dem Lehrgeld, was wir gezahlt haben, muss es diesmal einfach klappen“, hofft Pächterin Oehlert. Jürgen Drewes

OZ

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