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MV aktuell Brauchen alle Schüler in MV ein Tablet?
Nachrichten MV aktuell Brauchen alle Schüler in MV ein Tablet?
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11:35 07.11.2018
Arp Fittschen, Städte- und Gemeindetag Quelle: Levien Anja
Rostock

Die Linke in MV fordert ein digitales Endgerät für jeden Schüler im Land. Gar nicht nötig, reagiert Arp Fittschen, Bildungsexperte des Städte- und Gemeindetages, im OZ-Interview.

Herr Fittschen, was halten Sie von der Idee, jedem Schüler in MV ein Tablet oder Laptop zur Verfügung zu stellen?

Das wäre sicher schön, ist aber kaum zu finanzieren. Bei 200 000 Schülern und Lehrern kann sich das jeder selbst ausrechnen. Die Realität ist doch: Jeder Schüler hat bereits ein Smartphone. Diese könnten im Unterricht genutzt werden. In Hamburg existiert dazu ein Modellversuch. Für Recherchen reicht ein Smartphone. Ein anderes Modell wäre: 60 Tablets für 600 Schüler. Nicht jeder braucht zu jedem Zeitpunkt Zugang.

Wie beurteilen Sie die digitale Entwicklung an Schulen in MV?

Wir müssen ehrlich sein: Die Digitalisierung wird noch mehr als drei Jahre dauern. Zunächst muss erfragt werden: Was will jede Schule? Dann müssen die Träger, meistens Kommunen, sagen, was sie anschaffen wollen. Dann muss man über die Anschaffung reden. Damit beschäftigt sich gerade eine Arbeitsgruppe im Bildungsministerium. Das Thema ist sehr komplex. Digitale Bildung heißt nicht, wir ersetzen die Schiefertafel durch den Bildschirm. Wichtig ist auch, dass Lehrer besser darauf vorbereitet werden, auch digitale Kompetenzen zu vermitteln.

Sind Lehrer ausreichend für die digitale Welt ausgebildet?

Nein. Digitale Bildung spielt in der Hochschulausbildung der Lehrer derzeit gar keine Rolle. Da müssen wir ran. Ein anderes Problem ist, dass Lehrer im Land überaltert sind, manchen die Motivation fehlt, sich dem Thema zu stellen. Die Schüler sind technikaffiner als die Lehrkräfte. Letztlich geht es auch um Inhalte, die vermittelt werden. Zum Beispiel welche Quellen nutzbar sind, welche nicht. Das wissen oft sogar Lehrer nicht so genau. Da ist noch viel Arbeit zu tun. Der begrenzende Faktor ist hier der Mensch. Daher müssen wir Schritt für Schritt vorgehen.

Viele Eltern besorgt der digitale Konsum ihrer Kinder. Wie viel ist gut?

Digitale Nutzung ist jetzt schon Bestandteil des Lebens von Kindern, ob uns das gefällt oder nicht. Wichtig ist doch, die Kinder zu lehren, mit dem Instrument Sinnvolles zu tun. Ich kann heute schon mit einer Sprach-App besser Englisch lernen als in jedem Sprachlabor einer Schule. Man muss mit dieser Realität umgehen. Vorbilder sind hier, denke ich, Finnland und Estland. Dort kann ich im Unterricht virtuell auf dem Amazonas Kanu fahren. Dazu braucht es nur eine VR-Brille, einen guten Server und einen geeigneten Raum.

Weiterlesen:

Pro: Digital denken

Contra: Tablets helfen Schülern wenig – andere Fähigkeiten wichtig

Artikel: Linke fordern Tablet für jeden Schüler in MV

Frank Pubantz

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