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Computer-Kriminalität: Immer mehr Menschen in MV betroffen

Rostock/Greifswald Computer-Kriminalität: Immer mehr Menschen in MV betroffen

LKA-Experte Bruhn rät: Vorsicht bei Abfrage von sensiblen Bank-Daten

Rostock/Greifswald. Die Fälle von Computerkriminalität (Cybercrime) in MV haben letztes Jahr um mehr als 50 Prozent zugenommen. Wurden 2015 noch 1565 Fälle gemeldet, waren es 2016 bereits 2397. Die tatsächlichen Zahlen dürften noch deutlich höher liegen: Das Landeskriminalamt (LKA) geht grundsätzlich von einem hohen Dunkelfeld aus. Doch man ist den Tätern im Netz nicht schutzlos ausgeliefert, sagt Jörg Bruhn, Leiter des Dezernates Cybercrime im LKA MV, und gibt den OZ-Lesern hilfreiche Tipps.

 

OZ-Bild

Jörg Bruhn, Leiter des Dezernats Cybercrime im Landeskriminalamt

Leserforum am Dienstag

Zum Thema Sicherheit können sich Bürger am Dienstag ab 18 Uhr im OZ-Medienhaus informieren. Jörg Bruhn (Foto), LKA-Dezernatsleiter „Cybercrime“, und Dr. Manfred Preetz, Sprecher der Dekra, halten Vorträge und beantworten Leser-Fragen. Landesinnenminister Lorenz Caffier (CDU) wird zudem ein Statement zur Sicherheit in MV abgeben.

Welche Gefahren lauern im Netz?

Jörg Bruhn: Eine Zunahme sehen wir beim Erschwindeln von Geld durch gefälschte Internet-Shops (sogenannte Fake-Shops). Die Kunden werden mit günstigen Angeboten gelockt, erhalten dann aber trotz Geldüberweisung keine Ware. Ein Phänomen, das in Wellen auftritt, ist das Verbreiten von Schadsoftware zum Verschlüsseln von Dateien (Ransomware). Der Computer bzw. Dateien des Opfers werden gesperrt und die Daten erst nach Zahlung eines Lösegelds freigegeben. Ein weiterer Punkt ist Identitätsdiebstahl, wobei die Täter auf verschiedenen Wegen, beispielsweise unter Nutzung von Schadsoftware oder Phishing, die Identität des Opfers übernehmen und missbräuchlich für ihre kriminellen Zwecke einsetzen.

Warum gehen Sie von so einer hohen Dunkelziffer aus?

Belege dafür finden sich in verschiedenen Befragungen und wissenschaftlichen Studien, beispielsweise der Dunkelfeldstudie 2014. Die Gründe sind vielfältig: Einerseits merken die Opfer oft nicht, dass sie betroffen sind. Viele bringen auch Taten nicht zur Anzeige, weil sie sich selbst die Schuld geben oder keine Chance sehen, dass sie ihr Geld wiederbekommen. Es gibt auch Opfer, die es der Polizei nicht zutrauen, den Fall aufzuklären, weil sie glauben, dass die Täter den Strafverfolgungsbehörden immer einen Schritt voraus sind.

Und haben sie damit recht?

Nein. Die Polizei in MV hat reagiert und die Bekämpfung von Cybercrime zu einem Schwerpunkt gemacht. Wir nutzen bereits seit mehreren Jahren die Möglichkeit, Experten in die Polizei zu integrieren. Das sind natürlich vorwiegend junge, innovative Leute, die direkt von der Uni oder aus einem IT-Beruf kommen und so auf dem neuesten Stand sind.

Und gibt es auch schon Erfolge?

Gerade wird vor dem Landgericht Rostock gegen den mutmaßlichen Betreiber von gefälschten Internetshops (Fake-Shops) verhandelt. Auch in Schwerin gab es bereits derartige Ermittlungserfolge. Die Aufklärungsquote von Cybercrime ist 2016 im Vergleich zu 2015 von 45,6 auf 59,9 Prozent gestiegen. Allerdings bezieht sich das lediglich auf die Fälle, bei denen die Tat im Inland begangen wurde.

Gerade im Bereich der Computerkriminalität sitzen die Täter aber oft im Ausland oder nutzen ausländische Server. Diese Taten spiegeln sich somit nicht in den oben genannten Zahlen wider. Nichtsdestotrotz stehen auch diese Sachverhalte im Fokus polizeilicher Ermittlungen.

Wie kann ich mich gegen Cybercrime schützen?

Das Nutzerverhalten und technische Vorkehrungen sollte man an die aktuellen Bedrohungen anpassen. Heißt konkret, dass man immer mit seinen persönlichen Daten sensibel und sparsam umgeht.

Preisgünstige Angebote, aber auch Kommunikationspartner, sollten zwingend auf Plausibilität geprüft werden. Für eine sichere Nutzung der Internetangebote müssen das Betriebssystem, die Software und der Virenscanner immer auf dem aktuellsten Stand gehalten werden.

Besonders sensibel ist das Online- Banking. Worauf muss ich dabei achten?

Online-Banking ist sicher, wenn man sich an die Vorgaben hält. Im Browser ist auf das kleine grüne Schlosssymbol zu achten. PIN und TANs sind geheim und die Bank wird Sie niemals dazu auffordern diese außerhalb des direkten Zahlungsverkehrs preiszugeben. Insbesondere in den E-Mails enthaltene Links sollten nicht aufgerufen werden. Bei der Nutzung von SMS-TAN darf auf keinen Fall das zum Online-Banking genutzte Smartphone gleichzeitig zum SMS-Empfang genutzt werden.

Gerade Jugendliche nutzen ja ihr Smartphone rund um die Uhr. Welche Tipps haben Sie für sie?

Apps sollten nur aus den offiziellen App-Stores heruntergeladen werden, sonst besteht die erhöhte Gefahr, dass Schadsoftware auf das Gerät gelangt. Verdächtig ist, wenn für die Installation von Apps Daten verlangt werden, die mit der Funktion der App nicht in Zusammenhang stehen. Zudem sollten Jugendliche aufpassen, welche Bilder sie ins Netz stellen oder was sie von sich in Chatforen preisgeben. Hier besteht immer die Gefahr, dass Daten missbraucht werden.

Wohnungseinbrüche: Sehr gute Aufklärungsquote

Jahrelang ist die Zahl der Wohnungseinbrüche in MV gestiegen (2009 bis 2014). Seit 2015 gehen die Fälle – gegen den bundesweiten Trend – leicht zurück. Im Osten des Landes ist die Tendenz für 2017 laut Polizeipräsidium Neubrandenburg bisher ebenfalls rückläufig.

So sah es in den einzelnen Regionen 2016 aus: Vorpommern-Greifswald (254 Fälle, rückläufig) führt die Statistik im Osten des Landes an. „Den Schwerpunkt stellt aber Usedom dar“, sagt Katrin Kleedehn, Sprecherin des Polizeipräsidiums Neubrandenburg. Allein in der Gemeinde Heringsdorf gab es 24 Fälle (stark rückläufig). Erfreulich sei dort jedoch die gute Aufklärungsquote von 41,7 Prozent. Generell falle auf, wo viele Menschen leben, geben es auch viele Einbrüche. Beispiele seien Greifswald, Stralsund oder Neubrandenburg.

Vorpommern-Rügen fällt durch gute Aufklärungsquoten auf. Bei knapp 45 Prozent der 163 Delikte wurde ein Täter ermittelt. In Stralsund (67 Fälle) und Greifswald (36 Fälle) wurde sogar jeder zweite Einbruch aufgeklärt.

Die meisten Wohnungseinbrüche im Westen des Landes haben sich im Raum Rostock (253, stark steigend) und Güstrow (203) ereignet. Es folgt die Mecklenburgische Seenplatte (179, steigend). Den mit Abstand größten Rückgang hat Ludwigslust-Parchim zu verzeichnen, wo die Zahl der Einbruchsdelikte von 226 auf 176 Fälle sank. vw

Interview von Axel Büssem

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