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Betrug: Tacho-Stand bei jedem dritten Gebrauchtwagen gefälscht

Rostock Betrug: Tacho-Stand bei jedem dritten Gebrauchtwagen gefälscht

Der jährliche Schaden beläuft sich auf mehr als sechs Milliarden Euro / Eine neue Datenbank soll die Zahl der Betrugsfälle reduzieren

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Rostock. Betrug mit Gebrauchtwagen: Bei fast jedem dritten Fahrzeug ist der Kilometerstand falsch. „Bis zu 30 Prozent solcher Manipulationen sind belegt, die Dunkelziffer dürfte aber deutlich darüber liegen“, sagt Wolfram Stein, Vorsitzender der Initiative gegen Tachomanipulation. Laut deren Untersuchungen betrage der durchschnittliche damit angerichtete Schaden pro Auto etwa 3000 Euro. Deutschlandweit wäre das ein Gesamtschaden von jährlich mehr als sechs Milliarden Euro.

Täter zu stellen, ist schwierig

Die Polizei kann Tachobetrüger selten stellen – Manipulationsgeräte gibt es im Internet günstig zu kaufen. Zudem gibt es sogenannte „Dienstleister“, die sich mit Betrügern auf Parkplätzen treffen. Dort schließen sie ein Gerät an den Diagnosestecker des Autos an und setzen den Kilometerstand herunter.

„Der Kilometerstand ist ein entscheidender Faktor beim Kauf“, erklärt Hans Duschl vom Automobilclub ADAC Hansa. Je weniger Kilometer, desto höher der Preis. Darum werde die Laufleistung gerne manipuliert. Und das sei gar nicht so schwierig: Während früher die Tachowelle mit einer Bohrmaschine zurückgedreht werden musste, würden heute ein paar Tastendrücke genügen. In Mecklenburg-Vorpommern sind 832 702 Pkws gemeldet. Davon haben dieses Jahr bisher rund 110 000 Autos den Besitzer gewechselt – privat und durch Händler. Rein rechnerisch könnten so also mehr als 36 000 Tachos manipuliert worden sein. Um die Zahl der Betrugsfälle zu reduzieren, fordert die Initiative gegen Tachomanipulation einen Ausweis fürs Auto, den „Car Pass“. Bei jeder Kontrolle – beim Tüv oder in der Werkstatt – wird darin der aktuelle Kilometerstand eingetragen, alle Daten gespeichert. Der Automobilclub von Deutschland (AvD) unterstützt die Initiative. „Der Verbraucher bekommt so eine verlässliche und glaubwürdige Dokumentation“, erklärt Generalsekretär Matthias Braun. Gemeinsam mit Wolfram Stein fordert er ein stärkeres Engagement der Politik. Spätestens 2018 müsse die Bundesregierung reagieren. Dann würden einheitliche europäische Vorschriften zur technischen Überwachung in Kraft treten.

Der ADAC hält den Car Pass für keine gute Lösung, weil die Einträge erst mit der ersten Hauptuntersuchung beginnen würden – also drei Jahre nach der Erstzulassung. Manipulationen davor könnten damit nicht ausgeschlossen werden und würden danach sogar amtlich legitimiert. „Deshalb favorisieren wir eine speziell gesicherte Software, die sich direkt im Auto befindet“, sagt Pressesprecher Duschl. Autokäufern rät er, den Wagen vor einem Vertragsabschluss in einem Prüfzentrum untersuchen zu lassen. Dort könne zwar nicht der genaue Kilometerstand ermittelt werden, aber der aktuelle Zustand des Fahrzeugs.

Zudem würden Mängel aufgezeigt. Verbraucherschützer raten bei einer Probefahrt genauer hinzuschauen. Durchgesessene Sitze, abgenutzte Pedalgummis oder ein stark abgegriffenes Lenkrad seien bei einem relativ niedrigen Tachostand Anlass für gesundes Misstrauen. Ein Blick in die Unterlagen des Vorbesitzers sei auch aufschlussreich. Hat der Verkäufer nichts zu verbergen, könne er Tüv-Berichte, Wartungsbelege, Tankbücher oder Ölwechselbelege vorlegen.

Kerstin Schröder

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