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CDU träumt von der absoluten Mehrheit zur Landtagswahl

Güstrow CDU träumt von der absoluten Mehrheit zur Landtagswahl

Beim Parteitag in Güstrow schärft CDU-Chef Lorenz Caffier das Profil vom „starken Staat“, Kanzlerin Angela Merkel dagegen streckt Kritikern die Hand entgegen

Güstrow. Die CDU kommt ins Schwitzen. Rund 30 Grad beim Landesparteitag im Güstrower Bürgerhaus. Parteimitglieder wedeln sich bei der Verabschiedung des Landtagswahlprogramms Luft zu. CDU-Chef Lorenz Caffier (61) heizt ein, fordert „gesunden Patriotismus“, teilt gegen politische Widersacher aus und beschwört den „starken Staat“, der Asylbewerber, die nicht spuren, sofort nach Hause schickt. Die CDU wolle im September stärkste Partei in MV werden. Dazu lotet sie die Ränder der Gesellschaft aus. Als Kanzlerin Angela Merkel den Saal betritt, brandet stürmischer Beifall auf. Sie ist als Brückenbauerin gekommen.

Zunächst aber Caffier. „Wir werden kämpfen“, ruft er in die Runde. „Wir sind die Mecklenburg-Vorpommern-Partei.“ Daher die Orientierung auf „Heimat“ und „deutsche Leitkultur“ im Wahlprogramm.

„Deutschtümelei“ sei ihm vorgeworfen worden, prustet Caffier. Dabei gehe es um wichtige Werte der Gemeinschaft. Grundgesetz, Meinungsfreiheit, Pünktlichkeit, Ordnung, Sicherheit, zählt er auf. „Wenn Gleichberechtigung Deutschtümelei ist, dann tümele ich gern.“ Ungewöhnlich scharf nimmt er den Regierungspartner SPD Maß: Schluss mit Sparhaushalt und Bürgerferne. „Es reicht nicht aus, das Land nur zu verwalten.“ Der SPD-Parteitag habe aus „30 Minuten Shanties“ und „vier Minuten Diskussion“ bestanden, so Caffier. Die CDU schunkelt nicht. Sie singt mit geradem Rücken die Nationalhymne. Sie steht geschlossen auf, wenn die Kanzlerin den Saal betritt und verlässt.

24 Prozent Zustimmung hatte die CDU bei der jüngsten Umfrage. Kurz kokettiert Caffier mit „der absoluten Mehrheit“ am Wahltag. Raunen im Saal. Rein rechnerisch wäre Rot-Rot-Grün eine Regierungsoption. Caffier malt für den Fall ein düsteres Bild, warnt vor geplünderten Kassen, Chaos in der Bildungspolitik, Windrädern vor jedem Haus. „Wer das alles nicht will, der muss CDU wählen.“

Die Partei stehe für Bürgernähe, Recht und Gesetz. „Gute Rede“, sagt Michael Silkeit aus Rostock und wischt sich Schweiß von der Stirn. „Identifikation ist wichtig“, erklärt Stephan Meyer aus Bützow.

Angela Merkel hat Caffiers Rede nicht gehört. Sie kommt vom Parteitag der Brandenburger CDU, plaudert über ihr Haus in der Uckermark und die Vorzüge der Demokratie – Verbindendes. „Exzellente Arbeit“

leiste die Landes-CDU, vor allem Innenminister Caffier, sagt sie. Dann die große Politik. Euro-Krise – bewältigt. Flüchtlingskrise – nun ja. Die EU müsse zusammenhalten, sagt Merkel. Schwierig, da die Außengrenzen „von Algerien bis zum Nordpol“ reichten. Aber lösbar, appelliert sie durch das heiße Güstrower Bürgerhaus. Es brauche Partner wie die Türkei, Bekämpfung von Kriegsursachen in den Herkunftsländern der Flüchtlinge und finanzielle Hilfe. Dem hundertfachen Tod von Menschen im Mittelmeer „können wir nicht einfach zugucken“. Europa dürfe sich nicht abschotten, sagt Merkel: „Wenn wir den Brenner schließen, dann ist Europa tot.“ Natürlich müssten sich auch Zuwanderer an Gesetze halten. Das sei aber nicht immer leicht, wirft sie ein und erinnert an die Wendezeit, als auch Ostdeutsche Probleme mit der Bürokratie hatten. Die CDU sei hier wichtig. Merkel: „Wir bauen auch Brücken zu den Zweiflern. Wir sagen nicht, was nicht geht, wir suchen eine Lösung.“

Tosender Applaus. Dann jagt die Partei durch 142 Änderungsanträge zum Programm. Das Streichen der „Leitkultur“ – vom Tisch gewischt. „Unser Ziel ist es, allein zu regieren“, sagt Generalsekretär Vincent Kokert. Jeder Partner in einer Regierung bedeute Aufweichung eigener Inhalte, so Caffier. Ein Dreier-Bündnis wolle er nicht.

Frank Pubantz

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