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MV aktuell Billiges Baugeld: Kaufrausch am Immobilienmarkt im Norden
Nachrichten MV aktuell Billiges Baugeld: Kaufrausch am Immobilienmarkt im Norden
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00:05 25.07.2016

Niedrige Zinsen sorgen für Höhenflüge bei privaten Bauherren und Immobilienkäufern in Mecklenburg-Vorpommern: Weil Kredite zurzeit extrem billig zu haben sind, sinken die monatlichen Raten. Das verleitet offenbar dazu, mehr auszugeben, als ursprünglich geplant. „Die Leute trauen sich wegen der günstigen Zinsen mehr zu“, sagt Andreas Heyder, Vorstandsmitglied beim Immobilienverband IVD Nord. Die Verbraucherzentrale sieht das nicht ohne Sorge – und warnt Immobilienkäufer davor, sich zu übernehmen.

„Vor ein paar Jahren war es noch schwierig, in Rostock einen Käufer für eine Eigentumswohnung für 300000 Euro zu finden“, sagt Heyder. Das ist mittlerweile kein Problem mehr: Heute gebe es auch für Wohnungen, die 350000 Euro kosten, „starke Nachfrage“, so Heyder. Die früher häufige Obergrenze vieler Käufer sei von 200000 auf 300000 Euro gestiegen. Zinsen von teils nur noch knapp über einem Prozent sorgen dafür, dass die monatliche Rate trotzdem nicht höher ausfällt. „Die niedrigen Zinsen verschieben die Belastung in die Zukunft“, warnt Axel Drückler, Finanzexperte der Verbraucherzentrale MV. Bei einem Auslaufen der Zinsbindung könne es böse Überraschungen geben – sind die Zinsen dann deutlich höher, könne sich die monatliche Rate mal eben verdoppeln. Nicht alle Bankberater würden das ihren Kunden klarmachen, meint Verbraucherschützer Drückler.

Aber auch unabhängig von Billig-Zinsen wächst die Zahl der Käufer für hochpreisige Traumhäuser und -wohnungen. „Es ist zurzeit viel Geld im Markt“, sagt Jens Gienapp, geschäftsführender Gesellschafter des Maklerbüros Engel & Völkers in Rostock. Besonders in den Hansestädten nimmt die zahlungskräftige Kundschaft zu. Das gelte am stärksten für Rostock: Immer mehr gut verdienende Ärzte, Marineangehörige und Manager suchen eine repräsentative Bleibe in guter Lage im wirtschaftlichen Zentrum des Nordostens.

Laut einem aktuellen Immobilienmarktbericht der Immobiliengesellschaft TLG ist Rostock sogar die wirtschaftlich stärkste „Leuchtturm“-Metropole im Osten: Mit einem Bruttoinlandprodukt von 60477 Euro pro Kopf liegt die Hansestadt vor Leipzig, Dresden (beide um die 55000 Euro) und Potsdam (53538 Euro).

Indes geht die Zeit riesiger Preissprünge zu Ende. „Die Entwicklung, dass es jedes Jahr fünf Prozent nach oben geht, ist vorbei“, sagt IVD-Experte Heyder. Als Bremse könnte sich zudem eine seit Ende März geltende EU-Richtlinie erweisen. Bankkunden müssen seither für Immobilienkredite mehr Unterlagen als früher zur Bonitätsprüfung einreichen – um sie vor Überschuldung zu schützen. „Die Bearbeitungszeiten bei den Banken sind seitdem von drei, vier Tage auf drei, vier Wochen gestiegen“, kritisiert Heyder. Ob mehr Anfragen abgelehnt werden, ließe sich noch nicht sagen.

„Es ist mehr Aufwand als früher,“ sagt Katrin Stüdemann von der Rostocker Ostsee-Sparkasse. Dass die Bearbeitungszeiten bis zur Kreditzusage nun mehrere Wochen betragen, könne sie nicht bestätigen.

Gerald Kleine Wördemann

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