Menü
Ostsee Zeitung | Ihre Zeitung aus Mecklenburg-Vorpommern
Anmelden
MV aktuell Chefs fordern längere Arbeitszeiten
Nachrichten MV aktuell Chefs fordern längere Arbeitszeiten
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
00:00 27.03.2017
Rostock

Kommt die Zwölf-Stunden-Schicht zurück? Der Arbeitgeberverband Nordmetall fordert, längere, tägliche Arbeitszeiten zu erlauben. Auch der Deutsche Hotel- und Gaststättenverband MV (Dehoga) erneuert seine Kritik am Arbeitszeitgesetz.

Nach geltender Rechtslage ist spätestens nach zehn Stunden in Büro, Küche oder Werkstatt Feierabend. Zwölf Stunden lang dürfen nur Bereitschaftsdienste dauern.

„Die gesetzlichen Vorgaben für die Ruhezeiten und die tägliche Höchstarbeitszeit passen nicht mehr in das Handy- und Laptop- Zeitalter. Wir brauchen jetzt ein Arbeitszeitrecht 4.0“, sagt Thomas Lambusch, Präsident von Nordmetall und Chef des Rostocker Unternehmens SEAR.

Es müsse möglich sein, dass Mitarbeiter „an einem Tag auch einmal mehr als zehn Stunden arbeiten und dafür an einem anderen Tag der Woche später kommen oder früher gehen können“, erklärt Lambusch.

Auch die gesetzliche Ruhezeit von mindestens elf Stunden sei nicht mehr zeitgemäß.

Es gehe aber nicht darum, die maximal erlaubte Wochenarbeitszeit von 48 Stunden in Frage zu stellen. Nordmetall vertritt in MV 20 Unternehmen mit 5000 Beschäftigten. Insgesamt arbeiten im Nordosten rund 28 000 Menschen in der Metall- und Elektroindustrie.

Auch die Hotelbranche geht auf die Barrikaden: „Das Arbeitszeitgesetz widerspricht nicht nur Gäste-, und Unternehmerwünschen, sondern auch dem ausdrücklichen Wunsch von Arbeitnehmern“, sagt Dehoga-Landesgeschäftsführer Matthias Dettmann. Es wäre nötig, die wöchentliche Arbeitszeit auf die einzelnen Tage aufzuteilen, und zwar nach Bedarf. Dettmann: „Es muss dann gearbeitet werden, wenn die Arbeit anfällt.“

Widerstand kommt von der Gewerkschaft: Die IG Metall Küste hält eine Änderung des Arbeitszeitgesetzes für überflüssig. „Schichten, die zehn Stunden oder länger dauern, sind auf keinen Fall gesund“, kritisiert Sprecher Heiko Messerschmidt den Arbeitgeber-Vorstoß. Viele Beschäftigte würden sich zwar mehr Flexibilität wünschen. „Aber nicht um jeden Preis“, heißt es bei der IG Metall. Wenn es darum gehe, mehr oder weniger zu arbeiten, müssten auch die Bedürfnisse von Arbeitnehmern berücksichtigt werden.

Laut einer Umfrage der Metall-Arbeitgeber sind drei von vier Mitarbeitern mit der Planbarkeit ihrer Arbeitszeit zufrieden. Jeder zwölfte Mitarbeiter wird demnach einmal im Monat oder öfter nach Feierabend vom Chef kontaktiert. Nur eine Minderheit empfinde solche Anrufe und Mails als störend. Und: In Norddeutschland haben 68 Prozent der Beschäftigen der Metallindustrie das Gefühl, selbstständig über ihre Zeit entscheiden zu können. Im bundesweiten Durchschnitt gaben das lediglich 59 Prozent der Befragten an.

Gerald Kleine Wördemann

Mehr zum Thema

Fast jedes vierte Schulkind in MV ist Allergiker. Zum Thema gab es am Mittwoch OZ-Telefon-Forum viele Leserfragen.

23.03.2017

Wegen automatischer Abstimmungen schaltete der Verband sie ab

24.03.2017

Leser diskutieren weiter über den Namenspatron der Universität

25.03.2017

Kokert bislang einziger Anwärter für Amt des CDU-Landeschefs

27.03.2017

Körperliche Belastungen haben sich geändert / Psychische Anforderungen wachsen

27.03.2017

Ost-Bürgermeister fordern faire Behandlung / Konferenz in Rostock

27.03.2017