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Brodkorb lässt 12 000 Pädagogik-Bücher zurückrufen

Schwerin Brodkorb lässt 12 000 Pädagogik-Bücher zurückrufen

Problematische Danksagung ruft Missbrauchsfall an der Odenwald-Schule wieder ins Gedächtnis. Linke fordert bessere Kontrollen.

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Schwerin. Kurz vor dem Schulstart hat Mecklenburg-Vorpommerns Bildungsminister Mathias Brodkorb (SPD) eine aufwendige Rückruf-Aktion für ein Buch gestartet. Die Lektüre mit dem Namen „Schule kann gelingen“ wurde vor den Sommerferien an rund 12 000 Lehrer im Lande verteilt. Sie sollte auf Brodkorbs persönliche Empfehlung als Urlaubslektüre gelesen werden.

Das Problem: Die Autorin Enja Riegel beruft sich in ihrer Danksagung auf den inzwischen verstorbenen ehemaliger Leiter der Odenwald-Schule, Gerold Becker. Becker spielte eine zentrale Rolle bei den Missbrauchsfällen an dem hessischen Internat. Der ehemalige Direktor habe selbst Veränderungsvorschläge an dem Buch seiner langjährigen Vertrauten vorgenommen.

Bei dem verteilten Schriftstück handelt es sich offenbar um eine alte Auflage von 2004, die durch ein „blödes Versehen“ nachgedruckt wurde, sagte die Sprecherin Heidi Borhau. Der Verlag habe dem Ministerium durch einen „technischen Fehler“ eine falsche Datei zugeschickt. Enja Riegel hatte eigenständig beim Verlag darauf gedrängt, die Exemplare der alten Edition wieder zurückzuholen. Nach Bekanntwerden des Missbrauch-Skandals sei der Dank in neueren Fassungen vollständig gestrichen worden.

„Ein solcher Fehler ist dem Verlag seit mindestens 20 Jahren nicht passiert“, bedauerte die Sprecherin. Der S. Fischer-Verlag übernimmt die volle Verantwortung für das Malheur und trägt alle Kosten für das Einsammeln und die Entsorgung der rund 14 000 Exemplare sowie die anfallenden Druckkosten für eine geplante Neuauflage — ohne Dankschreiben. Die Gesamtsumme wird voraussichtlich 26 400 Euro betragen. Die Linke kritisiert diesen Fall stark. Die von einem sexuellen Missbrauchstäter mitverfassten Inhalte seien wenig pädagogisch wertvoll. Simone Oldenburg, Bildungsexpertin der Linksfraktion, verlangt bessere Prüfungen von Veröffentlichungen. Bei den Lehrern des Landes herrscht derweil Erstaunen. Erst durch die Rückruf-Aktion wurden sie auf die umstrittene Passage aufmerksam.

    Nina Schoop/Grit Büttner

 



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