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Bei Hauskauf von Billigzinsen nicht blenden lassen

Rostock Bei Hauskauf von Billigzinsen nicht blenden lassen

Verbraucherschützer raten zu Sondertilgungen / Experten beantworten am Mittwoch Leserfragen bei OZ-Telefon-Forum „Betongold“

Rostock. Traumhafte Kreditkonditionen lassen die Herzen künftiger Haus- und Wohnungseigentümer auch in MV höherschlagen. Zinsen von gut einem Prozent sind zum Beispiel für ein 200000-Euro-Darlehen bei zehnjähriger Zinsbindung für den Hausbau möglich. Kreditinstitute locken mit Monatsraten von knapp 400 Euro.

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Verbraucherschützer raten zu Sondertilgungen / Experten beantworten am Mittwoch Leserfragen bei OZ-Telefon-Forum „Betongold“

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Was liegt da näher, als sich den Traum vom eigenen Heim – oft auch in Form eines gebrauchten Einfamilienhauses oder einer Eigentumswohnung – zu erfüllen? Zumal beispielsweise für eine 80-Quadratmeter-Wohnung in einem Rostocker Neubaugebiet im Schnitt 480 Euro Kaltmiete fällig sind.

Sich von den Niedrigzinsen nicht blenden zu lassen, rät Axel Drückler, Fachbereichsleiter Finanzen der Verbraucherzentrale MV. „Sie sollten bedenken, dass bei besagtem Beispiel nach zehn Jahren noch ein Schuldenberg von 170000 Euro vorhanden ist. Welche Kreditkonditionen dann gelten, weiß niemand“, warnt der Verbraucherschützer. Würden zum Beispiel dann bei 20-jähriger Laufzeit 4,5 Prozent fällig sein, wären allein 640 Euro an Zinsen aufzubringen. Die Monatsrate läge bei mindestens 800 Euro. „2046 beliefe sich die Restschuld noch auf 108000 Euro. Wählen Sie deshalb von Beginn an eine höhere Monatsrate oder vereinbaren Sie Sondertilgungen“, rät Drückler.

Er veranschlagt für die Betriebskosten zudem drei Euro pro Quadratmeter. Dabei sind hier nur Entgelte beispielsweise für Heizung, Strom, Wasser und Versicherungen erfasst. Aufwendungen unter anderem für Instandhaltung sind noch gar nicht berücksichtigt.

Wer sich in das Abenteuer Haus- oder Wohnungskauf stürzt, sollte die zusätzlichen Nebenkosten berücksichtigen. Mindestens zehn Prozent des Kaufpreises – zum Beispiel für Grunderwerbsteuer, Notar- und Grundbuchkosten sowie Maklercourtage – kommen hinzu. „Empfehlenswert ist vor Abschluss des Kaufvertrages die Untersuchung durch Bausachverständige“, sagt Iris Matschke von der Landesbausparkasse Ost.

Denn der Laie erkennt eventuelle Schäden an älteren Häusern kaum.

Zudem sind vor dem Kauf eine Menge weiterer Fragen zu klären: Wie rechtskräftig ist ein solches Gutachten? Gibt es eine Gewährleistungsfrist bei Altbauten? Wofür benötige ich einen Makler? Welche Informationen enthält das Grundbuch? Bin ich als Erbe eines Hauses gegenüber dem Finanzamt auskunftspflichtig? Wer trägt beim Verkauf eines Grundstücks die Kosten für den Notar? Ist notarieller Rat immer nötig?

Fragen rund um den Kauf und Verkauf gebrauchter Immobilien beantworten am Mittwoch, dem 9. November, drei Experten beim OZ-Telefon-Forum „Betongold“. Dr. Bernhard Pelke von der   Notarkammer MV, Immobiliengutachterin Iris Matschke von der LBS Ostdeutsche Landesbausparkasse AG   sowie Axel Drückler von der Verbraucherzentrale MV stellen sich den Leserfragen.

Die Experten sind von 11 bis 13 Uhr unter ☎ 03 81 / 365100 erreichbar.

Ausstieg aus seit 2010 geschlossenen Kreditverträgen bei falscher Belehrung über Widerrufsrecht möglich

In den vergangenen Jahren stiegen viele Verbraucher in Mecklenburg-Vorpommern aus langfristigen Kreditverträgen mit hohen Zinsen aus, weil die Banken sie über ihr Widerrufsrecht falsch belehrt hatten. „Dieser Chance hat der Gesetzgeber einen Riegel vorgeschoben, indem er das ,ewige Widerrufsrecht’ abgeschafft hat“, erläutert der Rostocker Rechtsanwalt Matthias Steinfartz. Danach konnte der Widerruf nur noch bis zum 21. Juni 2016 gegenüber der Bank erklärt werden.

„Es ist aber ein Irrtum, dass mit Ablauf dieses Datums Darlehensverträge nicht mehr widerrufen werden können“, betont Steinfartz. Besagte Ausschlussfrist betrifft nur Darlehensverträge, die zwischen 2002 und dem 10. Juni 2010 abgeschlossen wurden.

„Kreditverträge, die seit Juni 2010 mit den Kreditinstituten vereinbart wurden, sind immer noch anfechtbar“, erläutert der Jurist. Der Widerruf eines Darlehensvertrages erlaubt es dem Kunden, ohne Vorfälligkeitsentschädigung aus seinem Darlehensvertrag auszusteigen und zinsgünstiger umzuschulden. Er hat auch das Recht, von der Bank Nutzungsersatz für seine Darlehensraten zu verlangen.

„Die Zahl der Verträge, die nach dem 21. Juni 2010 geschlossen wurden und eine unwirksame Widerrufsbelehrung enthalten, beläuft sich auf deutlich unter 20 Prozent“, sagt Axel Drückler von der Verbraucherzentrale Mecklenburg-Vorpommern.

Es lohne sich trotzdem, nochmals einen Blick in seinen Vertrag zu werfen, um zu prüfen, wann dieser abgeschlossen wurde und ob nicht auch hier die Bank falsch belehrt hat“, verdeutlicht der Verbraucherschützer.

P.V.

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