Volltextsuche über das Angebot:

5 ° / 4 ° Sprühregen

Navigation:
Buckelwal im Greifswalder Bodden

Stralsund Buckelwal im Greifswalder Bodden

Urlauberfilm zeigt Rückenfinne: Meeressäuger von Stralsunder Experten eindeutig identifiziert / Überlebenschancen in der Ostsee nicht schlecht / Touristen und Bootsführer sollen Abstand halten

Stralsund. . Die Identität des im Greifswalder Bodden gesichteten Wales ist geklärt. Über Videoaufnahmen auf dem Smartphone einer Urlauberfamilie sei zweifelsfrei festgestellt worden, dass es sich um einen Buckelwal handele, sagte gestern der Kurator für Meeressäuger am Deutschen Meeresmuseum, Michael Dähne. Die Aufnahme stammt von Freitag.

Seitdem gebe es keine neuen Hinweis.

Die Forscher hatten am Freitag um Aufnahmen gebeten, nachdem Segler von einem Wal ohne Rückenfinne im Greifswalder Bodden berichtet hatten. Dies hätte auf einen in der Ostsee sehr selten en Besuch hingedeutet. Unter anderem haben Glattwale, Belugas und Narwale keine Rückenfinne.

Buckelwale dagegen sind als Irrgäste häufiger in der Ostsee zu sehen – zuletzt 2014/2015 sogar eine Mutter mit Kalb. Diese beiden Tiere hatten nach Einschätzung dänischer Forscher offenbar in der Ostsee überwintert. „Es ist nicht ausgeschlossen, dass es sich bei dem jetzt gesichteten Wal um das Muttertier handelt“, sagte Dähne der OZ. Das Geschlecht des Tieres konnte bislang nicht bestimmt werden.

Wahrscheinlicher sei aber, dass es sich um das gleiche Tier handelt, das bereits Anfang Juli vor Danzig aus einem Netz befreit worden war.

Das Tier ist schätzungsweise acht bis zehn Meter groß. Erkannt worden sei es an der typisch buckligen Abtauchbewegung und an der flachen Rückenfinne, sagte Dähne. Die in allen Ozeanen beheimateten Buckelwale können bis zu 15 Meter groß werden. Sie ziehen im Sommer in die kälteren Gewässer wie den Nordatlantik, leben im Winter in tropischen und subtropischen Gewässern. Vor der deutschen Küste gibt es Nachweise von Buckelwalen für 1766, 1978, 2003 und 2008.

Die Überlebensaussichten in der Ostsee seien zumindest für eine gewisse Zeit nicht schlecht, sagte der Kurator. „Wenn genug Nahrung vorhanden ist, können es Buckelwale lange aushalten.“ Ein Alarmsignal wäre jedoch, wenn sich der Gesundheitszustand verschlechtern würde. Dähne wollte sich nicht dazu äußern, ob es in diesem Fall Möglichkeiten gäbe, den Wal aus der Ostsee herauszulotsen.

Zu einer Bedrohung für den Buckelwal könnte aber nicht nur die fremde Umgebung, sondern auch der Mensch werden, warnte der Experte – gerade jetzt in der touristischen Hochsaison. „Wale lassen sich leicht durch Unterwasserlärm stören“, sagte Dähne. Motorboote oder Jetskis sollten sich daher dem Tier nicht auf weniger als 200 Meter nähern.

Die Geräusche der zahlreichen Badegäste in der Ostsee würden den Wal dagegen kaum stören, meinte Dähne. Buckelwale zählten zu den Walarten, die – anders als etwa die Pottwale – auch in flachem Wasser gut navigieren können. Daher sei es nicht auszuschließen, dass der Buckelwal auch von Badenden beobachtet werden könne. „Man sollte aber nicht heranschwimmen“, rät Dähne. „Von Buckelwalen ist zwar kein gefährliches Verhalten bekannt, aber es sind nun mal große Tiere.“ Allein die Schwanzflosse sei mindestens einen Meter breit. So könne sich beim Abtauchen ein gefährlicher Sog entwickeln.

• Buckelwal-Video:

www.facebook.com/ozeaneum

Meeressäuger zu Gast in der Ostsee

Immer wieder verirren sich Meeressäuger, die hier eigentlich nicht heimisch sind, in die Ostsee. Im vergangenen Jahr kamen die beiden Delfine „Selfie“ und „Delfie“ zu Besuch und wurden danach mehrfach gesichtet. Auch mehrere Finnwale konnten in den letzten Jahren beobachtet werden, zuletzt im Februar dieses Jahres.

Im März 2015 meldeten Seeleute vor Dänemark zuletzt einen Schwertwal. Ein halbes Jahr später tauchte in der Wohlenberger Wiek ein Schnabelwal auf, der wenig später tot in Schweden angespült wurde.

Die einzigen heimischen Wale in der Ostsee sind Schweinswale. Ihr Bestand wird auf etwa 10000 Tiere geschätzt.

Martina Rathke und Axel Büssem

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr zum Artikel

Mit Sven Heise (26) und Dominic Dieth (30) hat die FDP die jüngsten Direktkandidaten auf der Insel im Rennen

Kostenpflichtiger Inhalt mehr
Mehr aus MV aktuell
Benjamin Barz Ostsee-Zeitung Ostsee-Zeitung Termine, Events, Veranstaltungen Teaser der den User auf die Seite "Termine" führen soll image/svg+xml Image Teaser Termine 2015-09-23 de Veranstaltungen Aktuelle Termine Konzerte, Kino, Ausstellungen, Vorträge, Theater, Workshops, Tanz und noch vieles mehr. Alle Veranstaltungen und Freizeittipps in Ihrer Nähe finden Sie hier.