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Brandbrief einer Gymnasiastin

Rostock Brandbrief einer Gymnasiastin

Minister Brodkorb besucht nach Frust-Mail einer 16-Jährigen eine Rostocker Schule.

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Schulstunde mit Minister: Brodkorb mit Briefschreiberin Magdalena (l.).

Quelle: ove

Rostock. Bildungsminister Mathias Brodkorb (SPD) hat sich gestern in die Höhle des Löwen gewagt: Nach dem Brandbrief einer enttäuschten Schülerin besuchte er die Klasse der 16-jährigen Magdalena Stefan in Rostock.

11.15 Uhr am Ostseegymnasium Evershagen: Die Klasse 10/2 hat Geschichte. Alle sind da, nur Brodkorb verspätet sich: „Ich hab den Raum nicht gefunden“, entschuldigt er sich und wird sofort auf seinen Platz gewiesen. Geschichtslehrer Uwe Lühr und Schulleiter Gerald Tuschner haben sich auf die hinteren Bänke verdrückt. Das Zepter für die Schulstunde übernimmt Magdalena.

Die 16-Jährige hatte Brodkorb unter anderem folgende Zeilen per E-Mail geschickt:

„In letzter Zeit kommt es immer häufiger vor, dass ich und andere Klassenkameraden uns über das deutsche Schulsystem beschweren und wir mit vielen Dingen in der Schule nicht glücklich sind.

Es liegt daran, dass wir die Entwicklung zum selbstständigen Lernen machen und plötzlich feststellen, dass wir zwar viel in den zehn Schuljahren gelernt haben, aber nicht unbedingt die lebensnotwendigen Dinge.“

Den Brief habe sie geschrieben, als sie mal wieder frustriert aus der Schule gekommen sei — und Brodkorb meldete sich prompt. „Diese Reaktion hat mich total überrascht“, sagt die Schülerin. So kann sie dem Minister persönlich das „Traumschulsystem“ der Zehntklässler präsentieren. Die Schüler wünschen sich ein einheitliches Bildungssystem in Deutschland mit vergleichbaren Abschlüssen, mehr Kontinuität in der Schule. Der Lehrplan sollte weniger Themen enthalten, die mit mehr Zeit selbstständig erarbeitet und verstanden werden können. Sonst sei es nur „Bulimielernen“ — Wissen in sich rein stopfen, zur Klausur ausspucken, danach sei alles weg.

Der Minister macht sich Notizen und spricht anschließend mit den Gymnasiasten. „Mischen Sie sich als Schüler ein, diskutieren Sie mit Lehrern Ihre Wünsche“, rät er. Nach 90 Minuten ist die ungewöhnliche Schulstunde vorbei. Magdalena ist zufrieden, obwohl noch viele Fragen zu klären sind. dk

 



OZ

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