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Bluttat in Wismar: Mann (18) auf offener Straße niedergestochen

Wismar Bluttat in Wismar: Mann (18) auf offener Straße niedergestochen

Schwerverletzter notoperiert / Messerstecher verhaftet / Vorwurf: Versuchter Totschlag

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Synke Kern, Landeskriminalamt

Quelle: Cornelius Kettler

Wismar. Ein Streit im sozialen Netzwerk Facebook ist in Wismar eskaliert. Zwei Männer, die sich zuvor nur über das Internet gekannt haben sollen, sind auf offener Straße massiv aneinandergeraten. Dabei zückte einer von ihnen ein Messer und stach mehrmals auf seinen Gegner ein. Das Opfer wurde lebensgefährlich verletzt.

Die Bluttat geschah am Mittwoch gegen 13.45 Uhr im Wismarer Stadtteil Wendorf, wie die Polizei gestern mitteilte.

Vorausgegangen war ihr ein Streit auf Facebook. Dort soll der 28-jährige Tatverdächtige angekündigt haben, sein späteres Opfer erstechen zu wollen. Als sich die beiden Männer, beides Wismarer, dann trafen, wurde aus der Drohung offenbar blutiger Ernst: Drei Mal soll der Messerstecher den Angaben der Staatsanwaltschaft Schwerin zufolge seinem 18-jährigen Opfer eine Klinge in den Oberkörper gerammt haben. Der junge Mann verlor extrem viel Blut und musste notoperiert werden. Mittlerweile ist er aber außer Lebensgefahr.

Der mutmaßliche Täter konnte zunächst fliehen, wurde aber zwei Stunden später verhaftet. Zeugen hatten die Polizei auf seine Spur gebracht. Die Staatsanwaltschaft Schwerin hat gestern beim Wismarer Amtsgericht Haftbefehl gegen den 28-Jährigen beantragt — wegen Verdachts des versuchten Totschlags und der gefährlichen Körperverletzung. Der mutmaßliche Täter ist nicht vorbestraft. Worum es beim Streit der Männer genau ging, wird derzeit ermittelt. Geklärt werden soll auch, ob sich die beiden gezielt getroffen haben, einer dem anderen auflauerte oder es doch eine zufällige Begegnung war.

Dass Onlinebekanntschaften im realen Leben ein schlimmes Nachspiel haben, ist kein Einzelfall. Erst vergangenen Dienstag soll eine junge Frau aus Nordwestmecklenburg in Lübeck Opfer zweier Männer geworden sein, die sie offenbar im Internet kennengelernt hatte. Mit den beiden soll sie sich in der Hansestadt getroffen haben. Was dann passierte, ist noch unklar: Nachdem alle drei anscheinend viel Alkohol getrunken hatten, soll es zu Übergriffen gekommen sein. „Uns liegt eine Anzeige vor“, bestätigt eine Sprecherin der Lübecker Polizei. Was sich aber konkret an dem Abend zugetragen hat und ob überhaupt eine Straftat vorliege, müsse noch ermittelt werden.

Experten warnen davor, sich mit Personen, die man nur aus Onlineforen und sozialen Netzwerken, wie Facebook, kennt, im realen Leben zu treffen. „Es ist riskant. Man weiß nie, wem man dann gegenübersteht und welche Absichten derjenige hat“, sagt Synke Kern vom Landeskriminalamt Mecklenburg-Vorpommern. Das gelte umso mehr, wenn es vorher im Internet schon Streit gegeben habe. „Aber auch bei Kaufabwicklungen und Verabredungen sollte man vorsichtig sein.“ Sie rate jedem, der sich dennoch mit einer Internetbekanntschaft treffen möchte, dafür einen möglichst belebten, öffentlichen Platz auszuwählen. Sinnvoll ist es zudem, einen vertrauenswürdigen Freund oder ein Familienmitglied darüber zu informieren, wo man sich wann und mit wem trifft.

Per Post zur Prügelei

Dass virtuelle Streitigkeiten in realer Gewalt münden, passiert immer häufiger. Mitunter verabreden sich die Kontrahenten via Facebook-Post oder Twitter-Eintrag sogar gruppenweise zum Prügeln. Facebook hatte im vergangenen Jahr angekündigt, härter gegen Gewalt- und Hassaufrufe vorzugehen. Das Netzwerk werde „in Deutschland Androhungen von physischer Gewalt als glaubhafte Drohungen einschätzen und entfernen“, hieß es.

Von Heiko Hoffmann und Antje Bernstein

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