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MV aktuell So will Rostock das Klima retten
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06:00 08.10.2018
Auf dem Wiro-Parkhaus an der August-Bebel-Straße gibt es bereits Photovoltaik-Anlagen: Rostock will mehr Strom aus Sonnenkraft erzeugen. Quelle: Hartmut Klonowski
Rostock

In Sachen Umwelt- und Klimaschutz ist Rostock ausgezeichnet – und das ist nun sogar verbrieft: Als eine von nur 19 Kommunen in ganz Deutschland ist die Hansestadt von der Bundesregierung für ihr Engagement und ihre Pläne für eine sauberere, nachhaltigere Stadt geehrt worden. „Das Bundesumweltministerium hat anerkannt, dass wir uns ehrgeizige Klimaschutz-Ziele gesetzt haben – und diese auch erreichen werden“, sagt Umweltsenator Holger Matthäus (Grüne). Bis 2050 will Rostock seinen Energieverbrauch halbieren – und den Ausstoß des Klimagases CO2 sogar um 95 Prozent senken (im Vergleich zu 1990). Wie das gelingen soll: Sieben Punkte für ein besseres Klima in Rostock.

1. Grüne Fernwärme

Zugegeben: Schön sind die dicken, silbernen Rohre im Stadtbild nicht. Aber für den Klimaschutz ist die Fernwärme in der Hansestadt unverzichtbar: „70 Prozent des Wärmebedarfs in Rostock decken wir bereits mit der Fernwärme“, sagt Senator Matthäus. Der Vorteil: Es gibt es in Rostock wenig Gas- oder Ölheizungen – und somit auch weniger schädliche Abgase, die in die Luft geblasen werden. „Wir wollen das Fernwärmenetz in den kommenden Jahren Schritt für Schritt erweitern – nicht nur in die Neubaugebiete.“ Angedacht sei beispielsweise auch, Teile der Innen- und der Altstadt anzuschließen. „Und wir wollen die Erdwärme grüner machen.“ Bisher wird in einem Kraftwerk der Stadtwerke für die Wärme Gas verfeuert. „In einem ersten Schritt planen die Stadtwerke nun einen riesigen Warmwasser-Speicher, eine Art Tauchsieder.“ 60 Meter hoch. Überschüssiger Strom aus der Windkraft im Land soll genutzt werden, um Wasser zu erhitzen. „Das nutzen wir dann in Rostock zum Heizen.“ Zudem arbeiten die Stadtwerke bereits an Konzepten, kostenlose und saubere Erdwärme zu nutzen. „Die Zukunft der Erdwärme ist CO2 -neutral“, so Matthäus. Vorbild ist die dänische Hauptstadt Kopenhagen: „Die deckt ihren Heizbedarf zu 100 Prozent aus Fernwärme.“

2. Bessere Wohnungen

So grün die Wärme in der Stadt auch wird: Die beste Energie ist die, die gar nicht erst benötigt wird. „Und deshalb wollen wir gemeinsam mit den großen Vermietern das Thema ,Energiesparen’ neu angehen“, sagt Matthäus. Nach der Wende seien die Wohnungen in der Hansestadt saniert worden. „Aber es wird Zeit, dass wir uns diesem Thema wieder widmen.“ Ein Schwerpunkt soll dabei auch auf neuen Fassaden liegen: „Auf Außenwänden, die kaum Wärme von innen abgeben. Das spart für die Mieter auch bares Geld.“

3. Weniger Autos, mehr Bahnen

Die Bundesregierung lobt Rostock für ein Verkehrsmittel, das in anderen (west-)deutschen Großstädten vor Jahrzehnten abgeschafft wurde: die Straßenbahn. Sechs neue Linien sind intern bei der Rostocker Straßenbahn AG in Planung – unter anderem nach Sievershagen oder rund um den möglichen neuen Stadtteil Groß Biestow. Auch eine Linie ins Zentrum von Reutershagen, eine Verbindung zwischen Toitenwinkel und Gehlsdorf sowie ein Lückenschluss zwischen Südring und Thierfelderstraße sind angedacht. „Unser Ziel ist es, mehr und mehr Menschen zum Umstieg auf öffentliche Verkehrsmittel zu bewegen“, so der Senator. Vor allem die Pendler aus dem Umland sollen möglichst schon am Stadtrand das Auto stehen lassen. „Wir wollen zudem das Radwegenetz ausbauen, Fahrrad-Autobahnen anlegen – das ist sogar noch klimafreundlicher als die Straßenbahn.“

4. Sauberer Strom vom Dach

Aus einem Potenzial macht Rostock bisher viel zu wenig: Die Hansestadt liegt in einer der sonnenreichsten Gegenden Deutschlands. „Doch wir nutzen diese Energiequelle bisher viel zu wenig“, heißt es aus dem Rathaus. Vor allem auf den Dächern der Plattenbauten sei noch ausreichend Platz für Solarstrom-Anlagen: „Wir haben errechnen lassen, dass wir bis zu 80 Megawatt Strom auf den Dächern Rostocks erzeugen könnten“, sagt Matthäus. Zum Vergleich: Das entspricht gut 20 Prozent der Leistung des Steinkohlekraftwerks im Seehafen. Der Ausbau des Solarstroms komme aber nur schleppend voran. Schuld seien auch gesetzliche und steuerrechtliche Regelungen, so Matthäus. „Wir hoffen, dass die Idee des ,Mieterstroms’ uns weiterbringt.“ Im Klartext: Mieter sollen den Strom von „ihren“ Dächern besonders günstig kaufen können.

5. Sparsame Straßenlampen

Energie und schädliche Abgase will die Stadtverwaltung aber nicht nur im Großen, sondern auch mit vielen kleinen Maßnahmen einsparen. Zum Beispiel mit neuen Straßenlaternen. „Wir rüsten nach und nach sämtliche Straßenlampen in der Stadt auf energiesparende LED um“, so Matthäus. Rund zwei Millionen Euro zahlt die Stadt pro Jahr für die Energiekosten der 22 000 Laternen. Mit den LEDs wird es deutlich günstiger. Am Parkweg am Kringelgraben testet die Stadt im Zuge eines EU-Projektes nun auch Leuchten mit Bewegungsmeldern: Ist niemand in der Nähe, leuchten sie nur schwach. Aber sobald ein Fußgänger, ein Radler oder ein Auto vorbeikommt, wird die Lampe heller. „Auch davon erhoffen wir uns Einspareffekte.“

6. Lieferverkehr mit E-Rädern

Matthäus will auch die Wirtschaft in die Klimaschutz-Ziele einbinden: Die Deutsche Post ist zum Beispiel in Rostock bereits mit E-Autos unterwegs. Der Postdienstleister Nordbrief setzt größtenteils auf Fahrräder. Und in Evershagen testet der Paketdienst Hermes nun Lastfahrräder (mit E-Motor). „Die Gefährte erzeugen allesamt keine Abgase, sie sind leiser und ich kann mir vorstellen, dass wir E-Bikes und Lastenrädern auch tagsüber gestatten, zum Beispiel Geschäfte an der Kröpeliner Straße zu beliefern“, so der Senator.

7. Saubere Schifffahrt

Die Urlaubsbranche auf See soll den Anfang machen: Stadt und Land, der Hafenbetreiber Rostock Port und die Reederei Aida Cruises haben sich geeinigt, in Rostock auf Landstrom zu setzen. Künftig sollen die Schiffe während der Liegezeiten im Hafen ihre Motoren abschalten und von Land aus mit Energie versorgt werden. „Wir wollen perspektivisch die gesamte Schifffahrt bei uns im Hafen nachhaltiger machen“, erklärt Matthäus. Landstrom könne er sich zum Beispiel auch für die Fähren nach Skandinavien vorstellen: „Oder die stellen eines Tages komplett auf Elektro- und Batterieantriebe um.“ Und: Wenn ein belgisch-russisches Konsortium seine Pläne für ein Flüssiggas-Terminal im Seehafen umsetzt, sei das auch eine Chance für sauberere Schifffahrt in Rostock: „Wir hoffen, dass die Reedereien dann auch auf LNG umsteigen. Das Flüssiggas ist deutlich sauberer als herkömmlicher Schiffstreibstoff.“

Andreas Meyer

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