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Bazillen-Gefahr: Mieter dürfen wochenlang nicht duschen

Rostock Bazillen-Gefahr: Mieter dürfen wochenlang nicht duschen

In Vorpommern und Schwerin greifen Ämter nach Legionellen-Funden im Wasser durch. Die Bakterien können in die Lunge eindringen und grippeähnliche Symptome auslösen.

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Legionellen-Bakterien unter dem Mikroskop.

Rostock. Belastetes Trinkwasser hat in Mecklenburg-Vorpommern in mindestens einem Dutzend Fällen zu wochenlangen Duschverboten in Mietshäusern geführt. Auslöser sind überhöhte Werte von Legionellen-Erregern. Die Bakterien können beim Duschen eingeatment werden und eine spezielle Lungenentzündung verursachen, die in Extremfällen zum Tod führen kann.

In Schwerin dürfen die Bewohner von sieben Häusern und Aufgängen seit Wochen nicht mehr duschen, weil große Mengen der stäbchenförmigen Erreger im Wasser entdeckt worden waren. Alle sieben Häuser gehören einem Vermieter, der nun die Leitungen saniert. „In der Vergangenheit gab es weitere Fälle“, sagt Gerit Hübner, Leiterin des Schweriner Gesundheitsamtes.

Im Kreis Vorpommern-Greifswald wurden indes seit 2012 fünf Duschverbote verhängt. „Die Dunkelziffer dürfte hoch sein“, sagt Susanne Reuther vom Gesundheitsamt des Kreises Vorpommern-Rügen. Ihr wurden bislang noch keine Extremwerte gemeldet. Allerdings ordnete das Amt vorsorglich in Altenheimen Dusch- und in Kitas Zahnputzverbote an, insgesamt in fünf Einrichtungen. Hier waren die Messwerte erhöht.

Im Kreis Nordwestmecklenburg gab es bislang zwölf Fälle, bei denen zwar Sanierungsbedarf besteht, aber keine Duschverbote ausgesprochen wurden.

Der Landkreis Rostock verhängte ebenfalls noch keine Duschverbote. In der Hansestadt Rostock wurde ein solches zuletzt Anfang 2012 angeordnet — nachdem ein Kind an Legionellose erkrankt war.

Besitzer größerer Wohnhäuser müssen seit 2011 alle drei Jahre das Trinkwasser auf Legionellen testen lassen und überhöhte Werte an die Gesundheitsämter melden. Bei extremen Belastungen ordnen die Behörden Duschverbote an. Über heißen Wasserdampf können die Bakterien in die Lunge gelangen. Die Krankheit beginnt mit grippeähnlichen Symptomen. Ein Grund für die Ausbreitung der Bakterien ist zu kaltes Heißwasser, dass die vorgeschriebenen 60 Grad unterschreitet.

„Die Tests verursachen einen enormen Aufwand, es ist aber nicht sicher, ob sie etwas bringen“, sagt Peter Hitpaß vom Verband Norddeutscher Wohnungsunternehmen. „Das wird viel zu hoch gehängt“, sagt auch Hygiene-Professor Andreas Podbielski von der Universität Rostock. Infektionen übers Duschen kämen eher selten vor. Labore und Firmen verdienen derweil an Analysen und Sanierungen, eine Milliarde Euro wird laut Podbielski bundesweit so umgesetzt. Lediglich Ein- und Zweifamilienhäuser sind von der Testpflicht befreit.               Seite 2

Fünf Prozent der Erkrankten sterben

3 Fälle von Legionellose (Legionärskrankheit) wurden in diesem Jahr in MV gemeldet, im Vorjahr waren es 12. Schätzungen gehen von bis zu 30 000 Infektionen jährlich in Deutschland aus.
Knapp fünf Prozent sterben laut Robert-Koch-Institut an dieser speziellen Lungenentzündung.


Vor allem ältere Männer mit Vorerkrankungen sind gefährdet.

 

Gerald Kleine Wördemann

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