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MV aktuell Behinderte haben es auf dem Arbeitsmarkt schwer
Nachrichten MV aktuell Behinderte haben es auf dem Arbeitsmarkt schwer
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03:31 22.02.2018
Nadine Berninger, Filialleiterin eines Rostocker Cap-Marktes, preist mit Benjamin Kneerich die Ware aus. Quelle: Foto: Bernd Wüstneck/dpa

Rostock. Benjamin Kneerich ist sich sicher: Auf dem ersten Arbeitsmarkt hätte er mit seiner Stoffwechselerkrankung nur wenige Chancen. Umso glücklicher ist der 28-Jährige, dass er im neuen Cap-Markt in Rostock als Verkäufer arbeiten kann. Das Konzept der bundesweit agierenden Kette beruht darauf, Menschen mit Handicap Jobs nahe am allgemeinen Arbeitsmarkt zu bieten. Dies ist bei Kneerich der Fall: Er hat einen Grad der Behinderung von 40 und muss dauerhaft Medikamente nehmen. Er hat die Erfahrung gemacht, dass viele Arbeitgeber Angst haben, Menschen mit Handicap einzustellen. „Sie wissen nicht, was auf sie zukommt.“ So komme es, dass viele Behinderte ausgegrenzt und stigmatisiert werden.

Dies ist erstaunlich in einem Land mit rund 1,6 Millionen Einwohnern, in dem rund 185 000 einen Schwerbehindertenausweis haben. Das entspricht gut 13 Prozent der Gesamtbevölkerung, bundesweit beträgt der Anteil knapp 10 Prozent. Auch in einer anderen Statistik fällt der Nordosten auf. Rund 80 Prozent der arbeitslosen Schwerbehinderten haben einen Berufsabschluss, bundesweit sind es 60 Prozent.

Unternehmen mit mehr als 20 Mitarbeitern müssen mindestens fünf Prozent ihrer Arbeitsplätze mit Behinderten besetzen. Tun sie das nicht, müssen sie eine Strafe zahlen.

Mit Blick auf den Fachkräftemangel wirbt Sozialministerin Stefanie Drese (SPD) bei Unternehmern, Behinderten eine Chance zu geben: „Unsere Gesellschaft muss viel stärker als bisher die Potenziale von Menschen mit Behinderungen erkennen und fördern.“ Viele Menschen mit Schwerbehinderung seien leistungsfähig, hoch motiviert und ein Gewinn für Unternehmen. „Die haben eine Chance verdient.“ Sie verweist auf die ausreichend vorhandene Förderung von Land und Bund.

„Auf der Suche nach neuen Wegen bei der Fachkräftesicherung berücksichtigen Unternehmen im Land das Potenzial geeigneter behinderter Personen“, bekräftigt Jens Matschenz, Geschäftsführer der Vereinigung der Unternehmensverbände. In Mecklenburg-Vorpommern erschwere aber die besonders kleinteilige Wirtschaftsstruktur deren Einstellung ganz erheblich. Bei großen Unternehmen liege der Anteil der „Pflichtarbeitsplätze für Behinderte“ oft über 5 Prozent. „Je kleiner die Betriebe, desto schlechter ist die Behindertenquote.“

Die landesweit acht Cap-Märkte gehören zu den 22 Integrationsfirmen, die vom Land mit insgesamt 745 000 Euro gefördert werden. In den Firmen sind knapp 100 Behinderte beschäftigt, die auf dem ersten Arbeitsmarkt nur wenige Chancen haben.

Joachim Mangler

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