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MV aktuell CDU-Kreischef Glawe lehnt Rücktritt ab
Nachrichten MV aktuell CDU-Kreischef Glawe lehnt Rücktritt ab
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18:17 13.06.2018
Räumte „eine krachende Niederlage“ bei der Landratswahl am Sonntag ein: CDU-Kreischef Harry Glawe. Quelle: Ove Arscholl
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Stralsund

Nach dem Verlust des Landratspostens im Wahlkreis von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) beginnt innerhalb der Union nun die Suche nach den Verantwortlichen. Am Montagabend trafen führende Christdemokraten im Landkreis Vorpommern-Rügen zu einer Sitzung des Kreisvorstandes der Partei zusammen, um „die Dinge zu besprechen“, wie CDU-Kreischef und Wirtschaftsminister Harry Glawe sagte. Glawe räumte „eine krachende Niederlage“ ein. Einen Rücktritt lehnte er jedoch ab. „Sollen wir jetzt alle zurücktreten? Wenn Sie das hören wollen, muss ich Sie enttäuschen“, sagte er der OZ und setzte hinzu: „Ich sehe keinen Grund, eine Generalschelte vom Zaun zu brechen.“

Vorpommern-Rügen galt bislang als die am besten gesicherte CDU-Hochburg im Land. Bei der Stichwahl am Sonntag setzte sich hier überraschend SPD-Bewerber Stefan Kerth durch. Der Bürgermeister von Barth lag am Ende mit 56,6 Prozent deutlich vor Andreas Kuhn (CDU), dem Bürgermeister des Ostseeheilbades Zingst. Kerth tritt damit die Nachfolge von Ralf Drescher an. Der 62-Jährige war zehn Jahre lang Landrat und nicht wieder zur Wahl angetreten.

28 Jahre lang hat die Union im nördlichen Teil Vorpommerns den Landrat gestellt – abgesehen von der Insel Rügen, die erst im Jahr 2011 dem durch die Kreisgebietsreform neu entstandenen Großkreis Vorpommern-Rügen zugeschlagen wurde. Genau dort sowie in Stralsund habe die CDU aber laut Glawe die größten Probleme gehabt, während die Ergebnisse in und um Grimmen, wo Glawe selbst zu Hause ist, „zumindest relativ zufriedenstellend“ gewesen seien.

Im ersten Wahlgang hatte Kuhn noch mit knapp 35 Prozent rund sechs Prozentpunkte vor Kerth gelegen. Dem SPD-Herausforderer ist es im Vergleich zu Kuhn besser gelungen, sein Engagement im Stichwahlkampf noch einmal zu steigern, was auch innerhalb der CDU viele Mitglieder neidvoll anerkennen – allerdings nur hinter vorgehaltener Hand.Glawe hatte seine Parteifreunde bereits nach dem ersten Wahlgang Ende Mai vor verfrühtem Jubel gewarnt und auf der Wahlparty bereits gefüllte Sektgläser wieder wegstellen lassen. Stattdessen ließ er die Entscheider des Kreisverbandes in einem Konferenzraum des angemieteten Hotels antreten, um ihnen die Leviten zu lesen. Im Anschluss soll insbesondere Stralsunds Oberbürgermeister Alexander Badrow die Veranstaltung mit angesäuerter Miene verlassen haben. Glawe sagte dazu, dass er während seines Tadels keine Namen genannt, aber sehr deutlich festgestellt habe, dass die Ergebnisse in den Ober- und Mittelzentren der Region alles andere als zufriedenstellend sind.

Das einzige Oberzentrum in Vorpommern-Rügen ist Stralsund. Badrow verstand den Warnschuss und ließ fortan Unterstützerplakate für Kuhn drucken und in der Stadt aufstellen. Einen eigentlich medienwirksamen Termin mit CDU-Generalsekretärin Annegret Kramp-Karrenbauer auf der Stralsunder Werft kurz vor der Stichwahl hielten die Christdemokraten dennoch merkwürdigerweise geheim – ungewöhnlich in Wahlkampfzeiten.

Und die Kanzlerin? Sie wird in Zukunft bei offiziellen Terminen, die sie nicht als CDU-Spitzenpolitikerin, sondern als Regierungschefin in ihrem Wahlkreis wahrnimmt, von einem SPD-Landrat begrüßt. „Darauf hatte sie nun wirklich gar keine Lust“, verlautete aus regierungsnahen CDU-Kreisen in Berlin. Angela Merkel habe in den vergangenen Wochen mehrfach über die Bundesgeschäftsstelle der Union nachhaken lassen, ob der Wahlkampf in Vorpommern-Rügen laufe. Als es hieß „Läuft!“, habe sie sich selbst mit Wahlkampfterminen vor der Stichwahl zurückgehalten.

Benjamin Fischer

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