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MV aktuell Beerdigung für unter 1200 Euro: Billig-Bestatter gefragt wie nie
Nachrichten MV aktuell Beerdigung für unter 1200 Euro: Billig-Bestatter gefragt wie nie
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06:22 07.10.2016
Matthias Wins, Jurist der Verbraucher- zentrale MV

Die Digitalisierung macht selbst vor dem Sterben nicht halt: Billig-Bestattungsunternehmen, die ihre Dienste ausschließlich per Internet anbieten, gewinnen zunehmend Marktanteile. Auch in Mecklenburg-Vorpommern entscheiden sich Hinterbliebene dafür, Bestattungsangelegenheiten nur noch per Computer und Telefon zu regeln. Wichtigstes Motiv dabei: Geld sparen.

Hinterbliebene erben wenig in MV

581 Euro kassiert MV im Schnitt je Todesfall an Erbschaftsteuer. Zum Vergleich: In Bayern sind es 10932 Euro, der bundesweite Durchschnitt beträgt 5326 Euro. In allen ostdeutschen Ländern wird deutlich weniger vererbt als im Westen. Jährlich sterben in MV rund 19000 Menschen.

Nach Angaben des Internet-Vergleichsportals „Netzsieger“ hat sich die Zahl der Discount-Bestattungen, die weniger als 1200 Euro kosten, von 2008 bis 2012 verdoppelt. Normalerweise üblich sind Ausgaben von mehreren tausend Euro. „Es ist gut möglich, dass die Branche vor einem tiefgreifenden Wandel steht“, sagt Matthias Wins von der Verbraucherzentrale MV. Discount-Ketten und Onlinehandel hätten bereits andere Dienstleistungsbereiche umgekrempelt, beispielsweise die Optiker. Für die Kunden sei das gut, weil sie mehr Wahlmöglichkeiten haben.

105 Bestattungsunternehmen gibt es im Nordosten, knapp die Hälfte davon ist in einem Landesfachverband organisiert. Dessen Vorsitzender Torsten Lange sieht die Internet-Konkurrenz skeptisch.

„Natürlich spielt der Preis eine Rolle“, meint Lange. Aber für eine Billig-Beerdigung müsse man Einbußen hinnehmen, weil „Extras“ wie Blumen oder eine Trauerfeier wegfielen. Der Verband wirft den Discount-Anbietern vor, aus Kostengründen auf geschulte Fachkräfte zu verzichten. Außerdem würden die Gesamtkosten häufig verschleiert, zusätzliche Ausgaben wie etwa die Friedhofsgebühren seien oft im Kleingedruckten versteckt.

Malte Fischer, Chef von Hanse-Bestattungen aus Sülfeld in Schleswig-Holstein, einem der größten Online-Anbieter bundesweit, widerspricht: „Wir machen genau das Gleiche wie das alteingesessene Unternehmen auch.“ Nach seinen Angaben sind in der Branche Gewinnspannen von 2000 Euro je Bestattung nicht unüblich. Fischer: „Das ist durch nichts gerechtfertigt.“ Zumal mancher Hinterbliebene extra einen Kredit aufnehmen müsse, um das Begräbnis zu bezahlen. Die Discounter verzichteten auf Traumrenditen und finanzierten sich über mehr Aufträge.

Laut Verbandschef Lange sind solche Traumrenditen unüblich. Traditionelle Bestatter kalkulierten anders, weil sie Service anbieten, mit Ansprechpartnern vor Ort. Bei der Verbraucherzentrale gibt es indes regelmäßig Beschwerden über Bestattungsfirmen aus der Region. Häufigster Grund: Ärger wegen undurchsichtiger Rechnungen. 2014 wollten die Verbraucherschützer die Branche in Rostock unter die Lupe nehmen – und stießen dabei auf eine Mauer des Schweigens. Nur jedes zehnte Unternehmen war bereit, seine Allgemeinen Geschäftsbedingungen offenzulegen. Wins: „Das ist nicht gerade vertrauenswürdig.“ Seite 2

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