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Buckelwal hat Ausweg aus Greifswalder Bodden gefunden

Stralsund Buckelwal hat Ausweg aus Greifswalder Bodden gefunden

Säuger ist vermutlich zurück in die Nordsee oder gen Skandinavien abgetaucht / Forscher entdecken unbekannte Vibrationen im Buckelwal-Gesang

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Ein solcher Buckelwal hat in diesem Sommer im Greifswalder Bodden viel Aufsehen erregt.

Quelle: Archiv

Stralsund. Gute Nachrichten vom Buckelwal: Offenbar hat der Meeressäuger den Weg aus den flachen Gewässern vor Südrügen gefunden. Wochenlang war der Koloss diesen Sommer durch den Greifswalder Bodden geschwommen. „Seit dem 20. September ist er aber nicht mehr gesichtet worden“, sagt Michael Dähne, Kurator am Meeresmuseum in Stralsund. Damals hatte sich der Wal vor dem Südperd Rügens blicken lassen. Dähne geht davon aus, dass der Wal mittlerweile entweder zurück in die Nordsee geschwommen oder aber Richtung Polen oder Skandinavien abgetaucht ist.

OZ-Bild

Säuger ist vermutlich zurück in die Nordsee oder gen Skandinavien abgetaucht / Forscher entdecken unbekannte Vibrationen im Buckelwal-Gesang

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Seit Ende Juli haben Segler und Angler den Riesen mehr als 20 Mal beobachten und mehrfach filmen können. Die Videos und Fotos wurden online geteilt und tausendfach von Walfans angeklickt. Bei einer der letzten tierischen Begegnungen hatte es allerdings ordentlich gerumst: Anfang September rammte der Wal ein Segelboot. Letzteres konnte ohne Schaden weiterfahren. Und auch dem Tier ist dabei wahrscheinlich nichts passiert. „Er ist ja einiges gewohnt“, sagt Michael Dähne. Schließlich habe sich der Buckelwal, bevor er sich ins Flachwasser vor Rügen verirrt hat, bei Danzig (Polen) in einem Fischernetz verfangen und war kurz darauf befreit worden. Auch sonst sei der Säuger ein eher untypischer Vertreter seiner Art. Er hat sich nämlich kaum an der Wasseroberfläche, geschweige denn bei tollkühnen Sprüngen blicken lassen. Viel lieber legte er offenbar lange Tauchphasen ein, andernfalls wäre er im reichlich befahrenen Bodden wohl öfter gesehen worden.

Weil sich der Koloss so rar machte, bleibt es ein Rätsel, wie groß der Wal tatsächlich war. Anhand von Fotos schätzt Dähne ihn auf etwa zehn Meter Länge. „In dem Fall wäre es ein junger Buckelwal.“

Anders als der Wal aus dem Greifswalder Bodden hatte 2015 ein Buckelwal-Weibchen mit seinem Kalb in der Ostsee überwintert – eine dicke Sensation. Denn eigentlich haben es die Säuger im Winter lieber kuschelig und wandern in tropische Gefilde. Es wäre also nicht verwunderlich, wenn sich der jüngste Buckelwal nicht für die neun Grad Celsius frische Ostsee erwärmen konnte und lieber das Weite suchte.

Während Walbeobachter in der Ostsee vorerst wohl umsonst nach XXL-Säugern Ausschau halten, haben Forscher des Woods Hole Oceanographic Institute (USA) vor wenigen Tagen eine spannende Entdeckung gemacht: eine neue Komponente im Buckelwal-Gesang. Bei Messungen vor der hawaiianischen Insel Maui stellten die Meeresbiologen fest, dass die Wale nicht nur Schallwellen aussenden, sondern auch Wasserpartikel vibrieren lassen, um mit Artgenossen zu kommunizieren. Die Teilchenbewegung ist noch in mehreren hundert Metern Entfernung vom Absender messbar. Die Forscher vermuten, dass Wale diese Vibrationen, ähnlich wie Nilpferde, über ihren Schädelknochen wahrnehmen. Sollte die Teilchenbewegung tatsächlich ein wichtiger Kommunikationskanal sein, würde sich menschengemachter Unterwasserlärm noch negativer auf die Wale auswirken als bislang gedacht.

Von den Meeresriesen können nicht nur Wissenschaftler, sondern auch Windradbauer und Hubschrauberkonstrukteure lernen. Ein Buckelwal hat ausgeprägte Beulen an der Vorderkante seiner Brustflossen. Die machen den Wal wendiger. Der Göttinger Forscher Holger Mai hat das Prinzip auf Technik übertragen und Rotoren mit künstlichen Beulen entwickelt. Die sollen Windräder effizienter und leiser machen und bei Hubschraubern bessere Flugeigenschaften ermöglichen.

Seltene Gäste

7 Buckelwale haben sich bislang vor der Küste des heutigen Mecklenburg-Vorpommern gezeigt: Die erste Sichtung wurde 1766 dokumentiert, weitere folgten 1978, 2003 und 2008. Im Sommer 2014 tauchte ein Buckelwal-Weibchen mit seinem Kalb vor MV auf. Beide überwinterten in der Ostsee. Der Buckelwal, der in diesem Jahr im Greifswalder Bodden schwamm, war zuvor vor Polen unterwegs.

Antje Bernstein

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