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Buch thematisiert Umerziehung von DDR-Wehrdienstverweigerern

Ueckermünde Buch thematisiert Umerziehung von DDR-Wehrdienstverweigerern

Den 16. März hat sich Alfred Eckhardt vorgemerkt. „Da gibt es ein Treffen in Leipzig, es geht um ein neues Buch über unsere Haftzeit in der DDR“, sagt der 72-Jährige.

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Zellentrakt im ehemaligen Haftarbeitslager Berndshof.

Quelle: dpa

Ueckermünde. Er war 1964 einer von knapp 150 jungen Männern, die zu den ersten Totalverweigerern in der DDR gehörten. Wie sie damals ihre „sozialistische Umerziehung“ im Strafvollzug Berndshof bei Ueckermünde (Vorpommern-Greifswald) sabotierten, erforschten der Publizist Falk Bersch und der Jurist Hans-Hermann Dirksen im Auftrag der Landesbeauftragten für die Stasi-Unterlagen.

Im Buch „Strafvollzug Berndshof/Ueckermünde 1952-1972“ schildern sie, wie in dem einzigen zentralen Gefängnis für Totalverweigerer und Bausoldaten mit den Häftlingen umgegangen wurde. Zu ihnen gehörten unter anderem 1965 Rainer Eppelmann, der das Gelöbnis verweigert hatte und später der letzte Verteidigungsminister der DDR werden sollte.

Das „Haftarbeitslager“ am Stettiner Haff wurde vor 60 Jahren von Häftlingen gebaut. „Ein Grund war, dass in vielen Betrieben Arbeitskräfte fehlten“, sagt Bersch. In den Baracken von Berndshof war zunächst der zentrale Strafvollzug des DDR-Militärs und der Polizei untergebracht.

Die Staatsführung erließ 1962 ein Wehrpflichtgesetz, das keine Alternative zum Militärdienst vorsah. Auf Druck von bald 1500 Verweigerern wurde später der Status des Bausoldaten geschaffen, der aber eindeutig militärisch geprägt war. „Besonders interessant ist die zentrale Aufnahme von 150 Totalverweigerern 1964 in Berndshof, die bis auf vier Leute alle Zeugen Jehovas waren“

, erzählt Bersch.

In Schulungen, mit TV-Sendungen und Filmen wurde versucht, die Verweigerer „umzuschulen“ — vergeblich. „Wir hatten uns christliche Texte besorgt und hielten eigene Andachten ab“, erzählt Alfred Eckhardt, der heute wieder in Dresden lebt. Die Häftlinge mussten zudem als „Schotterknechte“ beim Gleisbau, in einer Gießerei, in Tontagebauen und Plattenwerken hart arbeiten. Trotz Schikanen, wie stundenlangem Stehen bei bitterer Kälte, widerstanden die Totalverweigerer den Umerziehungsversuchen. Sie wurden nach einem Jahr verlegt, die meisten nach Bautzen. „Die Umerziehung war gescheitert“, betont Falk Bersch.

Die Militärstrafgefangenen blieben noch bis 1968 in Berndshof. Das Gefängnis diente nach 1990 zeitweise dem „offenen Vollzug“, seit 2009 ist es geschlossen.

OZ

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