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MV aktuell Craft-Bier aus MV: Inspiration sind Tradition und Moderne
Nachrichten MV aktuell Craft-Bier aus MV: Inspiration sind Tradition und Moderne
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16:35 31.08.2018
Frank Lucas ist amtierender Deutscher Meister der Biersommeliers. Quelle: Christian Rödel
Rambin

Die sogenannten Craft-Biere sind beliebt. Über den aus den Vereinigten Staaten stammenden Trend, deutsche Eigenheiten und seltene Biere sprach die OZ mit Frank Lucas (49). Der Betriebsleiter der Insel-Brauerei in Rambin auf Rügen ist der amtierende Deutscher Meister und frühere Vizeweltmeister der Biersommeliers.

In den USA entwickelte sich der Craft-Bier-Trend Mitte der 70er Jahre. Es handelt sich um „handwerklich“ von einer unabhängigen Brauerei hergestellte Biere. Hält der Boom an?

Frank Lucas: Der Boom in den USA ist den Spätfolgen der sogenannten Prohibition, also des dort bis in die 1930er Jahre geltenden landesweiten Verbotes der Herstellung und des Verkaufs von Alkohol, geschuldet. Statt nur eines von wenigen Super-Brauereien gepflegten Bierstils kreieren immer mehr kleine Braustätten neue Produkte.

Hält diese Entwicklung an?

Gegenwärtig gibt es in den Vereinigten Staaten bereits mehr als 6000 Brauereien. Der Zuwachs an Braustätten hat sich etwas verlangsamt, doch die Vielfalt nimmt weiter zu. Das gilt insbesondere auch für den Biermarkt in Frankreich, Osteuropa und Skandinavien.

Welche Bedeutung haben Craft-Biere für Deutschland?

Auch hierzulande steigt die Zahl der Brauereien wieder. Aktuell wurde die 1500er-Marke geknackt. Die Biervielfalt und -qualität war in Deutschland aber bereits vorher viel höher. Das Handwerk spielt traditionell eine große Rolle. Wir selbst als Insel-Brauerei sprechen von seltenen Bieren. Das sind Biere, die in Deutschland selten gebraut werden und wenig bekannt sind, hundertprozentig handwerklich hergestellt. Dabei lassen wir uns beim Brauen von historischen Bierstilen und von der internationalen Biertradition inspirieren.

Worin besteht der Unterschied?

Eine konkrete Craft-Bier-Definition existiert für Deutschland nicht. Der Qualitätsanspruch ist identisch mit dem der traditionellen Brauereien und das Handwerk hat einen hohen Stellenwert. Ein wichtiger Unterschied ist die Fokussierung auf Vielfalt und Genuss.

Sie wollen auch preislich quasi in einer eigenen Liga spielen?

Wir haben eine besondere Brauphilosophie, die auf der traditionellen Flaschenreifung beruht. Dazu gehören eine sehr aufwendige Brauart mit ausschließlich Naturhopfen, Spezialmalzen und offener Gärung. Die Kreationen entwickeln sich in einer Reifekammer bei 25 Grad Celsius bis zum Erreichen der besonderen geschmacklichen Komplexität. Ein solcher Aufwand schlägt sich auch im höheren Preis nieder. Anders als die industriellen Großbrauereien denken wir nicht in Hektolitern, sondern in Flaschen. Wir sind die Winzer unter den Brauern!

Arbeiten Sie nach dem deutschen Reinheitsgebot?

Zwölf unserer 15 Sorten entsprechen dem Reinheitsgebot. Bei den anderen drei Sorten verwenden wir auch traditionelle Biergewürze. Den Begriff Reinheitsgebot, es handelt sich dem Inhalt nach um ein gut 500 Jahre altes Konstrukt, muss man differenziert betrachten. Es gibt Widersprüche, die sicher nicht zeitgemäß sind und selbst Braumeister nicht auflösen können.

Ist das Reinheitsgebot nicht hauptsächlich ein Marketing-Instrument?

Eindeutig ja. Unbestritten ist aber, dass es auch dafür sorgt, dass mit den Inhaltsstoffen kein Schindluder getrieben wird. Andererseits ist eine zeitgemäße Interpretation nötig.

Wie sollte diese aussehen?

Eine Tatsache ist, dass beispielsweise mit Salz und Koriandersamen bereits vor 500 Jahren in Goslar, das heute zu Niedersachsen gehört, gebraut wurde. Die Biersorte Gose erlebte ihre Blütezeit vor 100 Jahren in Leipzig. Biergewürze wie Koriander und Kümmel wurden überall in Deutschland – auch in Bayern – beim Bierbrauen seit dem Mittelalter verwendet. Es ist wichtig, sich auf unsere Wurzeln zu besinnen.

Die Gose haben Sie auch auf Rügen wiederentdeckt!

Das stimmt. Unser Baltic Gose wird mit Meersalz gebraut und einer Champagnerhefe vergoren. Das Insel Saison und das Baltic Triple brauen wir mit traditionellen Biergewürzen. Für diese drei Ausnahmen besitzen wir eine Genehmigung vom Land. Sie sind als besondere Biere registriert.

Wäre das in Bayern möglich?

Nein. Denn die Klassifizierung als Bier ist Ländersache. Unsere bayerischen Kollegen hätten aufgrund der dort vorherrschenden konservativen Auslegung der Regeln keine Chance.

1200 deutschsprachige Frauen und Männer haben sich bereits der Pflege der Bierkultur verschrieben. Seit 2004 werden Diplom-Biersommeliers in der Doemens Academy im bayerischen Gräfelfing und in der österreichischen Kiesbye Akademie ausgebildet. Sommeliers helfen in Restaurants den Gästen, ein passendes Bier zur Speise zu finden. Es soll stärker als Genussmittel mit großer Geschmacksvielfalt erlebbar sein. Die Experten beraten auch die Restaurant-Betreiber, welche Biere zum Sortiment passen.

Penne Volker

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