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MV aktuell Chef der Familien-Partei wechselt zu Freien Wählern
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05:46 10.05.2017
Arne Gericke (52) war von 2006 bis 2010 und seit November 2016 Chef der Familienpartei. Jetzt gehört er zu den Freien Wählern. Quelle: Foto: Mathieu Cugnot
Schwerin/Tessin

Von fast null auf hundert: Die Freien Wähler in MV sind plötzlich im Europäischen Parlament vertreten. Arne Gericke (52) aus Tessin (Kreis Rostock), bis Montag Bundeschef der Familienpartei, hat quasi über Nacht die Seiten gewechselt. Gestern trat er den Freien Wählern bei. Die Partei, die zur Landtagswahl 0,6 Prozent erreichte, versucht auch Mitglieder anderer Kleinparteien zu werben.

Arne Gericke wirkt müde, als er sich gestern in Schwerin als Freier Wähler vorstellt. In der Nacht habe er intensive Gespräche mit Vertretern der Familienpartei geführt, der er nach elf Jahren den Rücken kehrt. Gericke hält ein Kuscheltier des tapferen Galliers Asterix hoch – ein Symbol für seine neue Partei: „Klein, aber oho.“ Schon seit längerer Zeit habe er Verbindung zu den Freien Wählern, es gebe viele inhaltliche Schnittmengen, während es in seiner früheren Partei zwischenmenschlich und strukturell kriselte, wie Gericke andeutet. Erst im November 2016 wurde er erneut Bundesvorsitzender der Familienpartei, war es von 2006 bis 2010 schon einmal. Seit 2014 sitzt er im Europäischen Parlament, einer von sechs Vertretern mit MV-Bezug. Doch nun der Bruch. Das Mandat nehme er mit. „Ich werde meinen Themen treu bleiben“, sagt Gericke. Dies seien neben Familie auch Soziales, Mittelstand und zunehmend die Kommunen. Gustav Graf von Westarp, Kopf der Freien Wähler in MV, kann sein Glück kaum fassen: „Gericke ist eine echte Bereicherung für unsere Partei.“

Nun wird aus zweimal Asterix nicht gleich Obelix, um im Bild zu bleiben: Familienpartei und Freie Wähler haben in MV jeweils 60 Mitglieder. Allerdings seien im Landesverband der Freien Wähler – ein Verein als Parallelstruktur– rund 1000 Mitglieder organisiert, sagt der Vorsitzende Klaus-Dieter Gabbert. Eine Partei sei gegründet worden, weil es zur Landtagswahl rechtlich erforderlich war. Die Stärke der Freien Wähler in der Kommunalpolitik sei ein Beweggrund für den Wechsel gewesen, so Gericke. „Wir machen Politik für die Menschen“, so Westarp. Es gebe keine inhaltlichen Zwänge wie in anderen Parteien. „Dem Einheitsbrei der großen Parteien Paroli bieten“, nennt es Gericke. Das könne in der Praxis dazu führen, dass die Partei in einem Ort Biogasanlagen ablehne, in anderen befürworte. Das Votum der Bürger sei entscheidend. Martin Koschkar, Politikwissenschaftler an der Universität Rostock, sieht darin allerdings die Gefahr von Beliebigkeit. „Es muss auf Parteiebene inhaltlich ein verknüpfendes Element geben.“ Eine Partei müsse bei wichtigen Themen eine Grundlinie haben.

Die Freien Wähler werben damit, Bürgerwillen zu vertreten. Bei anderen Kleinparteien habe er angefragt, ob es die Chance eines Anschlusses gebe, so Westarp – etwa Tierpartei, Piraten oder Freier Horizont. Ohne Erfolg. Dennis Klüver, Chef der Piraten in MV, bestätigt Anfrage und Absage. Begründung: Seiner Partei gehe es nicht um Mandate, sondern um Politik. „Wir sind eine globale Partei.

Piraten wird es immer geben.“

Kleine Parteien im Vergleich

0,8 Prozent der Stimmenanteile hatte die Familien-Partei zur Landtagswahl in MV im vergangenen Jahr. Landesweit hat sie rund 60 Mitglieder.

0,6 Prozent der Stimmen holten die Freien Wähler zur Landtagswahl. Die Partei hat 60 Mitglieder. Rund 1000 Menschen sind im gleichnamigen Verein aktiv.

Arne Gericke war seit 2006 in der FamilienPartei, zuletzt Bundesvorsitzender, wechselt jetzt zu den Freien Wählern. Seit 2014 sitzt der vierfache Familienvater im EU-Parlament.

Frank Pubantz

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