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Berliner Hutmacherin hält Pyrenäenschafe bei Rostock

Teterow Berliner Hutmacherin hält Pyrenäenschafe bei Rostock

Die Wolle der Rotkopfschafe ist so fein, dass Rike Feurstein ganz begeistert ist.

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Rike Feursteins Herde von Rotkopfschafen bei Teterow (Landkreis Rostock) ist mit mehr als 50 Tieren deutschlandweit die größte.

Quelle: Bernd Wüstneck / dpa

Teterow. Rike Feurstein ist von ihren Schafen begeistert. Die Berliner Hutdesignerin besitzt eine Herde französischer Rotkopfschafe, die ihr für ihre Hutkreationen feinste Wolle liefern. Die in den Pyrenäen beheimateten Rouge du Roussillon wären vor 35 Jahren fast ausgestorben. Rike Feursteins Herde bei Teterow (Landkreis Rostock) ist mit mehr als 50 Tieren deutschlandweit die größte. Die Rasse gilt immer noch als vom Aussterben bedroht. Weltweit soll es nur noch 200 Rotkopfschafe geben.

Nach dem Winter ist ihre Herde wieder zusammen. Während die Mütter mit ihrem Nachwuchs in den kalten Monaten im Stall bleiben durften, mussten die Böcke monatelang allein auf der Weide ausharren. Wie Feurstein erzählt, haben Mitglieder einer international aktiven Tierschutzorganisation die letzte Herde bereits vor Jahrzehnten vor dem Schlachthof gerettet.

Ursprünglich lebten die an Kopf und Beinen rot gefärbten Schafe ausschließlich in den französischen Pyrenäen, wo sie im Fernweidebetrieb sowie in klassischer Wanderviehwirtschaft gehalten wurden. Als sich die traditionelle Haltung nicht mehr rechnete, gaben sämtliche Schäfer auf.

„Was mich an den Tieren begeistert, ist neben ihrem Aussehen die einzigartige Wollqualität“, sagt Rike Feurstein. Eigentlich von Beruf Rechtsanwältin, lernte sie später in New York das Hutmacherhandwerk. Sie stamme aus einer Textilfamilie, sagt sie zur Begründung.

„Der Faden ist lediglich 20 Mikrometer dünn. Das ist ideal für meine Hutkreationen“, erklärt die Mittvierzigerin und hält einen Faden gegen das Licht. Mit bloßem Auge ist er nicht zu erkennen.

Ein Mikrometer entspricht einem Tausendstel Millimeter. Textilexperten beschreiben die Wollqualität der Rouge du Roussillon als gut spinnbar, filzbar und färbbar.

Siegfried Martinmaas, Landwirt im Nebenerwerb in Groß Wüstenfelde, schreitet die eingezäunte, rund sechs Hektar große Weide ab. „Ich muss regelmäßig kontrollieren, ob noch alles dicht ist. Anwohner wollen in der Nähe einen Wolf gesehen haben. Springt der hier rein, ist alles vorbei“, ist seine Befürchtung. Der Landwirt und die Hutmacherin sind inzwischen ein eingespieltes Team. „Ich kümmere mich um die landwirtschaftlichen Dinge, Rike um die Wolle und ihre Hüte“, sagt Martinmaas. Das Scheren übernehmen Profis, erzählt Feurstein. Das Waschen und die Weiterverarbeitung obliegen ihr und ihrem Team.

Als die Designerin auf der Suche nach Weideland für ihre Schafe unterwegs war, waren sich beide zufällig begegnet. Martinmaas als Vorsitzender des Arbeitskreises der Nebenerwerbslandwirte beim Landesbauernverband, wusste von einem leerstehenden Bauernhof mit etwas Fläche. Das Gelände stellte sich als ideal für die Schafhaltung heraus. Kein Vergleich mit der bis dato genutzten Rasenfläche am Rande von Berlin, wo die Hutmacherin einst mit sieben Schafen anfing. Die Schafe danken es mit hoher Wollqualität und Nachwuchs.

Fast alle Schafe sind Nachfahren der vorm Schlachthof geretteten Herde. Die meisten kamen in den Zoo von Nürnberg, wo mit der Erhaltungszucht begonnen worden war. Auch der Chef des Haustierparks in Lelkendorf, Jürgen Gün- therschulze, engagiert sich für die Rotkopfschafe. Der Zoologe kümmert sich um den Erhalt seltener Haus- und Nutztierrassen. „Tun wir das nicht, würde wichtiges Erbgut für immer verloren gehen. Nicht auszudenken, wenn uns jetzt der Wolf in die Parade fährt“, zeigt sich auch Güntherschulze besorgt über die Rückkehr der Wölfe.

Rike Feurstein hofft, dass ihrer Herde nichts passiert. „Ich brauche die Wolle für meine Kreationen. Für mich gibt es kaum ein besseres Material“, sagt die Designerin.

Jürgen Drewes

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